Bild: Wissenschaftsgesellschaft, CC-BY-CA 2.0, Tobias M. Eckrich

Kein Link dem #LSR – LSR blocken

Das „Leistungsschutzrecht“ ist ein gefährliches Gesetz. Auch in der aktuell beschlossenen abgeschwächten Form:

1. Pressedefinition

Es zementiert den Anspruch von Presseverlegern darauf, allein als Presse zu gelten. Presse ist das, was Presseverleger herausgeben. In Folge dessen können auch nur noch Presseverleger den rechtlichen Schutz in Anspruch nehmen, welchen redaktionelle und journalistische Tätigkeiten bisher laut Gesetz hatten. Blogger und freiberufliche Journalisten werden hiermit also entrechtet.

2. Rechtsunsicherheit

Aufgrund der schwammigen Formulierung des Gesetzes mit den Wortlaut: „Der Hersteller eines Presseerzeugnisses (Presseverleger) hat das ausschließliche Recht, das Presseerzeugnis oder Teile hiervon zu gewerblichen Zwecken öffentlich zugänglich zu machen, es sei denn, es handelt sich um einzelne Wörter oder kleinste Textausschnitte.“ besteht eine große Rechtsunsicherheit. Bereits heute, ein Tag nach dem Beschluss seht schon der Bundesverbandes deutscher Zeitungsverleger (BDZV) auch die kurzen Fragmente welche von der Google-Suche gezeigt werden als zu lang an: „Nein.“ Die Google-Suchergebnisse gingen „über die nicht erfassten Längen hinaus.“ (Quelle: Golem, „Google-Suche nach Leistungsschutzrecht nicht zulässig“)

 

Leider beschränkt sich die Aktivität vieler Netizens, aber auch von Piraten auf die Aufstellung politischer Forderungen, einigen vielen Blogartikeln und von wenigen echten Protesten. Oftmals wird Google aufgefordert, die entsprechenden Verlage einfach aus dem Index zu entfernen.
Aber selbst wird nichts getan. Im Gegenteil: Über soziale Medien, Blogs, Pressemeldungen, wird weiterhin genau dafür gesorgt, dass die #LSR-Angebote in der Reihenfolge der Suchergebnisse oben sind. Artikel dieser Verlage werden direkt verlinkt und kommentiert und somit unabsichtlich beworben. Selbst wenn man sie in kritischer Form würdigt. Durch die Verlinkung steigt das Suchmaschinen-Ranking ebenso, wie dessen Wertschätzung durch Menschen. Denn jeder Link einer vertrauenswürdigen Person auf einen Artikel wertet diesen auf.

Wir selbst, die wir auf diese Medien verlinken, sind es also, die diese Presseverlage unterstützen. Jeder einzelne für sich macht wenig. In der Masse aber, durch Retweets, Teilen, Likes und Weiterleiten, sorgen wir dafür, dass es denen gut geht. Und sie sich im recht fühlen.

Wir füttern die Trolle. Weil wir auf sie reagieren, sie kommentieren, auf sie eingehen. Aber Trolle wird man so nicht los! Trolle müssen ausgetrocknet werden. Und dazu muss man lernen, seine Kommunikation mit und über diese zu beenden. Wir können vergeblich auf Google hoffen, dass diese irgendwann mal exemplarisch Verlage aus dem Index werfen. Oder wir sorgen dafür, dass die Relevanzkriterien der Suchmaschinen reagieren. Und so die Verlagsmedien selbst dahin ranken, wo die Sonne nicht scheint!

Wir selbst tragen Anteil daran, dass es Presseverlagen gut geht. Das sie trotz ihrer Firmenpolitik Geld verdienen. Eine Firmenpolitik, die nun durch Lobbyismus für das #LSR soweit geht, Grundrechte auf freie Meinungsäußerungen zu gefährden.

Ich kann, will und darf niemand verbieten, zu verlinken was er will. Das sage ich nicht nur als Pirat und Netizen, sondern auch als einer der Urmitglieder von FreedomForLinks.
Was ich aber kann, ist selbst zu entschieden was ich lese: Filtern ist Sache des Empfängers.

Einst sagte eine Piratin, ich glaub es war Marina Weisband, in einer Talkshow: Wir können niemand verbieten, schlechtes zu tun. Wir können aber dafür sorgen, dass er ein schlechtes Gewissen bekommt.

Und dies ist der Hintergrund zu folgender (recht spontanen) Aktion:

„Ich werde eine Woche lang jeden Twitterer blocken der auf ein #lsr Verlag verlinkt. Wer hat genug Mumm & Kraft mitzumachen? #Piraten“

13:40 – 2. Mär 2013, https://twitter.com/xwolf/status/307832866279149568

@Spinni hat vollkommen recht damit, daß der Grund für meine Handlung kommuniziert werden muss. Daher hab ich diese Seite angelegt (und werde noch daraus ein Blogartikel machen).

Wer von mir geblockt wird, erhält eine Nachricht der Form, wie mein erstes armes Opfer (sorry Ben) sie bekam:

Lieber xxxx, schade das du ein #LSR-Medium durch Verlinkung bewirbst und so seine SEO verbesserst. Ich muss dich daher leider blocken.

bzw:

xxx, es tut mir leid, da du ein #LSR-Medium durch Links bewirbst und im SEO verbesserst, muss ich blocken. Hintergrund: http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Xwolf/LSR-Blocken

Wichtig: Der Block ist nicht persönlich gemeint. Es geht hier darum ein Zeichen zu setzen und durch diese –für Netizens durchaus auch brutale– Aktion zum Nachdenken anzuregen. Nach einer Woche werde ich die allermeisten Leute sicher wieder deblocken.

Dies ist kein Aufruf zu einem Boykott. Ich entziehe mich lediglich allein und selbst der medialen Wirkung.

 

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Shitstorms,böse Tweets – Rassimusdebatten und ein Bärendienst

Shitstorms,böse Tweets – Rassimusdebatten und ein Bärendienst

Immer mal wieder tritt er ein, der Shitstorm im Twitter und anderen sozialen Netzwerken, bei der es darum ob jemand ein Rassist ist oder als solcher bezeichnet werden darf. Und ob es deswegen dann legetim sei, diesen zu unterstützen.
Mal wird das betreffende Opfer des Shitstorms, mal aber dreht sich dieser auch um auf den- oder diejenige, die ihn auslöste.

Im Falle von echten gemeldeten Rassismus kann dies natürlich auch eine der Strategien sein, um die Diskussion abzuwehren. Und den oder die Melderin schlecht zu machen.
Vgl: Wie wir echte Rassismusdebatten verhindern, http://hanhaiwen.wordpress.com/2012/03/30/wie-wir-echte-rassismusdebatten-verhindern/

Doch wir müssen vorsichtig sein. Gerade in sozialen Netzwerken!

Wenn jemand echten Rassismuss oder auch nur Alltagsdiskriminierung anprangert, wird dieser in der Tat leicht als Störer, Nervensäge, Berufsempörer, Buhmann oder Blockwart tituliert und angefeindet.

Die Frage die aber wesentlich ist, ist doch: Liegt wirklich Rassimus oder Alltagsdiskriminierung vor? (Ich mag mich hoffentlich durch diese Rückfrage nicht genauso verdächtig, ins obige Schema der Abwehrhaltung zu passen.)
Es kommt nun mal sehr häufig vor, dass sich Personen nicht richtig verstehen. Das aus dem Kontext gerissene Zitate falsch rüberkommen.

Jeder der schon Maildiskussionen hatte, weiß, was es schon anrichten kann, wenn an einer kritischen Stelle das Smiley-Zeichen fehlte. (Oder wenn der Empfänger der Mail dieses Zeichen nicht als Ersatzgestik erkannte). Ich kam bspw. durch eine Disput mit der Twitteruserin @sanczny zu diesem Thema. Wobei der Auslöser dann wiederum auf einen Shitstorm um eine Person zurückging, der für einige wegen unbedarfter Tweets als Rassist verurteilt wird.

Wie auch immer: Aus den kurzen, beiderseits ungehaltenen Tweets die wir einander zuwarfen kann sich jeder von uns beiden ein Bild des anderen aufbauen.
Und ich wette, jeder von uns beiden könnte anhand dieser Tweets und anderer Tweets die wir beide im Laufe der Twitternutzung irgendwann zu irgendeiner Sache schrieben, den anderen Rassismus nachweisen.
Jedenfalls könnten wir dieses Wort verwenden.
Unterstütze ich möglicherweise wirklich Rassisten, weil ich Menschen nach ihren Taten beurteilen will und Blabla im Twitter dagegen weniger Bedeutung zuordne? Oder ist @sanczny ein Rassist, weil sie Menschen auf 140 Zeichen reduziert und somit all dem Handeln und Menschsein einer Person, die sich eben nicht im Twitter wiederfinden als Unwichtig, als unwert, einstuft?
Und schon stecken wir in ein Dilemma, das oben so treffend beschrieben wurde. Wer ist Täter, wer ist Opfer? Wer ist Schuld? Wer wird gemobbt? Und wer urteilt am Ende?

Ich hab das Gefühl bei dem ganzen tun wir alle der ganzen Sachen einen Bärendienst.

Niemand von uns will Rassismus. Aber wir meinen doch eigentlich nicht den echten Rassismus, die echte Alltagsdiskriminierung und die tatsächliche Ausgrenzung?
All dieser Rassismus hat seine Wurzeln in Respektlosigkeit, in Intoleranz und in eigener Angst. Und begründet liegt er in Nicht-Wissen. Man kennt die Personen nicht, über die man sich aufregt. Man will sie mglw. gar nicht kennenlernen. Man kennt deren Kultur nicht, man kann sich nicht in diese rein versetzen.

Aber was tun wir?
Wir lesen ein paar Tweets. Die uns übel aufstoßen.
Von denen wir nicht wissen, unter welchen Bedingungen der Autor sie schrieb, in Rahmen welcher Antwort. Ob er dazu grinste oder gar ob er dabei weinte und verzweifelt war.
Erinnert ihr euch an den verzweifelten und frustrierten Tweet an Mohammed, den ein Saudi vor kurzem schrieb? Dieser Mensch muss nun um sein Leben fürchten, weil andere in seinen Tweet Gotteslästerung sahen. Wir hier im Westen verurteilen dies. Zu recht.

Aber gleichzeitig sehen auch hier einige nur die aneinandergereihten Worte bei bösen Tweets. Aber niemand sieht in den Kopf des Autoren.
Trotzdem maßen auch wir uns an, einen Urteil über diese Personen zu bilden. Aus 140 Zeichen. Ist das nicht auch eine Form von Rassismus? Nicht einer der gegen „Rassen“ geht, sondern gegen Geisteshaltungen und Gefühlslagen. Wir verurteilen Menschen, die in was auch immer für einer Situation einen Bockmist in 140 Zeichen schrieben; Oder sei es gar eine ganze Mail oder auch einen längeren verzweifelten Brief wie das jener 51 Tatortautoren.

Ich schweife ab.
Worauf ich hinaus wollte war der Bärendienst. Wir verzetteln uns mit der Reaktion auf Tweets, E-Mails oder Blogartikeln, die missverständlich sind oder hetzend und rassistisch wirken. Und in unserer Aufregung und unserer vor uns selbst gerechtfertigten Wut verdammen und verurteilen wir diese. Wir verweisen darauf, daß kein Schritt zurückgewichen werden darf. Das dem Hass kein Weg bereitet werden darf und das die Anfänge gewehrt werden müssen.
Aber laufen gleichzeitig nicht die echten Rassisten feixend an uns und unserem aktuellen Objekt des Streites vorbei um ungestört und außerhalb unserer Wahrnehmen weiter ihr tun zu treiben?
In Tweets, Blogs und Mailinglisten wir gestritten wie als ob wir alle Mitglieder in einer Micronation sind. Die Realität dagegen, die echten Taten, die werden ausgeblendet?

Während in Bayern sich Piraten und deren Sympathisanten aufregen über einen Hausmeisterposten (!), gehen die skandalösen Zustände in bayrischen Unterkünften für Asylbewerber weiter.
Weiter geht auch die rigide Politik des Freistaats gegen Asylbewerber oder andere Opfer von Verfolgung. Man braucht nun nach den beiden Stichworten „Ausländeramt Bayern“ zu suchen. Hier, aber auch anderswo kommt es zu wirklich gravierenden Formen der Alltagsdiskriminierung.
Dagegen aber gibt es kaum ein Protest.

Warum? Weil die Täter etwa nichts darüber tweeten? Weil diese sagen, dass sie es so und so tun müssen (z.B. Abschiebungen), weil es so im Gesetz steht?

Und bereiten wir nicht genau durch unser Wegsehen auf die wirklich Probleme denen ein Boden? Wenn wir gar sagen: Wir wollen den Menschen gar nicht kennenlernen, die Tweets reichen, sind wir dann nicht genauso schlecht, wie die echten Rassisten, die aus Unwissenheit über andere Menschen diese ausgrenzen?
Wo ist da die Grenze?

Wir müssen aufpassen, wie wir selbst handeln. Der Angst vor Rassismus darf nicht dazu führen, dass wir selbst das werden wovor wir Angst haben.

Der Weg in die Hölle ist gepflastert mit guter Vorsätzen. Der Vorsatz „Keinen Fußbreit dem Rassismus“ sollte daher nicht dazu führen, dass wir Menschen Ausgrenzen, die wir nicht verstehen oder nicht mögen.
Wir müssen das Gegenteil tun.

Unser kürzlich gewählter Bundespräsident sagte zu dem Thema einen richtigen Satz: „Euer Hass ist unser Ansporn.“

Und genauso sollten wir es handhaben. Nicht Ausgrenzen, sondern reden. Kennenlernen! Überzeugen! Umarmen!
Oder als Pirat: Mehr flausch und weniger Hass.

Dieser Artikel wurde erstmalig auf G+ publiziert.

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Wie sieht Realitätsverlust aus, wenn man zur Klientelpartei #FDP gehört?

Es gibt viele Beispiele. Aber dieses ist doch schon sehr plastisch: Die Klientelpartei wollte anlässlich des Landesparteitags in München zeigen, wie modern sie ist und das sie auch Internet kann.
Und weil es gerade so in ist (hust, hust, ähäm, war das nicht 2008-2010 „in“ mit Twitterwalls?), wollte man auch eine Twitterwall aufbauen. Dort sollten dann alle Tweets unter dem Hashtag #DasOriginal gezeigt werden.

(Nebenbei: Dieser Hashtag wohl deshalb, um sich von den Piraten abzusetzen, die es doch tatsächlich ernst meinen und sowas wie Freiheitsrechte tatsächlich umsetzen wollen. Frechheit sowas! Die FDP hat doch „Freiheit“ im Namen und sich schon um sowas ausreichend gekümmert als es die #Piraten noch gar nicht gab. Die Piraten sind ja dreiste Diebe,welche die Idee der Freiheit stahlen!
Dummerweise, oder soll man eher sagen: Typischerweise für die FDP- ist der Hashtag auch nur ein Plagiat. Verwendet wurde „Das Original“ unter anderem als Marke schon 2009 vom Fleischereihandwerk, vgl: http://fleischerhandwerk.de/dasoriginal/.  Das DPMA-Register kennt noch viele weitere eingetragene Produkte, die diesen Begriff für sich registrierten. )

Nun ja. wie man an einem Screenshot des Hashtags sehen kann, wird dieser nun überhaupt nicht von den Mitgliedern der Klientelpartei zur Kommunikation genutzt.


Siehe auch selbst unter: https://twitter.com/#!/search/%23dasOriginal

Der Ton wird dagegen offensichtlich  von Piraten und anderen Kritikern vorgegeben.

Der Tweet der JuLis aus Hamburg (später kam noch ein gleich lautender aus München) zeigt dann doch einen Realitätsverlust.
Oder den eigentlichen Kern der Sache? – Nämlich, dass die Klientelpartei FDP gar nicht kapiert wie das Internet funktioniert? Das es eben mehr ist als nur Einbandstrassen-Kommunikation! Das es eben nicht reicht, es mal eben anzuklicken.

 

Ihr habt es nicht verstanden und wollt es nicht verstehen. Denn mit dem Verstehen würde die Einsicht kommen, dass ihr eure Ideale und eure Ziele längst verkauft habt.
Verkauft gegen sichere Aufsichtsrats- und Beraterpöstchen oder für nicht aktive auf Lebenszeit verbeamtete Unterabteilungsleiterstellen in den Ministerien, bei denen eure Partei gerade einen Minister stellt.
Die #Piraten und andere brauchen von euch nicht kopieren. Und ihr braucht auch nicht zu glauben, das Wissen zu haben, wie Politik richtig funktioniert. Denn wenn ihr dieses Wissen gehabt hättet, dann gäb es die Piraten wirklich nicht.

Alles was man von euch (und auch den Grünen und der SPD) lernen kann, ist, wie man eben nicht Politik betreiben darf, will man nicht seine Ziele aufgeben.

 

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