Tag: piratenpartei

Protestaktionen gegen ACTA in Erlangen und Nürnberg

Am Samstag gibt es (wie hoffentlich schon hinreichend bekannt) in vielen Städten Demos gegen ACTA. So auch in Erlangen und Nürnberg.

Der Kreisverband der Piratenpartei Erlangen und Erlangen-Höchstadt ruft für Samstag, den 11. Februar um 16 Uhr bis 16.30 Uhr auf dem Hugenottenplatz zu einer Protestaktion gegen das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) auf und beteiligt sich danach am europaweiten Aktionstag gegen ACTA bis 18:00 Uhr an einer zentralen Demo auf dem Platz vor der Lorenzkirche in Nürnberg.

Das Ganze ist eine Gemeinschaftsaktion eines Bündnisses aus: Piratenpartei Kreisverbände Nürnberg, Erlangen, Fürth & Bamberg, Bündnis 90/DieGrünen Kreisverband Nürnberg, Grüne Jugend Nürnberg, Jusos Nürnberg, Chaos Computer Club Erlangen, Nordkurvler Nürnberg (OFCN 589), FAU-IAA, EDJ/Occupy Nürnberg

http://piraten-erlangen.de/2012/02/09/535/

Leider findet sich die Koordinationsseite für Nürnberg nur im Fratzenbuch:
https://www.facebook.com/events/244916202249229/

Die Digitale Gesellschaft e.V. engagiert sich ebenfalls seit langem gegen ACTA und hat zahlreiche Informationen zusammengestellt.

Einen Einstieg in Aktionen bietet die kleine Mitmach-Kampagne. Dort finden sich vor allem Informationen, wie man sich konkret an (EU-)Abgeordnete wenden kann und wer dafür zuständig ist. Die Broschüre “Warum ist ACTA so umstritten?” bietet auf wenigen Seiten viele Argumente.

 

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Piraten-Kommunikation und Wahrnehmung

CaeVye schrieb in seinem Blogartikel Die Weisheit zu erkennen, was ich ändern kann und was nicht über die derzeit etwas mangelhafte Kommunikation der Piraten, bzw. der Probleme der Piratenpartei inden klassischen Meiden wahrgenommen zu werden.

Dabei schreibt er u.a.:

Aber es ist höchste Zeit, den Blick vom Monitor weg, hinaus in die Büros, zu den Vereinen, Stammtischen und auch Seniorentreffs zu wenden: Überall dort wird Meinung gemacht und kommuniziert. Aber auf andere Weise als der aktive Kern der Piraten es bislang gewohnt ist.

Dies möchte ich am besten 3 mal dick unterstreichen. (Aus Gründen der Lesbarkeit lass ich es aber :) )

Neben dem was CaeVye schreibt geht es aber auch um die verwendete Sprache der Piraten und die Art und Weise wie manche Öffentlichkeitsarbeit ansehen. Ganz simples Beispiel: “Piraten-Stammtische … Jeder interessierte kann da immer hinkommen und sich informieren und zuhören.”
Schön und gut. Welche Bilder viele ganz normale Menschen mit dem Wort “Stammtisch” verbinden ist aber sicherlich etwas, das eben nicht zum eigentlichen Ziel passt:
Bei dem Wort “Stammtisch” werden Leute an den Begriff “Stammtisch-Parolen” erinnert, an (negativ) irgendwelche Suffköppe die sich in einer Bar vollaufen lassen oder eben (positiver) an irgendwelche Skatrunden.

Oder auch eines der heiligen Kühe: Das schwarze Shirt. Sieht ja auch freakig aus. Passend zum Hacker. Wer Matrix als Film mag, findet auch das dunkle Outfit gut.
Für jemand der nichts damit am Hut hat, sieht so eine schwarze Kluft allerdings eher bedrohlich aus…! Ist das gut, wenn eine Versammlung an Piraten aussieht wie eine geschlossene Veranstaltung eines Motorradclubs oder eine Gruppe von Security-Guards und Türstehern?

Es ist auch schön, wenn wir als Piraten Infoveranstaltungen planen, a la, hier kommt her zu der Kneipe xy (!), wir informieren euch dann über Ballerspiele. So gewinnt man vielleicht Leute, die von sich aus eine Manual lesen. Aber das sind bekanntlicherweise eher wenige…
Man muss im Gegenteil eher auf die Leute zugehen. Und diese nicht kommen lassen.

Es gibt noch viel mehr Negativbeispiele, wo Leute mit Engagement das beste und coolste wollten, aber durch mangelnden Blick über den Tellerrand leider für andere eben das Gegenteil bewirkten als gewünscht.

Bei vielen was getan wird, fehlt einfach der “Großmütterchentest”.

Verständliche Sprache, verständliche und entgegenkommende Symbole, Tolleranz in der öffentlich abrufbaren Kommunikation und vorallem keine Arroganz gegen klassischen Medien und klassischen Medienkonsum!
Auch wenn der Qualitätsjournalismus heutzutage aufgrund des Gewinndrucks der Verlage eher nicht existent ist, heisst es nicht, dass in den Redaktionen nur lauter komische Leute sitzen, die allenfalls bezahlte DPA-Meldungen abtippen, mit Wikipedia-Meinungen ergänzen und ihren Namen drunter setzen. Da sitzen auch gute Leute. Die muss man eben ansprechen. Aber das geht nicht, wenn man von sich aus die gesamte klassische Presse pauschaliert verurteilt, nur weil z.B. die Redaktion von Tagesschau die Beinverletzung eines Fußballers oder die Empörungsheuchelei um einen Frührenter als wichtiger erachtet als ein Bericht über die Demo Freiheit statt Angst…

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Musikvideo "Alle, die mit uns den Bundestag entern"

Musikvideo der Piratenband “Die Bordkapelle” zur Bundestagswahl 2009, eine Punkrock-Version des alten Seemannsliedes “Alle, die mit uns auf Kaperfahrt fahren”: “Alle, die mit uns den Bundestag entern”

Es ist heutzutage recht ungewöhnlich und in Hinblick auf viele frustrierte und zynische Leute richtig mutig, für “Freiheit, Gleichheit, Demokratie” zu singen. Wie man ja auch gut an den Kommentaren zum Video sehen kann.

Was aber diese Video von anderen netten Parteiwerbevideos unterscheidet: Die Machen sind sich sehr bewusst darüber gewesen, daß nicht jeder sowas mag. Daher rufen sie gleichzeitig zu einem Remix-Wettbewerb auf und geben dazu alle Tonspuren frei:

Remix-Wettbewerb der Bordkapelle

Mixt den Song “Alle, die mit uns den Bundestag entern” neu ab, arrangiert ihn um, denkt euch neue Textzeilen aus, ihr seid völlig frei!
..
Ladet eure Remixe auf wiki.piratenpartei.de hoch und schickt uns eine E-Mail mit dem Link und euren Kontaktdaten an bordkapelle@googlemail.com.
Deadline ist der 13. September 2009. Die besten Remixe werden wir auf der PirateKomm am 16. September in Berlin vorstellen

Wer also den Text mit “Freiheit, Gleichheit, Demokratie” nicht mag und z.B. eher “Einigkeit und Recht und Freiheit” musikalischer findet, ist frei (sic!) es zu verbessern.

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Golem-Serie zur Bundestagswahl

Golem.de möchte zur Bundestagswahl die wesentlichen Vorhaben aller Parteien auflisten und fängt damit mit der Piratenpartei an: Piratenpartei: “Die Sicherheit der inneren Gewissheit” .

Eine durchaus gute Zusammenfassung finde ich.

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Ist die Piratenpartei inhaltsleer?

f!xmbr hat vor einer Woche die Wahlkampfplakate der wichtigsten Parteien kreativ umgewandelt: Wahlkampf…

Ich finde es gut, daß er dabei auch die Piratenpartei aufnimmt und auch diese genauso wie die anderen Parteien satirisch behandelt:

Satire zum Wahlkampfplakat der Piraten von f!xmbr (Lizenz: COFFEE-WARE LICENSE)

Wenn die Partei es schon so weit gebracht hat, auch satirisch behandelt zu werden, wird sie ernst genommen. Und das ist nur 2 Jahre nach einer doch etwas chaotischen Gründung, bei der auch ich damals einige große Zweifel hatte, doch durchaus gut.

Wie auch immer. Das Argument der Satire ist, daß die Partei inhaltsleer ist. Das Wahlprogramm der Partei ist sehr überschaubar und beschränkt sich auf wenige Themengebiete. Und wenn man auf dem Wiki und den Foren der Partei schaut, findet man noch viele Baustellen und wenig ausgepfeilte Strategien.

Doch ist dies wirklich ein gültiges Argument gegen die Piraten?
Oder geht f!xmbr und alle anderen die dies so sehen nicht eher den klassischen Vorstellungen und Gegenargumenten der etablierten Parteien auf dem Leim?

Ich möchte doch einfach fragen, welche Partei in den letzten Jahren ihr Parteiprogramm 1:1 hat umsetzen können?
Diese gibt es nicht. Selbst als die CSU in Bayern noch die absolute Mehrheit innehatte, hat diese ihr Wahlprogramm nicht so umgesetzt, wie sie es im Wahlkampf versprochen hat.
Jede Partei, jede Gruppierung, jeder Verein, ja auch jede Religionsgemeinschaft lebt nicht allein für sich und muss mit anderen Beteiligten Kompromisse schliessen. Und das theoretisch ausgedachte Planungen sich in der Realität meist nicht einhalten lassen, sollte seit den missglückten Experimenten mit den Ideen von Karl Marx zur Allgmeinbildung gehören.

Das wissen natürlich auch die Parteien und die Parteimitglieder. Dennoch ist es Tradition, ein dickes Wahlkampfprogramm zu präsentieren, welches den besorgten Bürgern Wohltaten und Sicherheit verspricht. “Wählt uns”, heisst es, “und alles wird gut.” Und zu Wahlkampfzeiten versprechen sie dann auch alles, und wissen auf alles schön klingende Antworten.
Doch sobald der Wahlkampf ist garnichts mehr gut.
Dann gibt es Krisen, Dinge werden zur Chefsache, andere Dinge glänzen zwar mit viel Meldungen, werden aber nie fertig und am Ende doch verschoben und garnichts ist gut.

Damit aber die Qualitätspresse und erboste Bürger aber auch Mitglieder der Basis nicht auf die Barrikaden gehen, wenn etwas beschlossen wird, welches den Geist des Programmes verletzt, werden die Worte wohlfein und sehr weich gewählt.
Kein Programm, welches konkretes anbietet, keine klare Umsetzungsfahrpläne, nur grobe Ziele: Natürlich Arbeitslosenzahlen senken, Steuererleichterungen und ja natürlich durch Subventionsabbau. Und erst recht Sicherheit für alle, gegen das Böse, die gewalt, die Verbrechen, gegen zu viel und falsches Wissen, gegen Unmoral und Unsitte… und so weiter und so fort. Von allem etwas gut und logisch klingendes, von keinem etwas konkretes.

Das Fehlen eines ausformulierten Wahlprogrammes kann daher meines Erachtens kein Argument sein.
Es sei denn man glaubt denjenigen, die solche Programme machen, daß diese Programme ernst gemeint sind und wirklich umgesetzt werden…

Isotopp formuliert es ähnlich in seinem Artikel Politik in den Zeiten des Sechsparteienparlaments:

Das hat ein ganze Menge von spannenden Konsequenzen. Eine von ihnen ist, daß es immer unwahrscheinlicher wird, daß eine einzelne Partei eine Alleinregierung stellt. Ja, es wird sogar zunehmend unwahrscheinlich, daß zwei Parteien zusammen eine Regierung bilden können. Das heißt aber entweder komplizierte Koalitionsverhandlungen, bei denen alle Parteien abstriche bei ihren Programmen machen müssen oder eine Minderheitsregierung mit nach Themen wechselnden Mehrheiten.

Ein festes Parteiprogramm wird in Zeichen der Notwendigkeit mit anderen Parteien zusammenzuarbeiten also mehr und mehr zum Problem. Im Gegenteil geht es viel mehr um konkrete Sachfragen. Fragen, die kompliziert sind. Zu kompliziert, als das einzelne Mitglieder die Antwort wissen können. Weder im Wahlkampf an irgendwelchen realen oder virtuellen Ständen, noch danach auf Abgeordnetenwatch, im Interview oder wo auch immer.

Die Piratenpartei ist eindeutig eine an Sachfragen ordientierte Partei. Sie tritt für diese punktellen Sachfragen ganz gezielt ein:

Isotopp formuliert es besser als ich es kann:

Die junge Generation macht Politik auf Sachfragen – man organisiert sich ad-hoc um Petitionen, Aktionen, Initiativen und andere Kondensationspunkte und beschäftigt sich mit der Sache. Einzelne Personen oder Lager treten dabei in den Hintergrund, denn die Gruppierungen und Allianzen sind weitgehend zweckgebunden und werden oft nach Klärung der Sachfrage wieder aufgelöst oder versanden. Dafür entstehen neue Gruppen und Allianzen anderswo, wenn es um neue Themen geht.

Die vermeintliche Inhaltsleere sind nur die Maschen eines Netzwerkes. Man mag ja in dem Netzwerk gern große Löcher sehen. Aber trotzdem bietet dieses Netz mehr als nur die Summe einzelner Teile. Mehr als schöne Worte, die sich nur wenige Leute einige Monate vor einer Wahl zurecht gelegt haben.

Es wird oft gesagt, eine Partei müssen die Antwort für alle gesellschaftliche Fragen finden. Dies sei schliesslich ihre Aufgabe wenn sie an der Macht sei.
Ich glaub dies nicht. Die Partei, die jeweiligen Leute müssen eben nicht die Antworten auf alles wissen.
Aber sie müssen in der Lage sein, solche Leute, die die Antworten wissen, einzubinden und noch mehr: Sie müssen in der Lage die Antworten der Experten zu akzeptieren!
(Was aber nicht gleich bedeutet in das Extremum einer Technokratie abzudriften!)

Die jetzigen Parteien hatten vor einigen Jahren einen guten Weg begonnen, als sie Expertenkommissionen ins Leben riefen. Es gibt auch einen wissenschaftlichen Dienst für den Bundestag, es gibt Hochschulen die Expertisen für die Regierungen etc.. Doch leider wurde dieser gute Anfang ins Absurde geführt dadurch, daß die Ergebnisse dieser Kommissionen in der Regel ignoriert werden. Ob dies aus reiner Arriganz der Macht ist oder einfach Folgen des Dunning-Kruger-Effekts sei dahingestellt.
Punkt ist jedoch: Experten und Fachleute werden nun zum Schein befragt, es kommt zu Abstimmungen, aber am Ende gehen Gesetze die Millionen Menschen betreffen auf die subjektiven Einzelmeinungen von einer (!) Handvoll Personen zurück, die für das jeweilige Thema in einer Fraktion Berichterstatter sind und es zusammen mit einem oder zwei Gegenüber auskungeln…

Ein guter Politiker, eine gute Partei muss akzeptieren, daß sie in Details von Sachfragen nicht das allumfassende Wissen für sich gepachtet hat. Wird ein Politiker nach einem Thema gefragt, in dem er sich nicht auskennt und in dem auch seine Partei nicht firm ist, muss die richtige Antwort lauten:
Nein, damit kenne ich mich in der Tat nicht aus. Aber wir fragen jemand, der sich damit auskennt!

Die Werbung die mit den Slogan endet ist sicher bekannt: Hätten Sie bloß jemand gefragt, der sich auskennt!
Und viele Gesetzesvorhaben machen durchaus den Eindruck eines Scherbenhaufens, welches aus den gut gemeinten, aber stümperhaften Versuchen eines Laien hervorging, irgendwas gut zu machen. Gut gemeint ist aber nunmal nicht gut gemacht.

Zurück zum Vorwurf der Inhaltsleere.
Ja, das Programm der Piraten ist dünn. Aber ja doch, es ist dünn, denn es lebt. Es bietet Raum für die Realität. Und die Realität die jeden Tag passiert ist unvorhersehbar. Jedes Wahlprogramm, welches mehr als die Festlegung auf die freiheitliche und gesellschaftliche Grundordnung und derren Bewahrung und Förderung enthält, beschreibt nur bloße Annahmen und erstellt nicht mehr als nur ein “virtuelles” Märchen.
Das Programm der Piraten engt sich daher auch nicht durch Dogmen oder subjektiven Glauben ein.

Manche möchten ein Märchen aufgetischt haben. Ein Märchen in dem alles gut wird.
Ein Märchen von der schönen Fee mit den 7 Kindern, die alle glücklich Geige spielen oder andere Hausmusik machen und die alle nur von der roten Seite des Apfels essen müssen. Einige Märchen spielen in der idealen Welt des echten Marx’schen Kommunismus, einige in einer geborgenen Welt aus Familie, Heim, Herd und Garten.
Märchen, in der wenige weise Menschen Antwort auf alle Fragen haben. In der eine Partei auf alles antwortet und immer Recht hat.

Die Piratenpartei ist da anders. Denn sie besteht aus Menschen. Menschen, die in der wahren Welt leben und nicht in Märchen.

Ich schliesse mit Isotopp:

Eigentlich bin ich ein zutiefst unpolitischer Mensch. Ich würde mich gerne hinter mein Display verziehen und weiter an spannenden technischen Dingen arbeiten, anstatt mich mit diesen ganzen Politik-Unsinn zu beschäftigen. Es geht nur nicht, man läßt mich nicht. …

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