Internet-Kompetenz – Fragebogen für angehende Politiker

Internet-Kompetenz – Fragebogen für angehende Politiker, die auch mal irgendwas mit Medien zu tun haben…

(Aus aktuellen Anlass wurde am 25.1. noch eine Aussage ergänzt).

 

1. Was ist das Web?
[ ] Das hat doch was mit Weben zu tun, oder? Wieso beschäftigen wir uns denn damit?
[ ] Sie meinen das Internet, oder?
[ ] Das hab ich vorhin erst ergugelt, wie ihr jungen Menschen das so sagt: Das Internet (von englisch interconnected network), kurz das Netz, ist ein weltweites Netzwerk, bestehend aus vielen Rechnernetzwerken, durch das Daten ausgetauscht werden.
[ ] Über diese „Datenautobahn“ […] kann der Benutzer, vor allem seit mit der benutzerfreundlichen Benutzeroberfläche „WorldWideWeb“ (www) selbst Laien der Zugang mittels „Mouseklick“ möglich ist, eine Vielzahl von Diensten in Anspruch nehmen.

 

2. Was ist das Internet?
[ ] Dank Internet können Unrecht, Ungerechtigkeit und Gewalt von Despoten immer weniger unter den Teppich gekehrt werden. Der Begriff der Weltoffenheit hat durch das Internet neue Dimensionen erlangt. So hat das Internet auch längst einen festen Platz in unserer Medienlandschaft erobert. […] Auch Ihr Verband wirbt mit einer Vielzahl von Projekten intensiv um die künftige Leserschaft. Wir stehen Ihnen dabei zur Seite. Printmedien haben als politische Leitmedien immer auch eine wichtige Funktion in unserer freiheitlichen Grundordnung. […] Verlegerische Leistungen kosten Zeit und Geld. Deswegen kann ich auch gut verstehen, dass ein Leistungsschutzrecht für Verleger gefordert wird. Deshalb arbeitet die Bundesregierung derzeit an einem Gesetzentwurf, der das Urheberrecht weiter an die Anforderungen einer modernen Informationsgesellschaft anpassen soll.
[ ] Ich hab mich da auch schon mal reingeklickt. […] Und auf unserer Homepäitsch haben wir ein Programm veröffentlicht über unsere Internetpolitik.
[ ] Der Begriff ‚Internet‘ bezieht sich streng genommen auf ein Rechnernetz mit einem bestimmten Protokoll (ip/ tcp=internet protocol/transmission control protocol).

3. Welches ist die richtige Antwort auf die Frage. „Was ist ein Browser?“
[ ] Browser – Was sind denn jetzt nochmal Browser?
[ ] Dies ist ein Fachbegriff. Ich werde gleich meinen Referenten bitten, hierzu einige Informationen bereitzustellen. Wenn Sie mir Ihre E-Mailadresse geben, kann er es Ihnen gleich morgen zu faxen.
[ ] Wir wollten doch eigentlich über die neuen Medien reden, nicht über Teile aus dem Sanitärbereich?
[ ] Ich weiß, dass es da so ein paar Leute gibt, die da so ein Programm entwickelt haben, womit man so mit einzelnen Fundwörter so was finden kann. Aber ich mach das nie so.

4. Welche der folgenden Sätze trifft Ihrer Meinung voll zu?
(Mehrfachnennungen sind möglich.)
[ ] Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein.
[ ] Blogs sind die Klowände des Internets
[ ] Das Internet sorgt für eine Vereinsamung der Menschen. Das kann doch nicht richtig sein, wenn junge Menschen stundenlang vor diesen Computern sitzen und nicht in Kontakt mit anderen ihres Alters kommen.
[ ] Bei der Durchsetzung des Urheberrechts (geht es) nicht um Zensur, sondern einzig und allein darum, Kreative vor Ausbeutung zu schützen

Auswertung:
Sie stehen hinter fast allen Sätzen? Keine Angst! Die CDU/CSU hat patente Lösungen für Sie, um in diesen neuen Welt zurecht zu kommen und die ungerechtfertigten Bedrohungen aus dem Internet zu begegnen. Dr. Hans-Peter Uhl und Wolfgang Bosbach sind Ihre Ansprechpartner.
Im übrigen sind Sie der Meinung, dass dem obigen Fragebogen die Forderung nach Einführung der Vorratsdatenspeicherung fehlt.

Sie sind eigentlich unentschlossen? Die langen Texte sind zu floskelhaft? Und soziale Themen sind garnicht angesprochen? Aber eigentlich ist es zu viel Text und Sie haben genug zu tun. Ausserdem wird die Fraktion Ihnen ja schon sagen, was sie wählen sollen. Der folgen Sie natürlich. So wie auch 2009 dafür und 2011 dagegen oder dafür, oder egal, solange die Bild nur nichts fieses schreibt, oh bitte, liebe Bild, wir sind auch ganz brav. Und es ist gemein uns zu unterstellen, wir haben nichts gelernt! Wenn der Fraktionsvorsitz sagt, dass wir nun so abstimmen sollen, haben wir gelernt, daß man das auch tut und also sind wir jetzt voll dagegen. Äh dafür. Es geht doch um die Kinder!

Ihnen ist diese ganze Umfrage suspekt und Sie wünschen sich einen einfachen Slogan, der auf einen Demonstrationsbanner genug Platz hat und Aktion und Tatkraft ausstrahlt? Der aber gleichzeitig im Falle eines Wahlsieges genügend Interpretationsraum lässt? Damit können wir Ihnen nicht helfen. Vielleicht klicken Sie einfach mal ins Internet. Tipp: Sie müssen dazu dieses komische runde Dinge, das meist rechts von der Tastatur liegt, benutzen. Und sprechen Sie da nicht rein!

Sie haben eigentlich gar keine Zeit, weil tausend Leute pronto was von Ihnen wollen? Müssen aber trotzdem diese Fragen ausfüllen bzw. ganz transparent und vollständig erklären, warum Sie keine Antwort fanden auf eine der obigen Punkte?
Und dies nicht allein in Twitter, Plus, Pad, Blog, Mumble und Wiki? Nein, wenn sie alle zufriedenstellen wollen, müssen Sie diese Erklärungen auch schreiben auf mindestens 5 Mailinglisten (die gesynct werden aufs Forum und News) und mehr noch, müssen Sie sowohl Liquid-Feedback, als auch Limesurvey nutzen um eine allgemeine Meinungsbildung zu ermöglichen. (Limesurvey für die Leute, die Liquidfeedback für datenschutzrechtlich bedenkliches Teufelswerk halten).
Außerdem kriegen Sie gerade die Krise und ihre Augenbrauen zucken, weil im Twitter schon der erste was von #Kompetenzbogengate schrieb?
Keine Angst, durchatmen. Denken Sie an Murphys Law…. ach übrigens, wo bleibt die Stellungsnahme zum … Gate? Wenn diese bis heute früh um 4,15 Uhr nicht da ist, stelle ich einen Antrag!!!elf!! elfzwöl!f!

Wenn Sie keinen der obigen Aussagen folgen mochten und bis hierhin lesen konnten… dann danke ich für die Zeit und den gemeinsamen Spaß.

Einzelne öffentliche Quellen:

Einige der obigen echten und O-Ton-Antworten wurden mehrfach von verschiedenen Menschen verwendet. Insbesondere ein Klassiker ist der Ausspruch, dass das Internet kein rechtsfreier Raum sein soll. Dieser Satz ist ein Zeichen per Excellence, dass derjenige der den Satz ernsthaft meint, nicht viel davon versteht, warum über gerade redet. Denn gerade in Deutschland ist das Internet überreguliert.

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SOPA: Blackout am 23.1.2012?

SOPA: Facebook, Google und Amazon gehen vom Netz

Ich hoffe, es gibt möglichst bald auch eine offizielle Meinung oder Bestätigung von Google dazu. Weiß +Stefan Keuchel vielleicht schon etwas?

Meine Meinung: Das Thema geht uns alle an! Auch in Europa gibt es in letzter Zeit häufiger Bestrebungen, über den Deckmantel von gutmeinenden Absichten, unangenehme Meinungen und Informationen zu zensieren.
Sollte am 23.1. wirklich ein Blackout der amerikanischen Sites von Google und co kommen, sollten sich auch hiesige Netizens und auch Firmen dran beteiigen.

Um das zu planen und zu koordinieren, wäre aber ein öffentlich bestätigter Termin wichtig.

 

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CSU, IT und Informationsfreiheit

Nachdem Herrmann sich selbst dafür bejubelte, daß er endlich und überfällig der Polizei mehr Stellen für Ermittlungen in der IT gab (http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bayerische-Internetpolizisten-sollen-Kriminalitaet-im-Netz-bekaempfen-1403066.html), wäre es jetzt auch mal so langsam Zeit, daß Bayern endlich mal sein Informationsfreiheitsgesetz auf die Reihe kriegt.

Auch da blockiert die CSU ja seit Jahren jeglichen Fortschritt und ignoriert geflissentlich alle positiven Erfahrungen.

Nun ja, Herrmann zeigte ja selbst, daß er auf diesem Gebiet noch 10 Jahre Wissensrückstand hat, garnierte er seine Erfolgsmeldung doch mit dem üblichen Satz, der unisono jeden als Laie deklariert, der ihn ausserhalb von Persiflagen oder Comic nutzt: Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein.

Wenn er also jetzt, fast 10 Jahre zu spät die Bayerische Polizei etwas mehr an Personal gibt (hey, vielleicht werde ich bei meiner nächsten Anzeige zu „Identitätsdiebstahl“ nicht verwirrt in der Polizeiinspektion angeschaut?), dürfte man ja erhoffen, daß er nun auch bald auf den Trichter kommt, daß eben auch Informationsfreiheit sinnvoll und wichtig ist. Sogar für die eigenen Beamten.
Wenn die Polizisten, die sich um Internet-Kriminalität kümmern sollen, denn überhaupt ins Internet dürfen und dafür was neueres haben als einen ausgemusterten 386er PC :)
Aber dies ist ein anderes Thema.

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Internet-Aktionen, -Streiks und -Demos 1996 bis 2000

Internet-Aktionen, -Streiks und -Demos 1996 bis 2000.

  • Black-Screen-Aktion (1996/97)
  • Blue-Ribbon-Campaign (1997/98)
  • Internetstreik gegen die dt. Telekom (1998)
  • Protestaktionen und Unterschriftensammlungen gegen die Neufassung des TKG (1998)
  • Unterschriftenaktion gegen die Einfuehrung von Softwarepatenten (1999/2000)
  • Internet-Demonstration gegen Justizministerium (2000)
  • Internet-Demonstration beim LG-Termin FTP-Explorer in Duisburg (2000)

Netzpolitik ist (fast) so alt wie das World Wide Web.

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Internetzensur, Politik und Firewalls

Hadmut Danisch hat vorgestern eine sehr ausführliche und gute Zusammenfassung über die Umstände und Hintergründe der Versuche eine „Internet-Kinderpornosperre“ in Deutschland einzuführen geschrieben: Wie die deutsche Internet-Kinderpornosperre zustande kam – und zugrunde ging.

Am Ende schreibt er eine Befürchtung:

Die Befürchtung ist, daß man durchaus einsieht, daß das Internet so nicht effektiv zu filtern ist, und man deshalb versuchen wird, von einem Netz zurück zu einer Sternstruktur zu kommen versuchen könnte, so wie es BTX und AOL waren, und wofür man das Internet – wie oben beschrieben – irrtümlich hielt. Sollte sich die Erkenntnis durchsetzen, daß es gerade diese dezentrale und auf Paketen basierende Struktur des Internet ist, die das Filtern und Sperren so massiv erschwert, könnte das durchaus zu politischen Bestrebungen führen, genau das, wofür man es gehalten hat, herstellen zu wollen. Es gab ja kürzlich schon Vorschläge, die EU abzuschotten. Auch andere Länder wie China und einige islamische Länder trennen ihre Netze von der Außenwelt und reduzieren den Querverkehr strikt.

Ich teile die Befürchtung, daß selbiger Schlag von Menschen, die versuchten eine Zensurinfrastruktur aufzubauen, mit Zentralisierungsbestrebungen reagieren möchten. Und ich bin sicher, es wird auch genug Firmen geben, bei denen gegen Geld alles machbar wäre und die sich die Finger nach solchen Auftrag lecken würden. Diese Firmen werden durch durch Lobbying schon dafür sorgen, daß den Politikern stets ein gewisses Vögelchen unbegrenzte Möglichkeiten ins Ohr flüstert und von tollen Welten erzählt.

Ich hab jedoch die Hoffnung, daß das Potential der Kreativität von vielen Tausend IT-Entwickler größer ist als die Betrebungen von wenigen angestellten IT-Entwicklern auf der dunklen Seite der Macht :)
Als bspw. in Agypten das Netz abgetrennt wurde, dauerte es nur wenige Stunden, bis Umwege in Form von alten Mailboxen gefunden wurden. Und trotz einer Vollblockade in Syrien dringen doch auch Bilder und Videos aus dem Land.

Jede Art von Repression und Firewalls (sowohl im sozialen, im rechtlichen, wie im technischen) funktioniert nur dann, wenn sie Schritt hält mit der Kreativität derer, die Umwege und Alternativen suchen.
Irgendwann tappen die Hüter von Repression und Firewalls jedoch in die eigene Falle: Wenn die Firewalls wirklich ausreichend wirken, dann auch gegen die Leute, die sie aufrecht halten müssen. Und dies hat zur Folge, daß diese Leute selbst technisch, sozial und rechtlich still stehen, während die kreativen Leute weitermachen.
Dies ist auch der Grund warum der Roman „1984“ in meinen Augen nur mehr ein altes Schreckgespenst eines damals bereits kranken Autors ist, der zwar den Aufbau von Unrechtsregimen erlebte, jedoch nicht sah, wie eben solche Regime an ihrer Unflexibilität und Starrheit zusammenbrachen.

Die Evolution im IT-Bereich hat BTX und andere zentrale Ansätze hinweggefegt. Sie bringt Konzerne und Verwertungsgesellschaften mit veralteten Betriebskonzepten ins wanken.
Der immer weiter um sich greifende Gedanke von Open Access (in Deutschland ist der ja leider noch weit hinterher) dringt auch immer mehr in Bereich vor, die andere gern im Hinterzimmer geheim halten wollen.

Ein Artikel wie der von Hadmut Danisch würde vor 20 Jahren undenkbar gewesen.
Zu Zeiten von Strauß und co. müsste er sich dafür wahrscheinlich vor Gericht verteidigen. (Und ich mich dazu, weil ich diesen Kommentar schrieb und „Mitverschwörer“ oder „Mitstörer“ wurde.).

Von daher bin ich optimistisch.
Aber auch wenn man optimistisch ist, heisst es nicht, dass man naiv dem Treiben einer Machtclique zusehen muss. Es gilt weiter genau das zu tun, was Hadmut Danisch schon getan hat: Die Fakten gehören auf den Tisch und veröffentlicht.

Die Wahrheit ist nicht irgendwo da draußen – sie steckt in den Köpfen von Leuten, die sich noch nicht trauen, sie niederzuschreiben.

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