8. August 2010 von xwolf | Kommentare sind abgeschaltet.
Im Zuge der Einführung von Liquid Feedback bei der Piratenpartei gibt es derzeit eine große Diskussion bzgl. des Konfliktpunktes Datenschutz versus Transparenz.
Da die Piratenpartei die erste Partei ist, bei der die Basisdemokratie so stark und bedinglos gefordert und gewollt wird, wurde diese Frage bislang kaum bei anderen parteien behandelt, noch geklärt.
Validom führt die Diskussion zu recht auf die Frage zurück: Sind alle Parteimitglieder auch Politiker?
Aufgrund der traditionellen und konservativen Definitionsbestimmung aus der Wikipedia führt er Politik darauf zurück, daß diese von Amtsträgern verantwortet wird. Also zieht er den Schluß:
Piraten, die kein Amt oder Mandat besetzen (oder besetzen wollen) sind also nicht automatisch Politiker.
Ich denke die Zurückführung, daß Transparenz nicht an den Amtsträgern allein festgemacht werden darf. Die Definiton aus der Wikipedia was ein
Politiker ist,mag zwar aus konservativer Sicht so richtig sein, aber sie geht doch von eben diesen alten Strukturen aus, in denen Politik (theoretisch) hierarisch abläuft.
Andi Popp scheint es ähnlich zu sehen, ließt man sein Kommentar; ich zitiere es nochmal ganz, weil es so wichtig ist:
Dadurch dass aber jeder mitentscheiden kann, muss auch jeder mitverantworten und damit wird in der Piratenpartei jedes Mitglied für mich zum Politiker und muss sich, zumindest im Bereich seiner politischen Arbeit, dem Transparenzgebot unterwerfen
Ich möchte dieses Argument noch vertiefen mit einem Gedankengang: Jeder Antrag, jede Entscheidung, jede Satzungsänderung und jedes Handeln hat ein Zweck und damit Folgen für Dritte. Der Zweck liegt jedoch (hoffentlich) niemals in der Beschäftigung mit sich selbst, sondern darin etwas direkt oder indirekt für Bürger des Landes zu verbessern.
Dies betrifft auch eine reine Stellungsnahme über eine politische Themen oder eine Definition über Punkte in einem Parteiprogramm. Parteiprogramme haben Einfluß auf Wahlentscheidungen. Sie haben Einfluß auf Entscheidungen vor Ort, wie auf Entscheidungen bundesweit. Selbst Opposition kann über Entscheidungen und der dadurch entstehenden Medienwirksamkeit Politik betreiben, da der jeweilige Regierende u.U. getrieben wird, darauf zu reagieren.
Sind wir uns darüber einig?
Nun, dann dürfte doch der Schluß naheliegen: Wenn jeder Antrag für Bürger entscheident sein kann, dann muss auch dessen vollständiger Entwicklungsweg und dessen vollständiger Kontext öffentlich sein.
Oder kurz gesagt: Jeder, der einen Antrag stellt, macht damit bereits Politik und beeinflusst damit möglicherweise das Leben von Dritten (Bürgern).
(Ich hätte gern bei Validom geantwortet, aber sein Blog hat gerade beim Posten ein DB-Problem).
16. Juni 2010 von xwolf | 2 Kommentare
Bei einem meiner Server kam es letztens zu ein paar kleinen aber doch merklichen Verzögerungen im Zugriff.(merklich in dem Sinne, dass Nagios eine Warnung gab). Nichts besonderes eigentlich. Der Server ist eh schon fast 10 Jahre alt und beherbergt 134 aktive Webauftritte. Da kann es mal vorkommen, dass wir diverse dDOS-Attacken haben oder ein Skript aus dem Ruder gelaufen ist. Meist bemerkt man das garnicht.
Der Server-Status machte dann auch auf einen Webauftritt aufmerksam, der verdächtig häufig von nur wenigen IP-Adressen aufgerufen wurde. Dafür aber massenhaft.
Hier ein Bild der Statistik der Zugriffe:

Das sah dann eigentlich nach einem normalen dDOS aus. Stutzig machte aber dann der Fakt, daß es IP-Adressen aus verschiedenen Netzen waren. (Soweit wir das jedenfalls feststellen konnten – denn wir haben das letzte Oktet der IP nicht, da dies anonymisiert wird).
Zwei weitere Dinge waren in der Logdatei auffällig: 1. Die Zugriffe kamen nur von verschiedenen Versionen des Internet Explorers. 2. Die Zahl der Anfragen nach Status-Code 302 ( Seite an anderer Stelle gefunden) war enorm hoch: 5.718.357 .
Was war die Ursache?
Der Kunde hatte in seinem Webauftritt in seiner .htacess-Datei die Directive genutzt um eine eigene 404-Seite aufzurufen:
ErrorDocument 404 http://www.DOMAINNAME.de/404page.html
Soweit, so gut.
Dummerweise hat er vergessen, die Datei 404page.html anzulegen.
Folglich kam es zu einem Loop: Jemand mit dem Internet Explorer wollte eine nicht vorhandene Seite aufrufen. Daraufhin lieferte der Webserver mit dem Code 302 eine neue URL aus. Der Browser rief diese URL dann auf und der Webserver antwortete wie zuvor.
Und der Internet Explorer (und laut Statistik nur der IE in den Versionen 7 und 8 ) fiel darauf hinein…
Andere Browser stellten den Loop fast sofort von selbst fest und brachten eine entsprechende Fehlerseite.
11. Juni 2010 von xwolf | Kommentare sind abgeschaltet.
Seit ein paar Tagen ist der neue Service Flattr zum Thema geworden. Flattr wird auch inzwischen nicht nur bei Blogs, sondern sogar bei einigen Nachrichtenmagazonen (bspw. der TAZ) eingesetzt.
perun hat seine Erfahrung zu Flattr ausführlich niedergeschrieben: Mit Flattr die Blog-Kaffeekasse auffüllen und Flattr: 12 Cent pro Klick.
Ich bin nach wie vor skeptisch, ob das ganze auch länger genug Erfolg haben wird.
Denn es gab bereits vor einigen Jahren ein ähnliches Projekt, welches fast denselben Ansatz hatte: A-fair.
A-fair bot sich ebenso wie Flattr als Mittler zwischen den Autoren und ENtwicklern wie auch den Leser und Nutzern an. Mit Hilfe einer Lizenzbestimmung wurde dies vertraglich definiert: Die A-fair-Lizenzbestimmungen .
Kernsatz:
Mit der A-fair-Lizenzierung äußert der Autor seinen Wunsch, vom Anwender angemessen berücksichtigt zu werden, wenn er materiell oder immateriell von den Informationen profitiert.
Der Anwender ist also aufgefordert, diesem Wunsch durch eine Anwendervergütung bei dem vom Autor gewählten A-fair-Service nachzukommen, wobei der Anwender den Betrag so hoch festsetzt, wie es ihm fair erscheint.
A-fair wurde jedoch Anfang 2004 eingestellt. Vgl: Einstellung des A-fair-Services.
Es stellt sich also die Frage: War A-fair seiner Zeit einfach nur vorraus und hatte den Nachteil, dass einige Dinge auch etwas komplizierter und nicht so einfach und schön bedienbar waren (vor 10 Jahren, als A-fair aufgebaut wurde, waren die Themen Usability und Barrierefreiheit ja noch etwas exotisches und Leute, die Websites programmierten, waren oft auch die Designer…)?
Oder aber liegt es doch an den Menschen, die sich zwar leicht und schnell begeistern lassen, aber nach einer gewissen Zeit dann einfach zum nächsten Hype gehen?
Ist Flattr möglicherweise also nicht viel mehr als ein “A-fair 2.0″, welches in einem halben Jahr wieder in Vergessenheit gerät bei der Nutzung und dann nach und nach wieder von den Webseiten verschwindet?
9. Juni 2010 von xwolf | 1 Kommentar
Im Hintergrund der Sparbeschlüsse der sozialen Unausgewogenheit CDU-CSU-FDP-Regierung hat Felix von Leitner (“fefe”) eine Mem-Aktion ins Leben gerufen.
Dabei soll der Zitat unser herzallerliebsten Aussenminusministers, “Ist das gerecht gegenüber denen, die arbeiten?” mit Hilfe eines Bildes oder einer Kollage ins rechte Bild gerückt werden.
Siehe: Zum Aufruf der Mem-Aktion
Mein Favorit der bisherigen Einreichung ist dieses:

Quelle: http://img813.imageshack.us/img813/7963/gerechtarbeiten.jpg
2. Juni 2010 von xwolf | Kommentare sind abgeschaltet.
Aufgrund des unerwarteten Rücktritts von Horst Köhler als Bundespräsident, entstand in der CDU offenbar ein völlig falsches Bild von Ursache und Wirkung.
Statt anzuerkennen, daß die Wahl eines Menschens, der nicht aus der Politik kommt, zu einer erfolgreichen und einer angefangenen Amtsperiode führte, möchte man nun nur noch jemand aus den eigenen Reihen haben. Und offenbar jemand, der entsprechend handzahm ist, wenig fachkompetent, aber repräsentabel. Das Aufgabe des Bundespräsidenten wird offenbar von einigen Politikern aus der CDU nur mehr darin gesehen, einen willenlosen Unterschreiber von beliebigen Gesetzen zu haben, der oder die aber dann doch dabei ein nettes Gesicht macht.

(Bild: bee)
Unter der Maßgabe eine solche Person zu finden, ist eine Kandidatin offenbar Frau Ursula von der Leyen.
Aufgrund ihrer offenkundigen Demagogie und der von ihr verbreiteten Falschaussagen im letzten Jahr, die sie anstimmte um mit Hilfe einer scheinbar leichten aber PR-trächtigen, aber fachlich völlig unsinnigen Maßnahme Wahlkampf zu machen, erhielt sie den Nicknamen “Zensursula”.
Und eine solche Person soll nun das höchte Amt des Staates bekommen?
Wo bleibt da die Ethik, wo die Moral, wo der Respekt, wo bleibt der Geist?
Ein Artikel bei Telepolis bringt es auf den Punkt:
Bankrotterklärung
Wenn Ursula von der Leyen wirklich Kandidatin für das höchste Amt des Landes werden sollte, wäre dies die ultimative Bankrotterklärung der politischen Klasse. Sie wäre nicht nur eine Notlösung, sondern eine glatte Fehlbesetzung.
Niemand käme auf die Idee, die aparte Blondine auch nur in die Nähe einer wie auch immer gearteten intellektuellen Prädisposition zu rücken. Ursula von der Leyen wäre eine Sockenpuppe der Kanzlerin in Schloss Bellevue. Das hat das Land nicht verdient, das hat das Volk nicht verdient, das hat aber auch das ehrenwerte Amt des Präsidenten nicht verdient.
Quelle: Politisches Leyen-Spiel
20. Mai 2010 von xwolf | 1 Kommentar
Ein aktuelles Satellitenbild der NASA und ein Screenshot aus der Website der Deutschen Sektion der BP nebeneinandergestellt:

Bilderklärung: Unter der Überschrift der Seite Verantwortliches Handeln (Screenshot vom 20. Mai 2010) steht der Slogan
Gesundheit und Sicherheit haben Vorrang
BP minimiert die Risiken für Mitarbeiter und Umwelt
Darunter ist eine aktuelle Satellitenaufnahme des Golf von Mexiko zu sehen, welche die Auswirkungen der Umweltkatastrophe zeigen.
Die Satellitenaufnahme wurde am 19. Mai veröffentlicht. vgl: Oil Slick in the Gulf of Mexico
Danke an fefe für den Hinweis.
18. Mai 2010 von xwolf | Kommentare sind abgeschaltet.
Wie von mir schon vorher geunkt und erwartet, beginnt nun langsam die selbe Diskussion wie bei den IP-Adressen, um die Informationen, die man von dem UserAgent bekommt:
Darüber hinaus müsse die Diskussion um Datenschutz im Netz, die sich derzeit vor allem um IP-Adressen und Cookies drehe, auf Browserfingerabdrücke erweitert werden.
Quelle: golem.de: Fast jeder Browser ist eindeutig zu identifizieren
Um nun auch hier Datenschutz zu garantieren, wäre es hier allerdings nicht allein mehr allein ausreichend in den LogFiles den String mit den UserAgents zu entfernen, sondern es müsste verhindert werden, daß betriebswichtige Informationen wie die “Accept-Angaben” nicht von anderen Modulen oder Plugins ausgespäht und weiterverwendet werden können. Vorstellbar wäre dies beispielsweise durch Zwangsplugins für die Webserver die die CGI-Schnittstelle dementsprechend verkrüppeln, das solche Informationen an keinen Skript weitergegeben werden können.
12. Mai 2010 von xwolf | Kommentare sind abgeschaltet.
In den find-links von intern.de findet sich gerade ein netter Hinweis:
Jemand hatte bei Bing und Google nach dem Satz “Why is Microsoft Offoce so expensive” gesucht und kam zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Siehe Screenshots auf why-is-microsoft-office-so-expensive-dont-ask.
WB hat schon darauf hingewiesen, dass auch bei der deutschsprachigen Suche hier unterschiedlichen Ergebnisse kommen. Was aber noch witziger ist, ist neben den Ergebnissen von Bing und Google noch das von ASK.com zu stellen. Der erste Treffer von ASK.com mutet schon fast an eine intelligente Gegenfrage an.
Ich hab auch noch mit den Satz “Warum ist Microsoft Word so teuer” gesucht:
7. Mai 2010 von xwolf | 1 Kommentar
Das offizielle Motto vom Webkongress Erlangen 2010 lautet bekanntlich Lösungen – von der Theorie zur Praxis.
Auf der offiziellen Webseite wird dies folgendermaßen beschrieben:
„Die diesjährige Veranstaltung führt uns von der Theorie zur Praxis“, erläutert Wolfgang Wiese, Leiter des RRZE-Webteams und Initiator der Veranstaltungsreihe. „Auf den letzten beiden Kongressen wurde im Einzelnen gezeigt, was Barrierefreiheit im WWW bedeutet, wie sich Webangebote professionell und nutzerfreundlich konzipieren lassen und wie man Verfahren aus dem Web 2.0 sinnvoll umsetzen kann. Nun sollen Beispiele gezeigt werden, die dies auch tatsächlich tun.“ Waren die beiden vorherigen Kongresse stark auf technologische Details ausgerichtet, so sollen dieses Jahr mustergültige Lösungen aus verschiedenen Bereichen ganzheitlich präsentiert und analysiert werden. Insbesondere komplexe Webangebote, bei denen Funktionalitäten aus verschiedenen Anmelde-, Verwaltungs- oder Umfragesystemen kombiniert werden, sowie soziale Netzwerke oder große, differenzierte Webauftritte stehen im Mittelpunkt der Vorträge.
Alles klar? Natürlich nicht.
Denn eigentlich bedeutet dies alles und nichts. Es ist naturgemäß eine ziemliche Breite in der Thematik. Und natürlich sind das Texte, die -so ist es üblich und auch richtig- auch entsprechend ihres offiziellen Charakters redaktionell aufbereitet und formuliert sind.
Wobei ich natürlich hoffe, dass die Leute, die täglich im Web arbeiten, doch schon die Richtung verstanden haben, wohin der Kongress dieses mal will.
Hier in meinen privaten Blog, von dem ich weiss, daß hier fast nur reine Webworker mitlesen, darf ich mich jedoch etwas flapsiger ausdrücken. Wir sind ja hier quasi unter uns :)
Also nun etwas genauer zu dem was ich mir vorstelle.
Es gibt zwei inoffizielle Mottosprüche:
Der erste lautet:
“Zur Sache, Schätzchen!”
Das hatte ich hier schonmal beschrieben: Webteam-Blog: WKE 2010: Lösungen / Solutions
Also da wollen wir, dass wir jetzt mal sehen, was wirklich in einem realen, komplexen Projekt umgesetzt wurde oder umgesetzt wird.
Denn HTML5-, CSS3-, Barrierefreiheit- Vorträge gab es in den letzten Jahren ja nun wirklich einige. Ich weiss nicht wie es anderen da geht, aber ich hab da den Eindruck, dass auf vielen anderen Veranstaltungen immer nur dieselben Vorträge in nur kleinen Variationen neu aufgekocht werden. Zum x-ten mal kriegt man die tollen Bildchen zu sehen, die sich beim hovern plötzlich nur mit CSS drehen oder skalieren; oder man hört zum wiederholten mal wie wichtig Webstandards und APIs sind und was man damit im Beispielfalle machen kann.
Anhand von Beispielen wird gezeigt wie man Barrierefreiheit fördern kann oder wo die eben schlecht umgesetzt wurde. Eben Beispiele.
Und daraus kommt dann der zweite Spruch:
“Boah – wie habt ihr das geschafft?!”
Der größte Teil der Leute, die in den vergangenen Jahren zum Webkongress kamen sind ebenfalls Leute, die entweder selbst täglich mitten im Code stecken (sei es CSS, (x)HTML oder auch PHP, Perl oder andere Sprachen, oder auch die Systemadministration) oder Leute die darin selbst mal tätig waren und nun “ihre” Leute in die richtige Richtung schieben müssen (manchmal/oft etwas traurig, dass man vor lauter organisieren und besprechen selbst immer weniger Zeit hat um selbst zu coden).
Kurzum: Diese Leute wissen dass die Klarsichtprospekte von PR-Menschen die erzählen, dass man mit ein paar Klicks und einem speziellen CMS oder einer Clusterlösung alle Probleme lösen kann, nicht wahr sind.
Um so mehr sieht man dann die Bruchstellen, wo es Probleme gibt.
Wie schafft man es zum Beispiel, nicht nur am ersten Tag des Relaunches eine tolle
Website zu haben, sondern dass diese auch in einem halben oder einem Jahr nach dem Relaunch noch genauso gut und sogar besser (wegen neuer Techniken oder Social Tools) ist.
Der Comic von Kopozky zeigt es in Bildern:

The Life and Death of Design, Lizenz: CC 2.0 BY NC ND
Wie schaffen Webworker es, daß sie bei den jeweiligen Webauftritt nicht genauso erschrocken werden, wie der Designer auf dem 3. Clip?
Wobei es natürlich nicht nur um das “Danach” gehen kann, sondern auch um das “vorher”. Dazu wiederum hat Jens Grochtdreis heute ja auch einen netten Link getwittert: kunden.ausderhoelle.de
Auf den üblichen Kongressen, wo die PR-Leute von Agenturen und CMS-Herstellern ihre Produkte anpreisen, wird man davon nichts hören. Doch genau dieses sind die Dinge die interessant sind und von denen ich gern was auf dem Webkongress hören würde.
Ohje, Ich fürchte, ich hab nun alle vorher noch vorhandenen Klarheiten beseitigt?
19. April 2010 von xwolf | 1 Kommentar
( Folgenden Artikel hab ich in Rahmen meiner Arbeit am Rechenzentrum der Uni Erlangen geschrieben. Er erschien in leicht abgewandelter Form in der Benutzerinformation 83 (April 2010), die derzeit verschickt wird. )
Wenn bei meiner täglichen Arbeit in einem Webteam Hilferufe eintreffen, dann nicht etwa, um sich Tipps zur Textformatierung oder zum Design zu holen. Selbst die technische Umsetzung der Barrierefreiheit, die oft als große Herausforderung gesehen wird, gelingt meist mühelos. Die eigentlichen Schwierigkeiten bei der Bearbeitung von Webseiten tauchen da auf, wo es mehr oder weniger um die Erfahrung der Bearbeiter geht. Diese sogenannten “weichen Faktoren” sind grundsätzlich unabhängig von der darunterliegenden Technik und werden gewöhnlich auch nicht davon beeinflusst, ob ein Administrator professionelle Editoren oder Content-Management-Systeme verwendet.
Ein Webauftritt ist eine weltweit abrufbare Präsentation, über die sich ein Unternehmen, eine Organisation, ein Lehrstuhl, ein Projekt positioniert. Seit vielen Jahren schon wird bei der Beschaffung von Informationen vorwiegend auf das World Wide Web zurückgegriffen. Alle anderen Medien sind dabei an Bedeutung zu verlieren. Galt früher in der Wissenschaft noch die Aussage:
“Wer nicht in Fachmagazinen publiziert, bekommt oft keine Drittmittel, keine Projekte, keine Mitarbeiter.”
So gilt heute:
“Wer nicht im Web auffindbar ist, den gibt es nicht!”
Trotzdem verwenden viele Betreiber und Autoren weniger Sorgfalt und merklich geringere finanzielle Mittel auf ihre Webauftritte, als auf die Erstellung von Handzetteln, Postern oder gar Visitenkarten. Oft wird eine Webpräsenz nur nebenbei betrieben – von der Sekretärin oder einem vielbeschäftigten Mitarbeiter – , während für die Erstellung neuer Printpublikationen mit Hilfe von Textern, Designern und Werbeagenturen viel Geld hingeblättert wird. Bestenfalls wird eine studentische Hilfskraft beauftragt, sich darum zu kümmern. Aber mal ehrlich, würde man sich im Krankheitsfall wohl auch mit einem Medizinstudenten zufrieden geben, um das Geld für den Arzt zu sparen?
Hier ein paar Tipps und Tricks, wie man Fehler bei den “weichen Faktoren” vermeiden kann:
Publizieren Sie!
Die Qualität eines Webauftritts definiert sich vor allem über seine Inhalte. Mag das Design auch noch so ausgefeilt und kreativ sein, ein Webauftritt, dessen Inhalte lückenhaft und veraltet sind, hat sein Ziel verfehlt. Besucher kommen über zwei Wege auf Ihren Webauftritt: Eine andere Seite hat einen Link auf Ihre Seite gesetzt oder eine Suchmaschine hat Sie gefunden. Enthält Ihr Webauftritt jedoch keine verwertbaren oder zitierwürdigen Inhalte, gibt es auch keinen Grund, auf Sie zu verlinken. Eine Suchmaschine fahndet nach Suchbegriffen und ein Webauftritt, der auptsächlich Grafiken und Bilder zum Inhalt hat, wird dann nicht gefunden.
Deshalb: Nutzen Sie den Webauftritt um zu publizieren! Bringen Sie Ihre Texte und Arbeiten ins Web und verstecken Sie sie nicht hinter Zugangspassworten. Jedes wissenschaftlich wertvolle Dokument, das sich hinter einem Zugriffsschutz versteckt, ist für das Web unsichtbar und mindert die Chancen, bei der Suche auf eine bessere Position zu kommen bzw. öfter verlinkt zu werden.
Zahlreiche Universitäten und Forschungsverbünde veröffentlichen ihre wissenschaftlichen Erzeugnisse schon seit langem unter Open Access. Beispielsweise bietet das Massachusetts Institute of Technology (MIT) auf der Plattform DSpace@MIT Forschungsergebnisse und Dokumente zur freien Recherche und zum Download an. Das National Center for Biotechnology Information (NCBI) tut es dem gleich.
Form follows Function
„Das Design eines Webauftritts darf dessen Sinn und Zweck nicht im Wege stehen.“
Ein der Architektur entlehnter Gestaltungsleitsatz, der auch bei der Konzeption von Webauftritten Anwendung finden sollte; denn das Argument, Design sei reine Geschmackssache, hat im Web nicht uneingeschränkte Gültigkeit. Design, das nur gefällt, aber nicht funktional ist, wendet sich nun mal nicht zwangsläufig an die Besucher. Die Regeln zu Barrierefreiheit und Usability schreiben dem Webdesign bereits einen gewissen Rahmen vor, der einzuhalten ist. So muss nicht nur die Navigation eines Webauftritts klar sein, sondern auch die optische Darstellungsform den unterschiedlichen Inhalten (Texte, Grafiken, Tabellen, usw.) angepasst werden. Die empfohlenen Positionen und eine sinnvolle Anzahl einzelner Elemente ist ebenfalls durch ausreichend viele Evaluationen und Studien vorgegeben. Gute Webdesigner berücksichtigen diese Aspekte bereits in der Konzeptionsphase und nicht erst im Laufe der Umsetzung.
Webauftritte sind keine Gemälde
Die optische Gestaltung mancher Webauftritte wird nach einer bereits vorhandenen Druckvorlage ausgerichtet, der wiederum ein definiertes Corporate Design zugrunde liegt. Doch im Web gibt es keine festen Größen: Weder ist die Auflösung des Browserfensters festgelegt, noch die Schriftgröße oder der Startpunkt, über den ein Benutzer die Seite betritt.
Sehen Sie daher von einem Webdesign ab, das von einer Briefvorlage oder einer Folienpräsentation in Din A4 ausgeht.
Prüfen Sie, wie Ihre Webseite in verschiedenen Browserauflösungen aussieht. Dazu gehört auch die Ausgabe auf einem
Drucker oder einem internetfähigen Handy. Generell sollten Sie einen Webauftritt eher von einer Internetagentur mit einem Webdesigner erstellen lassen und nicht von einer Agentur, die sich auf Printmedien spezialisiert hat.
Sie wenden sich ja auch nicht an einen Maler, wenn es darum geht Ihren Wagen zu lackieren!
Baustellenseiten: Kunden warten nicht
Ein absolutes „No Go“ sind Baustellenseiten auf Webauftritten als Platzhalter für neue geplante Seiten. Eine Baustellenseite bringt inhaltlich keinen Mehrwert. Im Gegenteil: Ein Besucher hat eine Seite aufgerufen – in freudiger Erwartung – doch er muss feststellen, dass es umsonst war. Hat sich an der Baustellenseite bis zum nächsten Besuch immer noch nichts getan, wird der Besucher davon ausgehen, dass die Seite nie mehr aktualisiert wird. Die Folge: Er schließt mit dem Webauftritt ab und wird deshalb nicht mehr erfahren, ob die Seite schließlich doch aktualisiert wurde.
Englischsprachige Webseiten werden schlechter gefunden
Manche Einrichtungen der Universität Erlangen-Nürnberg verfassen die Startseite ihres Webauftritts in englischer Sprache, um damit auch internationales Publikum zu erreichen. In einigen Fällen weist nur noch eine kleine deutsche Flagge auf eine deutschsprachige Version hin. Bei dieser Vorgehensweise besteht die Gefahr, dass die Einrichtungen sich mehr schaden, als davon zu profitieren: Zum einen ist die überwiegende Mehrheit an Besuchern der universitären Webauftritte deutschsprachig. So erfolgten beispielsweise im Februar 2010 60% aller Zugriffe aus Netzen der Universität oder von deutschen Providern. Zum anderen indizieren Suchmaschinen die Seiten falsch und werten den deutschsprachigen Teil geringer, da er ein paar Klicks weiter „entfernt“ ist.
Eine Suchmaschine wird einen Webauftritt in englischer Sprache bei der deutschsprachigen Suche (google.de) schlecht
finden; dagegen wetteifert bei der englischsprachigen Suche (google.com) der Webauftritt auf der Ergebnisseite mit amerikanischen und britischen Universitäten, die deutlich mehr englischsprachigen Content bereitstellen. Die Fülle an Konkurrenzseiten sorgt für ein schlechtes Ranking der englischsprachigen Seiten deutschen Ursprungs.
Ein Beispiel: Das Department Biologie hat eine deutschsprachige, inhaltlich sparsame Startseite, das Department Informatik hingegen eine englischsprachige mit mehr Textgehalt. Die Syntax beider Domainnamen ist gleichwertig und spielt beim Vergleich daher keine Rolle.
Bei der Suche nach den Stichworten Biologie Universität findet man das Department Biologie auf der ersten Seite bereits an sechster Stelle der Trefferliste in google.de (Stand: Anfang April 2010). Die Suche nach den Stichworten Informatik Universität bleibt hingegen (fast) erfolglos. Das Department Informatik erscheint erst auf der fünften Seite der Suchergebnisse. In der Regel werden von den Suchenden aber nur die Treffer auf der ersten Seite berücksichtigt. Auch die Suche nach anderen Departments gestaltet sich ähnlich.
Deshalb ist es zwar gut, wenn Sie international auftreten, doch die Startseite einer Einrichtung sollte deutschsprachig bleiben. Vergessen Sie nicht: “Wer nicht im Web auffindbar ist, den gibt es nicht!”
Und wäre es nicht fatal, wenn potentielle Kunden oder Fördermittelgeber Sie nicht finden würden?
Ein Webauftritt ist nie fertig!
„Nichts ist so beständig wie der Wandel.“ Sie haben Ihren Webauftritt gerade relauncht und sind stolz auf die Umsetzung.
Dann herzlichen Glückwunsch! Aber Vorsicht: Schon morgen sind die Inhalte von heute veraltet. Deshalb: Bleiben Sie am Ball! Informieren Sie Ihre Besucher regelmäßig über das, was Sie tun. Nutzen Sie zum Beispiel ein Blogdienst und betten Sie Ihre Artikel in Ihre Webseite ein.
Kontinuierliche Administration ist unumgänglich
Zahlreiche Webauftritte nutzen komplexe Content-Management-Systeme (CMS) wie beispielsweise Typo3, Joomla, Drupal oder Interred. Andere bedienen sich einfacherer Redaktionssysteme wie WordPress oder selbst erstellter Anwendungen.
Allen Systemen ist eines gemein: Sie installieren sich nicht von selbst, aktualisieren sich nicht von selbst und sind nicht immer einfach zu konfigurieren. Ohne technisches Hintergrundwissen lässt sich eine Reihe von ihnen gar nicht erst zum Laufen bringen.
Und selbst dann, wenn ein System erfolgreich installiert wurde, ist eine ständige Aufsicht und Pflege nötig. Sollten Sicherheitslücken auftreten, erfordern sie in der Regel eine schnellstmögliche Behebung. Sonst kann der eigene Webauftritt schnell zum Opfer eines Hacks werden. Dies kann dann durchaus zu einem ungelegenen Zeitpunkt erfolgen. So wurde beispielsweise die Website einer Studienberatungsstelle der Universität, die eine veraltete WordPress-Version nutzte, ausgerechnet in der ersten Semesterwoche des Wintersemesters 2009/10 „gehackt“ und musste deswegen vom Netz genommen werden.
Manche Hacks haben ausschließlich das Ziel, Werbung abzusetzen.
Auf diese Weise wurde zum Beispiel ein Lehrstuhl missbraucht, der noch bis vor kurzem ein eigenes, aber unbetreutes
Forum betrieb. Ein bekanntes Sicherheitsloch in der verwendeten Software wurde dazu genutzt, Werbung auf dem Webauftritt des Lehrstuhls zu platzieren und sich Zugang zu allen Dateien zu erschleichen.
Sie haben schlaflose Nächte, weil ein Hacker vielleicht schon morgen Ihre Lehrstuhlseite korrumpiert haben könnte und dort strafrechtlich relevante Dokumente abgelegt hat? Dann sorgen Sie dafür, dass dieser Fall erst gar nicht eintritt.
Informieren Sie sich rechtzeitig und machen Sie sich Gedanken darüber, was Sie wirklich wollen – nicht nur heute, sondern auch in zwei Jahren, wenn der Administrator Ihrer Website vielleicht schon wieder ein anderer ist.
Kurzum: Wer im Rahmen seines Webauftritts Content-Management-Systeme, Redaktionssysteme oder Webanwendungen einsetzt, ist auf einen aufmerksamen und kompetenten Administrator angewiesen.
Und dies dauerhaft. Nicht nur für die Phase des Relaunches.
(Oh, dies hat Ihnen Ihre Agentur verschwiegen? Sie haben sie aber auch nicht gefragt, oder? Oh, wie bedauerlich…)
Nehmen Sie Ihren Webauftritt ernst!
Kurzum: Glauben Sie nicht, mit dem Ausfüllen ein von ein paar einfachen Formularen und den Schreiben von etwas Text ist es getan. Denken Sie daran, was ich vorher schrieb:
Ein Webauftritt ist eine weltweit abrufbare Präsentation. Der Webauftritt repräsentiert Sie überall und jederzeit.
Wenn Sie keine Zeit und kein Geld darin investieren, sieht der Webauftritt auch dementsprechend aus. Und der entsprechende Eindruck fällt auf Sie zurück.