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Datenschutz ist nicht wichtiger als Menschenleben

Auf piratenpartei.de wurde heute ein Gastartikel von Stefan Müller zum Thema BigData veröffentlicht.

Der Artikel endet mit dem Schlusssatz:
„Daher sind an Massendatensammlungen, zumal wenn sie unfreiwillig  ablaufen, strenge Anforderungen zu legen, wenn nicht gar komplett zu  untersagen.“

Ich lehne den Fazit ab. Ich sehe hier mehr „German Angst“ drin als eine der Sache angemessenen Argumentation. Als Pirat würde ich einen entsprechenden Programm- oder Positionsantrag meiner Stimme verwehren.
Ich stimme dem jedoch Autoren zu, dass BigData missbraucht werden kann. Nicht nur kann, sondern wird. Wie bei jeder neue Technologie, geschieht dies auch hier.

Der Artikel zeigt jedoch nur die negativen Gesichtspunkt auf und ist dadurch einseitig.
Ich möchte ein Argument aufbringen, welches vom Stellvertretender Direktor der Charite, Prof. Dr. Reinhold Schäfer kommt und er auf das vor kurzem bei einem Kongress zum Thema hinwies. Dabei geht es um die Krebsforschung:
Aufgrund der hohen Hürden im Datenschutz gibt es kein zentralen Register für Krebstherapien. Es ist Ärzten und Krankenhäuser nicht möglich die Ergebnisse von Therapien auszutauschen. Denn aufgrund der individuellen und vielfältigen Formen von Krebserkranken würde es unmöglich sein, diese Daten vollständig anonymisierbar zu machen.

Was hat das für Folgen? Es hat ganz fatale Folgen!
Menschen erhalten nicht die Therapien, die sie brauchen, weil die behandelnden Ärzte sie nicht kennen. Sie können schlichtweg nicht abgleichen welche Therapien bei Menschen mit welchen Krankheitsverlauf erfolgreich waren und welche nicht. Stattdessen müssen sie „herumdoktoren“ und jeder für sich wieder und wieder Dinge ausprobieren. Therapien werden versucht, die möglicherweise sich in anderen Kliniken längst als untauglich bei selben Fallkonstellationen erwiesen haben.

Ist der Datenschutz etwa wichtiger ist als Menschenleben?

Natürlich ist er das nicht. Eine Abwägung ist notwendig. Immer. Und daher sind pauschale Aussagen darüber, dass BigData am besten komplett zu untersagen sei, völlig falsch.

Ein anderes Beispiel, welches derzeit am Horizont steht ist der Austausch von Informationen von Autos untereinander, welches das kommende große DIng sein wird.
Auch hier haben wir es mit einer BigData-Anwendung zu tun, bei der ein unmittelbarer kaum zu trennender Zusammenhang mit personenbeziehbaren Daten besteht.
Ein technisch reales Szenario ist beispielsweise das im Winter ein Auto eine Glatteisstelle „bemerkt“. In der Vorstellung der Entwickler und auch umsetzbar wäre nun, daß das Auto selbstständig die Gefahrenquelle meldet. Autos, die später kommen wären gewarnt und könnten rechtzeitig und sicher abbremsen.
Es könnten Unfälle vermieden, es könnten Leben gerettet werden!

Soweit, so gut. Aber Datenschützer und der Tenor des obigen Artikels sagt: Sorry, das ist BigData. Es ist personenbeziehbar, geht gar nicht! Denn man stelle sich vor, die Autoversicherung würde die Daten ebenfalls abschnorcheln! Die würde damit dann doch die Möglichkeit haben zu sehen, wie schnell der Autofahrer tatsächlich war und wo das war. Die könnten den Autofahrer vollständig in seiner Bewegung überwachen. Dies könnte wiederum zu einer sozialen oder finanziellen Kontrolle führen, indem die Versichung höhere Beiträge einfordert oder den Versicherungsschutz verwehrt.

Und deswegen darf das nicht sein.
Das man damit Leben retten könnte im Verkehr? Egal, Hauptsache Datenschutz.

Wollen wir das wirklich? Ist Datenschutz wirklich wichtiger als Menschenleben?

Das Grundgesetz gibt dem Menschenleben eine höhere Priorität. Datenschutz kommt erst später. Wir wollen sicherlich alle Schutz unser persönlichen Daten vor Missbrauch. Da sind wir uns hoffentlich aller einer Meinung.
Aber dies darf nicht dazu führen, dass eine übertriebene Datensparsamkeit dazu führt, dass Menschen nicht geholfen, nicht richtig therapiert oder zu Schaden kommen.

Mein Fazit:

Datenschutz im Sinne von Datensicherheit? Ja!

Datensparsamkeit im Sinne des Verbots von Datensammlungen und Auswertung durch jedermann? Nein.

 

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Vortrag „Relaunch mit Web-Agenturen: Spiel, Spaß und Spannung“

Ende April halte ich ein Vortrag unter dem Titel „Relaunch mit Web-Agenturen: Spiel, Spaß und Spannung“.

Ausnahmsweise soll es dabei nicht darum gehen, was passiert,wenn eineprofessionelle und seriöse Webagentur ein gutes Design abliefert, der Kunde es aber durch schlechte Bedienung und Nichteinhalten eines Redakteurshandbuch „versaut“. Diese Fälle sind ja oftmals bekannt. Mir geht es darum mal eine andere Sicht aufzuzeigen, die ebenfalls leider sehr häufig auftritt: Was passiert eigentlich, wenn Agenturen mehr versprechen als sie halten können, wenn Agenturen ungeprüft jeden technischen Begriff aus vielleicht unbedarften Auftraggebermund für bare Münze halten und umsetzen oder auch wenn Agenturen nach aussen mit Kompetenzen werben, diese aber bei den konkreten Kunden-Webprojekt garnicht anwenden.

Seit etwa 1999 bin ich an einer Universität quasi Provider für Webauftritte. Und als Provider liefern wir zwar Webspace, haben aber darauf was und wie die einzelnen Einrichtungen ihre Sites dann machen wenig Einfluß. (Allein schon wegen der Haftungsproblematik halten wir uns raus). Wir bieten es auf freiwilliger Basis an, daß wir unverbindlich und ergebnissoffen beraten. Diese Beratung wird allerdings oft erst in Anspruch genommen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist: Wenn sich herausstellt, daß der Sohn des Bekannten doch nicht so recht hatte, als er sagte, daß heutzutage gute Websites nur in Flash gehen; Oder als der Webauftritt von der eine Agentur behauptete, sie sei barrierefrei schon bei einer einmaligen Schriftvergrößerung auseinanderfällt. Seit 1999 hab ich davon einige Beispiele sammeln dürfen.

Um den Vortrag aufzulockern möchte ich jedoch einige weitere Beispiele aufführen.

Daher stelle ich hier die Frage: Wer hat besonderes schöne Beispiele, Anekdoten oder Erfahrungen gesammelt und würde diese hier in den Kommentarbereich oder via E-Mail an mich teile, so daß ich daraus zitieren könnte? (Auf Wunsch gern mit oder auch ohne Namensnennung).

 

 

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Eine Woche wie so viele

Eine Woche im Leben eines Webentwicklers…

Kunde:

Tag 1:  Hab Bild 300×954 upgeloaded, jetzt ist der Text zu kurz. Könnt ihr das Bild nicht croppen?
Tag 2:  Das Bild ist gecroppt, nun sind die Köpfe ab. Könnt ihr es bitte dynamisch anpassen? Das muss doch automatisch möglich sein!
Tag 3: Wenn ich ein Bild in 1024×300 hochlade, sind da Ränder oben und unten und der Text rechts daneben ist zu lang. Bitte skaliert entsprechend. Das Bild sollte immer erkennbar sein. 
Tag 4:  Die Bildergallerie ist so ungleichmässig? Kann man die Bilder nicht einheitlich gestalten? 
Tag 5. [Siehe Tag 1.]

Wo ist eigentlich meine LAN-Peitsche?

Hintergrund: Es geht um eine Site, bei der News gezeigt werden. Ganz klassisch: Links ein Thumbnail, rechts der Text.  Dummerweise hält sich der Kunde nicht an die eigenen Vorgaben was gelieferte Bildproportionen angeht. Nicht das es mal 3:4 und dann 4:3 wäre. Nein, oft ist es von einer Printredaktion geliefert und in einem willkürlichen Format wie 326×592 Pixel geschnitten worde….

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Via Shell absolute URLs durch Relative ersetzen

Diese Anweisungen braucht man ab und zu bei alten Webauftritten, die noch Dateien in HTML abgelegt haben und bei denen man mal eben die absolute URL durch einen relativen Aufruf ersetzen möchte:

Um vorkommen von shtml-Files zu suchen, die  href=“http://www.beispielurl.de/“   enthalten:
    


    
Shell-Anweisung um in shtml-Dateien den String  href=“http://www.beispielurl.de/“  durch href=“/“   zu ersetzen:
    

 

    

 

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Kommentar zum Orgastreik (Nachtrag)

Bemerkungen zum Orgastreik von einem der Beteiligten (Nachtrag und Kopie aus den Kommentaren zu einem Beitrag auf piratenpartei.de):

Ohne all zu viel darüber hier schreiben zu wollen, ein paar Hintergrundinformationen:
Hätte es den Streik nicht gegeben, wären stattdessen 1/3 bis 1/2 der Beteiligten in den Tagen vor und nach den Streik gegangen. Viele Ehrenamtliche hatten zuvor (und im Stillen) bereits mehrfach versucht ihre Sorgen und insbesondere auch fachliche Bedenken bei internen Entscheidungen zur Organisation des damaligen Bundesvorstands anzubringen.
Statt dass auf die Ehrenämtler, die teilweise seit Jahren da waren und alles in ihrer Freizeit hoch professionell am laufen hielten, eingegangen wurden, wurden diese jedoch von Teilen des Bundesvorstandes und deren eingesetzten Beauftragten als unwichtig und ersetzbar abgetan: Wer Probleme machte, könne ja binnen 2 Wochen durch eine bezahlte Kraft ersetzt werden.
Hinzu kam die politische Agendasetzung des ehemaligen Bundesvorstands:
Auch Ehrenämtler sind aber Teil der Piratenpartei, Mitglieder und damit auch Leute die eben ebenfalls eine politische Meinung haben. Nicht gewählte Vertreter von kontroversen Meinungen wurden durch den Bundesvorstand geschützt, bzw. ihnen und ihren Wünschen wurde Gehör geschenkt und Raum in Meldungen und Statements gegeben. Den Ehrenämtler dagegen nicht.

Der Orgastreik wurde daher als letzte und einzige Möglichkeit eingebracht.
Quasi als Signal an viele derjenigen, die schon ihr Austrittsschreiben fertig hatten: Leute, geht noch nicht. Lasst uns wenigstens noch einen Schuss vor dem Bug setzen. Wenn der nicht klappt, wenn der nicht wirkt, dann seit nicht nur ihr weg, sondern wir gehen zusammen.

Der Orgastreik war letztlich aber erfolgreich:

Er sorgte für ein Schock bei den betreffenden Vorstandsmitgliedern; Aber auch viel mehr bei den eher extremen Elementen der Partei, die bisher nur die Arbeit dieser Ehrenämtler nutzten und nun einsehen mussten, dass die lieb gewonnenen Vorteile einen Wert hatten (Und Kosten mit sich brachten – nämlich erst mal Respekt und Anerkennung derjenigen die was tun und zum zweiten die Anerkenntnis, das auch die stillen aktiven Ehrenämtler keine willenlosen Sklaven, sondern ebenfalls gleichberechtigte Piraten mit politischen Meinungen sind.).

Es gibt einige Leute die mit einem Kodex der IT daherkommen und nun behaupten, dass die Streikenden gegen diesen Kodex verstoßen hätte.
Das Gegenteil ist der Fall:

Die Systeme und die Wartung dieser durch Ehrenämtler wurden durch fehlerhafte “Managemententscheidungen” gefährdet.

In solchen Fällen muss jeder verantwortungsbewusste Admin handeln. Die Gefahr bestand konkret darin, dass die Partei damals binnen 2 Wochen nicht mehr handlungsfähig gewesen wäre. Sowohl auf dem Gebiet der IT, als auch der Verwaltung. Unbetreute IT-Systeme sind sehr schnell Opfer von Angriffen oder Störungen.
Übrigens: Am Sonntag nach dem Streik gab es tatsächlich auch eine Störung der Mailsysteme, die unabhängig davon auftrat. Wer hat das Problem behoben? genau, die Orgastreiker. Während gleichzeitig der empörte, extreme Mob forderte, dieselbe Leute in die persönliche Insolvenz zu klagen.
Aber auch das wäre nicht möglich gewesen, da Anwälte Geld wollen. Ohne die betreffenden Ehrenämtler in der Finanzbuchhaltung allerdings…

Nochmal: Der Streik hat einen Großteil derjenigen, welche die Partei überhaupt am Leben halten, davon abgehalten zu gehen.

Ein weiteres (gezielt gestreutes?) Märchen um den Streik ist, dass kritische Systeme abgeschaltet wurden. Dies ist natürlich gelogen. Betroffen war nur das Wiki und die Pads. Die Pads waren nur wenige Stunden betroffen. Für das Wiki wurde eine statische Alternativvariante angeboten.
Gerade Wiki und Pads sind täglich Angriffspunkte von Vandalismus und Missbrauch. Benötigen daher andauernder Moderation. Ein schneller Blick ins Steuerrad vom Wiki belegt dies.
Wenn die Ehrenämtler weg gewesen wären anstelle zu streiken und der BuVo keinen Ersatz für die Admins und Moderatoren hätte finden können, dann müssten diese Systeme aus rechtlichen Gründen bzw. aus Schutz gegen Angriffe ebenfalls offline gestellt werden müssen.

Die durch veraltete Gesetze verursachte Rechtsprechung kennt da in vielen urteilen auch kein Pardon: Systeme wie Wikis, Foren oder Pads verursachen eine rechtliche Haftung des Betreibers. Wenn der Betreiber keine Moderation oder Betreuung leisten kann, dann muss er abschalten…

Und nun stelle man sich vor was in diesem Szenario gewesen wär: Die Admins verkünden offiziell sie sind XX Tage nicht da. Was wäre dann wohl auf dem Wiki und den Pads abgegangen? Und ich meine damit nicht nur Posts von empörten Leuten, sondern Dritte, die so was gezielt ausnutzen.

Nein, wer hier von dem Kodex oder Verantwortung schreibt, die von den Ehrenämtler nicht eingehalten wurde, der weiß einfach nicht worum es geht.
Vielleicht sollten solche Leute lieber mal weniger schreiben und twittern, sondern einfach mal für eine längere Zeit selbst aktiv mit arbeiten.

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