Freiheit im Netz

Wenn Twitter  mehr als 140 Zeichen zuließe, wäre dies ein Tweet von mir:

Dieser Tweet wurde auf einer kommerziellen Plattform geschrieben. Meine Tweets sind weltweit erreichbar und auf Jahrzehnte verfügbar und handelbar. Man wird sie nutzen können um ein zeitlich abhängiges Portrait von mir und meinen Kommunikationsnetz zu berechnen.

Der übliche Tweet enthält Zeitstempel, Browserdaten, Angaben zur Twittersoftware, optionale Daten zu meinem Profil, optionale Daten zu meiner Location. Zusammen mit anderen Tweets lassen sich Vergleichsmengen über Zeitpunkte, Häufigkeiten, Wortschatz, Interessen, Tätigkeiten, etc pp. ermitteln. Nur wenige dieser Daten sind notwendig um einen einzelnen Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu identifizieren. Und dies geschieht auch.

Ich hab den Tweet geschrieben auf einer Browsersoftware, die zwar frei ist, aber deren Vertriebspartner kommerzielle Interessen haben. Mein Tweet wird über verschiedenste Server und Router geschickt, über Glasfasernetze in Hand von Netzbetreiber, die bezahlt werden von Backboneprovidern, die wieder von Subprovider und Hostern ihr Geld holen.

Anhand der Datenraten und der Art der IP-Pakete kann mein Internetprovider Aussagen über Nutzungshäufigkeiten machen und darüber was ich gerade tue. Paket-Monitoring und -Analyse erlauben es die von mir besuchten Serveradressen zu identifizieren, die besuchten Webseiten erlauben tiefer gehende Analysen über meine Interessen und all dem was damit zusammenhängt. Selbst bei verschlüsselten Datentransfer erlaubt die Tatsache, dass meine Kommunikation verschlüsselt ist, als solches Aussagen über mich zu treffen, diese zu speichern und zu analysieren. Hab ich meinen Computer nicht 24h Stunden am Tag in Betrieb und sende randomisierte Mülldaten an verschiedene per Zufall ausgewählte Server, können die Datenraten zumindest eindeutig festmachen, wann ich am Computer und aktiv bin.

Die Browsersoftware läuft auf einem Betriebssystem, welches kommerziell ist, obgleich es viele freie Subkompetenten und Libraries benutzt. Dieses Betriebssystem verbindet sich mehrfach täglich und ohne weiteres meinerseits mit seinem Ursprung. Vermeintlich um Updates zu holen, mutmaßlich um auch Daten von mir zu übertragen, die wenigstens eine Identifizierbarkeit nicht ausschließen lassen.

Die Stadtwerke, bzw. mein Energie-, Wasser- und Wärmeversorger kann ebenfalls durch Verbrauchsdaten und deren Zeitpunkte Analysen über mich als Person vornehmen. Bei genügend genauer Messung unter Einbeziehung der Frequenzen in den Stromleitungen wären hier sogar Aussagen möglich, ob ich am Computer sitze oder am Fernseher. Und wenn ich am Fernseher bin, wann ich das Programm umschalte. Korreliert man das Umschalten mit dem aktuell laufenden Programm und bekannten Zeitpunkten an denen Werbung erscheint, sollte es sogar mit hinreichenden Wahrscheinlichkeiten möglich sein, die Sendungen zu ermitteln, die ein Fernsehzuschauer bevorzugt. Dies zwar nicht durch eine Messung an einem Tag, sondern über einen längeren Zeitraum.

Aber was ist schon Zeit für Daten, wenn der Speicherplatz so billig geworden ist, dass man Unmengen an Daten aufheben kann? Wenn die nächste Speichereinheit früher zur Verfügung steht als bis es braucht die vorhandene überhaupt vollständig zu belegen.

Der Tweet würde ohne Fragezeichen enden und auch kein Ausrufezeichen haben.

Es gibt Menschen, die ob dieser Möglichkeiten, dieser Wahrscheinlichkeiten, ja dieser Gewissheiten, dass genau dies passieren wird und passiert, Angst haben. Angst davor, dass die eigene Privatsphäre nicht mehr da ist.  Das es keinen Raum mehr gibt, in dem man sich zurückziehen kann.

Als Facebook kürzlich seine AGBs so abänderte, dass es nun ganz offen schrieb, was es mit den Daten tut, dies es über Nutzer erfasst, ergoss sich eine Empörung im Netz. So jedenfalls sahen es einige Menschen, die auf anderen Medien und Social Media Plattformen unterwegs waren.

Der ehemalige Bundesdatenschützer Peter Schaar kündigte dann auch pressewirksam sein Account. Was auch immer das noch bedeutete, da nach der ebenso pompösen Kündigung einer ehemaligen Verbraucherschutzministerin herauskam, dass dies nicht nur geplant sondern auch mit Facebook koordiniert geschah. Seinen Twitter-Account behielt er; Er ist auch bis jetzt in aktiver Nutzung, sprich Herr Schaar reagiert auch auf Hinweise.

@PiratSBO verkündete heute auf Twitter sein Unmut darüber, dass der Landesvorstand der Piraten Schleswig-Holstein weiterhin an seiner Facebook-Dependance festhalten möchte. Mehr noch, in seiner Frust nannte er es ein Verrat an den Idealen der Partei und schloss persönliche Konsequenzen in Form eines Wechsels zu einem anderen Verband nicht aus…

Ich keine einige aktive Facebook-Benutzer, denen diese Aufregung nicht vermittelbar ist. Die (natürlich!) nicht mal etwas davon mitbekommen. Und auch -zum Beispiel von PiratSBO- nichts davon mitbekommen werden;  da nämlich mit Ihnen ja nicht darüber gesprochen wird.

Und selbst wenn es ein Facebook-Benutzer mitbekommen würde, was würde dieser dazu sagen? Er könnte -nicht nur unter dem Wissen was ich oben schrieb- sondern auch direkt schreiben:

Du hast gut reden, willst mir einreden, dass ich was böses tue oder dumm sei, weil ich auf Facebook zu Hause bin, aber du nutzt Twitter und machst dir darüber keinen Gedanken. Ist das Bigotterie oder kann das weg?

Was ist nun die Wahrheit? Was sollen wir nun tun?

Natürlich gibt es einige Menschen, die den Ansatz fahren, alles zu verbieten, was möglich ist. Ohne an die Folgen zu denken oder an Kollateralschäden.  Verbieten wir doch einfach, dass IP-Adressen gespeichert und ausgewertet werden! Verbieten wir das Usertracking über GA, PiWik, WordPress.com, oder andere! Verbieten wir alles, was irgendwie dazu beitragen könnte, den Menschen hinter dem Apparat zu identifizieren!
Und all jene, die zu schwach sind, sich selbst  zu schützen, gegen die Unholde des Netzes, erhalten eine Zwangsmaskierung. Natürlich dient das nur dem Schutz!
Und wo auch diese nicht reicht, müssen wir eben dafür sorgen, dass sie zu Hause bleiben. Geschützt hinter virtuellen Mauer. Geschützt gar vor sich selbst, wenn die User zu unreif, zu jung sind um sich selbst zu schützen. Das müssen wir dann vielleicht auch erzwingen…
Wir wollen ja nur das Beste!

Der Weg in die Hölle ist gepflastert mit Steinen, auf denen gute Vorsätze geschrieben stehen.

Und diese Sichtweisen sind so etwas von 2008er… Ja, 2008. Denn da gab es schon mal etwas in dieser Richtung. Und auch hier finde ich einen Namen wieder: Peter Schaar verkündete im Jahr 2008 eine Charta des digitalen Datenschutzes und der Informationsfreiheit. Damals, wie heute greift diese Charta jedoch zu kurz und offenbarte ein Denken, welches auf Bevormundung beruht. Es herrschte das Denken vor, man müsse Menschen beschützen vor sich selbst.
Seither hat sich nichts getan. Zumindest nicht in Deutschland, so scheint es.

Wird es nun nicht irgendwann mal Zeit, einzusehen, dass der Weg der Verbote -sowohl der über echte Gesetze, als auch der über erhobene Zeigefinger- falsch ist? Sollten wir nicht einfach mal einsehen, dass es nun mal so ist wie es ist, wie es auch immer schon betont wurde:

Alles, was ich im Internet von mir gebe, kann und wird aufgezeichnet werden, es kann gespeichert, aufgehoben und analysiert werden.

Ja, die ermittelten Daten können zum Bösen verwenden werden. Sie können aber auch dazu benutzt werden etwas neues zu schaffen, sie können zum Positiven verwendet werden!

Tweets, die ich vor Jahren schrieb, können aus den Kontext gerissen werden, böse interpretiert werden. Und etwas dümmliche Menschen können auf den aberwitzigen Gedanken kommen, mich und andere Personen als ganzes anhand eines Tweets zu bewerten, ohne dabei irgendetwas vom Kontext zu wissen oder zu berücksichtigen. Oder gar von der Zeit und dem Erfahrungen die davor gemacht wurden, die danach kamen und Dingen, die das Leben und das Bewusstsein und damit die Person formten.

Gleichzeitig kann die richtige Interpretation von Daten Gutes bewirken. Sei es nur die App, die anhand der häuslichen WLAN-Station erkennt, dass man daheim ist und so dafür sorgt, dass die Heizung höher gedreht wird.
Oder sei es die Software beim Gasversorger, die bei einem Haus einen ungewöhnlich hohen Anstieg des Verbrauchs feststellt und einen Menschen informiert, da mal nachzuschauen, bevor etwas passiert.

Worauf ich hinaus will ist: Daten sind niemals gut oder schlecht. Egal, ob sie als Datei oder Datensatz auf irgendeiner Festplatte liegen -egal ob bei der NSA, einer Versicherung oder dem Nachbarn- und auch egal, ob sie verknüpfbar und interpretierbar sind. All dies ändert den Charakter von Daten nicht.

Worauf es tatsächlich ankommt ist jedoch, wer was mit den Daten und den Analysen anfängt!

Hierzu ein Beispiel:
Ein regionaler Wasserversorger überwacht digital den Wasserverbrauch aller Häuser. Über eine Software kann diese Software ungewöhnliche Schwankungen im Verbrauch feststellen. Bei einem Haus, welches anhand der Charakteristik des Jahresverbrauchs eindeutig als Ferienhaus eingeordnet werden kann, wird im Winter ein plötzlicher Verbrauchsanstieg festgestellt. Der Anstieg ist dabei signifikant hoch. Deutlich  mehr Wassermengen werden am Stück verbraucht.
Die Software ist vorhanden und meldet dies weiter. Ein Mensch wird informiert.

Hier könnte die Geschichte nun gut enden.
Muss sie aber nicht. Denn nun erst kommt die menschliche Entscheidung ins Spiel, was mit den Daten geschieht:

Die gute Geschichte würde so ausgehen: Der aufmerksame Mitarbeiter erkennt, dass ein Wasserrohrbruch vorliegt und sorgt für die umgehende Abschaltung des Zufluss und informiert den Kunden. Der Schaden kann so in Grenzen gehalten werden.

Die schlechte Geschichte würde jedoch so weitergehend: Der Mitarbeiter des Versorgers prüft den Vertrag des Hauseigentümers. Und zwar sucht er nach dem Vertragsbestandteil, in dem der Wasserversorgung ein Service zur automatischen Überwachung angeboten hat. Hat der Kunde auch diesen Vertrag abgeschlossen? Sollte dies nicht der Fall sein, wäre der Versorger nicht verpflichtet irgendetwas zu tun. Im Gegenteil würde er profitieren: Durch den Wasserrohrbruch würden einige Hektoliter Wasser in Rechnung gestellt werden können!
Ist der Versorger nun stark gewinnorientiert ausgerichtet, wären die Prioritäten klar.  Der zuständige Mitarbeiter hätte zwar möglicherweise ein schlechtes Gewissen, aber die Anordnung kommt nun mal von oben. Sie wissen ja wie das ist…

Nochmal: Daten sind nicht böse. Daten sind nicht gut. Es kommt nur darauf an, was mit ihnen danach gemacht wird.  Verbote, die nur darauf abzielen, die Erzeugung oder das Erfassen von Daten zu verbieten, sind daher ein Holzweg. Mehr noch, diese Versuche schaden mehr als sie nutzen.

Leute, haltet ein mit euren eindimensionalen Denken, mit euren Verboten, euren Dogmen und eurer zeitlich befristen subjektiv geprägten Moralvorstellung. Lasst das Netz frei! Geht andere Wege.

2012 schrieb ich ein anderes mal darüber. Und ich stehe heute dazu wie damals:

Ich kann nicht verhindern, dass meine Daten, welche öffentlich ermittelbar sind, gesammelt und verknüpft werden. Ebenso wenig kann ich den Handel mit solchen immateriellen Daten verhindern.
Aber ich kann ein gleiches Recht einfordern. Und dies bedeutet, dass jeder der meine Daten abruft, sich ebenso offenbaren muss, wie meine Daten es tun.

Konkret zum Fall der AGBs von Facebook bezogen bedeutet dies: Die Plattform Facebook ist nicht per se böse. Facebook ist aber „digitale Heimat“ vieler Menschen. Es ist Teil der Netzkultur und des Erlebens und Lebens von vielen, vielen Menschen. Auf Facebook werden nicht nur dumme Sprüche geschrieben, es regt andere auch dazu an kreative Dinge zu machen. (Ja, tatsächlich!) Videos, Gedichte, Essays, Geschichten, Apps…

Soll man all dies verdammen und soll man all den Menschen dort den Rücken zukehren, nur weil das gewinnorientierte Unternehmen hinter Facebook die Daten verkauft? Und ist dieser Verkauf wirklich unmoralisch, wo er doch bekannt und offensichtlich ist?

Wenn wir tatsächlich gegen den Missbrauch der Daten vorgehen wollen, der auch durch Facebook vermittelt wird, dann sollten wir doch lieber dort ansetzen, wo der Missbrauch tatsächlich geschieht! Und dies geschieht nicht direkt bei der Plattform, sondern bei den Käufern der Daten! Was machen die mit den Daten? Und ist das dann in Ordnung oder ist das Missbrauch?

Wenn ich auf einer Medienseite plötzlich andere, komische Werbung bekomme, weil ich vorher mit demselben Browser und einem User auf Facebook eingeloggt war, wer hat dann die Werbung geändert? War das tatsächlich Facebook? Oder war es der Werbevermarkter, der meine Daten kaufte und meinte diese nun wider meines Willens zu verwenden?
Die Frage war rhetorisch. Nicht rhetorisch ist diese Frage: Warum dann soll Facebook böse sein, aber nicht der Werbevermarkter und nicht die Mediensite, die diese Werbung bei sich einblendet?

Bei Facebook wurde ich zuvor gefragt und ich hatte und hab die Wahl es zu nutzen oder es sein zu lassen. Ich bin wissentlich den Deal mit Facebook eingeladen: Du bekommst meine Daten, dafür gibst du mir eine Plattform.
Bei der Mediensite hingegen und dem Werbevermarkter wurde ich nicht gefragt! Ich weiss nicht, an wen Datenhändler die bei Facebook gewonnenen Daten weiter geben und was diese damit tun. Diese sind nicht verpflichtet mich darüber zu informieren. Zwar könnte ich gemäß dem Datenschutzgesetz ein Auskunftsersuchen einreichen;  jedoch läuft diese Möglichkeit in die Leere, wenn ich garnicht erfahre, wer genau meine Daten hat und ich somit auch nicht weiß, wen ich dazu fragen kann!

Zudem berufen sich viele Unternehmen bei einer solchen Frage selbst wieder und irrsinnigerweise auf den Datenschutz. Unternehmen, wie die SCHUFA  dürfen aufgrund des Listenprivilegs mit meinen Daten handeln. Wenn ich aber bei der SCHUFA erfahren will, von welchen Unternehmen Sie „meine“ Daten erhielten oder an wem sie diese verkauften, wird diese Anfrage abgelehnt. Selbst wenn ich dadurch einen finanziellen Schaden erlitt…

Mein Ansatz wäre daher nicht, Gesetze zu verschärfen, den das Nutzen, das Analysieren und die Weitergaben von Daten unterbinden (daran halten sich ja eh nur die rechtlich Schwachen) , sondern Rechte für Menschen zu einzuräumen, daß diese ebenfalls mehr Daten erhalten: Wer genau hat meine Daten bekommen!

Wie Obi Wan El Isidor einst sagte:

Gebt euch dem Netz hin. Seid Teil von ihm!

Akzeptiert, dass das Netz auf Daten basiert. Auf den freien Datenaustausch. Wer den Datenaustausch hindert oder aufgrund von moralischen Aspekten zu zensieren versucht, der zerstört am Ende das Netz.

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Theme Piratenkleider: Links in neuen Fenster öffnen?

Zum Theme Piratenkleider werde ich ab und zu gefragt, ob ich eine Option einbauen könne, mit der ein Aufruf der Links zum Öffnen eines neuen Fensters führt. Oder es kommt zu entsprechenden Merge-Requests im GitHub. Da ich als Informatiker zu faul bin um wiederkehrende Tasks (nämlich das Beantworten der Frage) immer wieder neu zu bearbeiten, schreibe ich mal eben auch hier meine Stellungsnahme dazu auf, um zukünftig hierher verweisen zu können.

Ich lehne dies grundsätzlich ab und verweigere auch die Übernahme entsprechender Codes.
Es wäre zwar simpel zu machen, aber ich unterstütze keine Technik, die zu einer Barriere für Menschen mit Behinderungen führen kann oder Menschen ein Verhalten aufzwingt.

Das Öffnen von neuen Fenstern mit dem Target-Befehl oder auch über JavaScript bereits ist seit Jahren ein bekanntes NoGo wenn es um barrierefreie und auf Usability optimierte Websites geht.  (Vgl. auch: Barrierefreies Webdesign, Jan Eric Hellbusch, „Pop-Up-Fenster„).
Zudem ist diese Technik obstruiv: Du nimmst aktiv und ohne vorher zu fragen Einfluss auf das Surfverhalten anderer.

Viele Menschen surfen beispielsweise mit Tabs statt mit verschiedenen Fenstern. Durch das Öffnen neuer Fenster störst du dieses Surfverhalten, denn die neuen Fenster sind nicht in Tabs. Weiterhin sorgen neue Fenster dafür, daß die Back-Taste nicht mehr  funktioniert. Dies ist insbesondere auf kleinen Bildschirmen ein Problem.  Neue Fenster sorgen bei Smartphones oder kleinen Bildschirmen ebenfalls  dazu, dass der Benutzer zunächst gar nicht erkennt, daß er auf einem neuen Fenster ist. Erst wenn er „zurück“ will, merkt er das etwas nicht stimmt.

Bei Nutzern von Screenreadern führt das unangekündigte Öffnen von Fenstern ebenfalls zu Problemen. Insbesondere dann, wenn es sich um gar keine echten Browserfenster handelt, sondern um solche die nur mittels CSS oder/und JavaScript gemacht wurden.

Neue Fenster oder Reiter sollen daher nur dann verwendet werden, wenn dies wirklich notwendig ist. Beispielsweise bei der Eingabe von Logindaten aus einem SSO-Dienst für eine Website. Nicht jedoch wenn es um einfache Links geht.
So sieht es auch die WCAG 2.0:  Öffnen neuer Fenster und Reiter von einem Link aus nur wenn dies notwendig ist.

 

 

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Kriegt euch ein!

Ich bin nicht bei den #Piraten um meine Zeit mit Diskussionen über eindimensionale politische Weltbilder zu verschwenden. Ich bin bei den Piraten um den aktuellen und akuten Angriffen auf unsere gesellschaftlichen und individuellen Freiheitsrechte im digitalen Zeitalter entgegen zu treten.

Etablierte Politik kennt unsere Netzwelt nicht. Sie verneint sogar die Existenz einer Netzkultur. Sie sieht unsere Lebensmodelle und Lebensart als Gefahr für die eigenen Pfründe, eigene Macht und Ansehen und Gewohnheiten an.
Mit allen Mitteln -finanziell, wirtschaftlich, propagandistische und soziale- kämpfen sie gegen uns.
Sie überwachen uns und streuen Zwist unter uns.

Erfolgreich.

Wir streiten über Stofffetzen und einige verraten sogar unsere eigenen Ideale um eine Netzzensur gegen unangenehme Links einzuführen.

Kriegt euch ein!
Habt ihr vergessen was uns eint? Weswegen wir Piraten sind? Was unsere Ziele sind? Unsere Visionen?

Diese Ziele gehen nicht weg, wenn wir voller Frust und wegen Streit untereinander die Flinte ins Korn werfen. Und die Notwendigkeit unseres Tun, die Ursachen unserer Politik aus Notwehr haben sich ebenfalls keinen Deut verändert. Genauso wenig wie die Etablierten, die welche uns stetig angreifen und unsere Freiheit bedrohen, weggehen und von ihren tun ablassen.

Ihr geht vielleicht.  Ihr gebt der Schuld den anderen Piraten. Irgendwelchen Typen, die unbedarft und wie kleine Kinder mit Beleidigungen und Intoleranz um sich schmeißen, aber selbst auch nur von anderen frustriert und angepisst wurden und so ihrer Wut ein falsches Ventil geben.  Ihr gebt vielleicht auch den Karrieristen, den Lautsprechern und den Mitläufern die Schuld, die es tatsächlich auch gibt und welche die Piraten nur als Steigbügel für eigene Ziele sehen aber nicht viel mehr von unserer Welt verstehen, als dass es irgendwas mal mit Internet zu tun hatte.

Aber in Wirklichkeit tut ihr das, was unsere wahren Gegner wollen. Ihr habt die Hoffnung verloren. Ihr seht den Kampf als sinnlos an. Seid verdrossen und igelt euch ein. Gratulation an unsere Gegner.

Ich bin Pirat und Netizen.

Das Internet ist Teil meiner Welt.
Ich werde nicht gehen. Denn ich kann nicht gehen.

Ich sehe mich nicht links, nicht rechts, aber auch nicht „vorne“, sondern bei dem Menschen.
Denn denen ist es egal, welches Label ich mir selbst oder andere mir geben. Nicht egal ist aber was ich wirklich tue.

Und ja, ich werde weiter nautische Metaphern verwenden, auch wenn manche sagen, die seien out. Und ich werde  „Postgender“ und „Postprivacy“ weiterhin als Gefühlsbild und mögliche Zieldefinitionen sehen. Auch wenn einige heulen, wie schlimm, dumm oder sexistisch dies doch sei.
Und ich werde weiterhin im Twitter und sozialen Medien Kommentare geben, die jemand, der das will, in seinem bewussten und unbewussten Sinne uminterpretieren kann.
Leckt mich doch, ihr alle, die meint, einen Menschen mit 140 Zeichen wiegen und für unwürdig beurteilen könnt. Ihr, die ihr nur eure eigenen dunklen Schablonen auf eure Gegenüber legt um sie dann zu beurteilen mit dem was ihr selbst in den Texten sehen wolltet.

Kriegt euch ein. Dies ist nicht worum wir kämpfen.
Wir sind nicht mehr in der Schule im Fach Deutsch in dem Oberstufenthema von Textanalyse und Textinterpretation. Streit um Worte und Begrifflichkeiten sind ebenso lächerlich wie die Leute die das Aufhängen von Stofffetzen für wichtig oder für etwas halten, was einfach so das Denken von Menschen ändert.

Die Piratenpartei ist ein Hebel um den Angriff auf unsere Welt abzuwehren. Aber die Partei ist nicht der einzige Hebel. Reichen uns die Prozente nicht, so bewirken wir dennoch, dass die anderen uns fürchten müssen. Und ein Teil unserer Ideen übernehmen oder umsetzen müssen. Wenn sie das nur tun um uns klein zu halten, dann mag dies so sein. Aber wenn unsere Ziele auf diese Weise indirekt doch umgesetzt werden, haben wir dennoch einen Kampf mehr gewonnen.

Ihr wollt Piraten sein? Dann kriegt euch ein, steckt eure gegeneinander gerichteten Messer ein und hilft uns im Kampf gegen unsere wahren Gegner.

 

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Ein Datenschutz ohne Schaar kann besser werden

Endlich trauen sich erste Medien, den bisher als  nahezu heilig angesehenen „Datenschützer“ Schaar in Frage zu stellen:

„Er sagt immer nur hinterher, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, was zu tun wäre“

Quelle: http://www.stern.de/

Aber wenn es nur das wäre. Auffällig sollte auch längst sein, gegen wen sich die staatlichen und amtlichen Datenschützer immer wenden. Und gegen wen nicht. Wenn es gegen Google und Facebook geht, wird keine Gelegenheit ausgelassen zu toben und zu fordern.

Aber wenn der Staat Millionenfach in seinem Meldeämtern den Verkauf von Bürgerdaten zulässt oder wenn in Bayern und im Bund der rechts- und verfassungswidrige Einsatz des Bayern- und Staatstroyaners keine spürbaren Folgen für die Verantwortlichen  hat, dann muss man merken, daß da was faul ist.

Stattdessen fallen einige Datenschützer negativ auf und pochen auf vermeintlichen Datenschutz, wenn es um Bürger- und Meinungsbewertungsportale geht. So sei an die unrühmliche Geschichten erinnert, in der Datenschützer  sich gegen die Portale wie meinProf.de wendeten und sich selbst nicht von Gerichtsurteilen davon abhielten, diese weiter anzugehen.

Wir brauchen einen starken Datenschutz. Doch dieser muss zeitgerecht sein. Und er muss auf Seiten der Bürger sein und sich nicht allein als Büttel der Verwaltung, der Politik und der Mächten prostituieren.

Dieser Artikel wurde auch auf G+ publiziert. Sie können sowohl hier, als auch dort kommentieren.

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Gute Links – Böse Links: Was darf ich heute noch verlinken?

Die Frage wann ein Link gut oder böse ist, ist so alt wie das Internet.

Im Fall des deutschen World Wide Web begann die Diskussion auf politischer und juristischer Ebene bereits 1996. Viele der damaligen Erkenntnisse sind auch heute noch gültig; Auch wenn sie oftmals vergessen wurden und heute erst wieder neu formuliert werden.

Schon bevor es die Piraten in Deutschland oder auch weltweit gab, waren bereits andere kleinere zeitlich befristete Aktionen und Gemeinschaften tätig, die in dem Ziel verbunden waren und sind ein freies Internet bzw. den ein Kulturraum Internet zu bewahren und zu verteidigen.  Heute kennen viele nur mehr Netzpolitik und Digiges e.V..
Bereits früher gab es jedoch die Abmahnwelle e.V. die sich gegen den grassierenden Abmahnwahn richtete und davor noch Freedomforlinks.
Andere, wie FITUG, CCC, FoeBuD, etc. gab es zwar auch, diese waren und sind jedoch eher auf anderen Gebieten tätig.

Ich war aktives Mitglied von Freedomforlinks und Abmahnwelle.  Und auch wenn es beide nicht mehr gibt bleibe ich den Prinzipien die damals formuliert wurden treu.

Freedomforlinks

Die Philosophie von Freedomforlinks lautete:

Mit dem Internet ist ein Medium in unser Leben getreten, das die Welt zum Dorf werden läßt. Jeder Staat dieser Erde liegt nur einen Mausclick entfernt.

Netizens unterschiedlichster Erfahrungen, Kulturen und Bildungen kommen hier miteinander in Berührung, treffen oder prallen aufeinander. Privatleute und Big Business waren sich noch nie so nah. Sämtliche Bereiche sind in diesem Medium fließend. Es kollidieren die Interessen der Stärkeren und Schwächeren. Beide müssen lernen, miteinander umzugehen und die Spielregeln des jeweils anderen zu respektieren. Wir sehen – bei allen Kinderkrankheiten – in diesem Medium Chancen für ein neues, verantwortungsbewußtes – eben demokratisches – Miteinander von Mensch und Wirtschaft.

Ganz im Sinne des Erfinders Tim Berners-Lee setzen wir uns ein für eine Netzkultur, die dazu beiträgt, menschliches Wissen und Verstehen zu fördern, sich einander näherzubringen.

Im Netz ist genügend Raum für alle. Es besteht kein Grund, mit Keulen aufeinander loszugehen. Wir haben Gesetze und die UNO Menschenrechtskonvention zur klaren, weitgehend international gültigen Orientierung. Ignoranz und Eigennutz erscheinen uns als die schwierigsten Hürden, die genommen werden wollen. Ziel muß es deshalb auch sein, die Staaten zu bewegen, sich im Sinne des Gemeinwohls für das Medium und seine Erfordernisse zu interessieren, zu öffnen und die Weichen entsprechend zu stellen. Nicht nur im Interesse der Industrie, sondern gleichermaßen im Interesse seiner Bürger.

Das Medium zu begreifen, bedeutet, aus ihm einen Mehrwert zu entwickeln.

Tim Berners-Lee schrieb 1998 für Freedorforlinks im Artikel „Was ist ein Link?“ über seine Sicht auf Links und Linksetzung.

Die Tatsache, daß ein Link vorhanden ist, besagt für sich gar nichts. Natürlich kann das Dokument, das den Link enthält, eine Aussage treffen und wird das auch oft tun. Wenn also jemand schreibt „Siehe auch Fred’s Webseiten (Link), die wirklich cool sind“, dann ist das sicherlich eine Art von inhaltlicher Bestätigung. Wenn jemand schreibt „Wir behandeln dies im Detail in unserem Verkaufsprospekt (Link)“, dann ist impliziert, daß beide Dokumente vom gleichen Autor stammen. Wenn jemand schreibt „Fred’s Nachricht (Link) wurde aus Boshaftigkeit geschrieben und ist eine glatte Lüge“, dann setzt er das verwiesene Dokument (möglicherweise verleumderisch) herab. Der Inhalt des verweisenden Hypertext-Dokumentes enthält also teilweise eine Meinung zu dem verwiesenen Dokument, und der Autor sollte dafür verantwortlich sein. Tatsächlich ist es für den Leser oft hilfreich, wenn die Relation zu dem verwiesenen Dokument klargestellt wird.

Der Streit was gutes und was böse Links sind und welche man setzen soll und welche nicht begann auf politischer Ebene bereits 1997. Damals verlinkte die ehemalige PDS-Vorsitzende Angela Marquardt auf die linksgerichtete Publikation Radikal. Es kam es zu einem Gerichtsverfahren, welches später wegen eines Formfehlers eingestellt wurde.
Seinen Effekt hatte es dann aber unter anderem am LG Hamburg, als dieses (fast) das berüchtigte Urteil zu Linkhaftung erließ.
Nach verschiedenen weiteren Urteilen gilt heutzutage rechtlich folgendes:

Nach Art. 5 GG sind Links auf rechtswidrige oder strafbare Inhalte grundsätzlich im meinungs- oder wissenschaftsrelevanten Kontext geschützt;diese Sonderregelung wird in § 86 Abs. 3, § 86a Abs. 3, § 130 Abs. 6 StGB ausdrücklich bestätigt.

Quelle: Wikipedia.

Bemerkenswert ist hierzu auch das Verfahren um Alvar Freude bei der konkret die Frage gestellt war:  Sind Links zu rechtsextremistischen Inhalten strafbar? Auch hier kam es letztlich auf den Kontext an.

 

Kommen wir zurück ins heute: Darf man fordern, dass ein unerwünschter Link entfernt wird?

Auch heute gilt für mich noch:
Es gibt keine guten Links und auch keine bösen Links.

Es gibt aber einen Kontext, in der ein Link gesetzt werden kann.  Dieser Kontext kann dann einem Link eine Bedeutung geben. Politischer oder persönlicher, aber auch rein informeller Art. Wenn wir eine Linksetzung beurteilen wollen, müssen wir den Kontext beachten. Tun wir das nicht, wird dies der Sache nicht gerecht.
(Und man muss sich dem Vorwurf gefallen lassen, seit 1997, dem Jahr mit dem die Diskussion um Linkhaftung in Deutschland losging, in Sachen IT und Netzkultur geschlafen zu haben. Oder sich eben nicht genug drüber informiert zu haben, wenn man nicht dabei war).

Wenn wir jetzt fordern oder unterstützen (siehe auch Fallbeispiel unten), dass Links entfernt werden, weil sie auf schlechten Content verweisen, dann tun wir dreierlei:

1. Wir entziehen jeden Bürger das Recht auf eigene Entscheidung und eigene Meinung.

Für den Inhalt einer fremden Site ist ursächlich dessen Urheber verantwortlich. Er kann Unsinn schreiben, Dinge die wir ablehnen oder verdammen. Er kann hetzen und betrügen aber er kann auch Meinungen schreiben oder sein eigenes Weltbild vorstellen.

Der Besucher dieser Seiten kann und sollte jedoch selbst entscheiden, wie sie diese Inhalte werten: Jeder soll das  sehen können und selbst nachdenken und selbst entscheiden können. Dies ist durchaus nicht immer leicht. Es kann auch schwer und nahezu unerträglich sein. Dennoch ist es notwendig, wenn es nicht gar eine Pflicht zum Nachdenken ergibt:

Mit der Freiheit alles zu lesen was publiziert wird, kommt auch die schwere Aufgabe dazu, das man selbst lernen muss, inhaltlichen Müll abzutrennen. Jeder sollte das Recht haben, an alle Informationen zu gelangen. Allein: Dieses Recht gebiert die Pflicht, mit diesen Informationen richtig umgehen zu können.

2. Wir schaffen eine Kontrolle und führen Linkhaftung ein.

Eine Kontrolle von Links befördert jedoch auch eine Art von Zensur. Jemand wertet Links als Gut oder Böse. Gute Links werden gebracht, schlechte unterdrückt.
Wer hingegen gute Links bringt, sorgte dafür, daß er gewisse Regeln zur Wertung eingehalten hat. Er haftet dafür, daß er es richtig wertete. Wir haben also eine Linkhaftung.

3. Wir sorgen für einen Streissand-Effekt.

Gerade wenn es nur ein Link unter vielen ist, sorgt eine öffentliche Diskussion oder gar offene Briefe und ähnliches gerade erst für Aufmerksamkeit. Die öffentliche Forderung einen Link zu entfernen (z.B. zu einer  Burschenschaft die den Nazis nahe steht), gibt diesen erst eine Bühne.

Das Ziel, Werbung für diese zu verhindern dürfte damit verfehlt werden. Noch schlimmer: Die betreffenden erhalten den psychologischen Vorteil, sich als zu unrecht Verfolgte darzustellen.

 

Ein aktueller Fall

Die Grünen in Erlangen möchten die Uni weiterhin darauf drängen, aus einer Liste mehrere Dutzend ungewerteter Links zu Studentenwebsites einen der zu einer (von vielen)  Burschenschaften führt, zu entfernen. Ich schrieb bereits 2011 darüber.
Aber jetzt, kurz vor der Wahl wird das Thema nochmal aufgekocht. Nachdem eine Befassung im Stadtrat und kürzlich eine Boykottdrohnung des Schlossgartenfests die Haltung der Uni nicht änderte, versucht man es nunmehr mit einem offenen Brief.

Hier wollen die Grüne den Kontext der Links nicht beachten. Es ist ihnen nach wie vor egal, dass es sich um eine riesige ungewertete Linkliste handelt. Ebenso akzeptieren sie nicht die Antwort der Universität, die darauf hinweist, dass jeder Mensch Herr seiner eigenen Sinne ist und sehr wohl selbst entscheiden können sollte wie der Inhalt einer verlinkten Seite zu werden ist.

Hier handelt es sich um einen kurzsichtigen Versuch auszublenden was nicht in das eigene Weltbild passt. Auch in meinem Weltbild haben Nazis und Faschos nichts zu suchen. Aber wichtiger als das Wegblenden von unsinnigen Content ist die Freiheit aller Menschen selbst zu entscheiden, was sie lesen wollen und was nicht. Der offene Brief ist eine von bereits vielen Maßnahmen, die politischen Druck ausüben.

Sagen wir es in einfachen Worten:

Hier wird Druck ausgeübt um einen Link zu entfernen (1).
Ein Link eröffnet Menschen die Möglichkeit, sich selbst ein Bild zu machen und selbst zu entscheiden, ob dahinter Grütze kommt oder nicht  (2).

Oder (1) + (2) zusammengefasst: Hier wird Druck ausgeübt um eine Möglichkeit zu entfernen mit der sich Menschen selbst ein Bild machen und selbst entscheiden können, ob dahinter Grütze kommt oder nicht.

Die Umsetzung dieses Drucks erzwingt die Einrichtung einer Moderation oder einer Kontrolle aller Links. Aus einer Kontrolle von Links folgt daraufhin, dass einige Links erlaubt sind, andere verboten. Somit werden also Linkverbote gefordert und damit einhergehend Linkhaftung für alle gesetzten Links. Warum der Versuch zudem kurzsichtig ist, sollte schnell klar werden, schaut man sich die gelisteten Seiten an und  denkt an die Geschichte der Linkhaftung zurück.
Man erinnere sich: Es ging damit los, dass jemand auf eine linksradikale Website verlinkte. Schon damals schreckte also die andere Seite nicht davon ab,  den Justizapparat für die eigenen Zwecke  zu nutzen. Was wird wohl die wahrscheinliche Folge sein, wenn das Begehren der Grünen auf Entfernung des Links Erfolg hat?

Es liegt auf der Hand: Die betreffende Burschenschaft und deren Sympathisanten (mglw. die RCDS und die CSU) werden den Vorgang als Muster sehen für ihre eigenen Forderungen. So zum Beispiel der Entfernung von Links zu Gruppierungen, denen linksradikales Gedankengut vorgeworfen wird. Oder  Antifa-Verbindungen. Oder …
Ein naives Argument von wegen, „Aber die Nazis sind doch viel schlimmer, sie haben viel mehr Menschen auf den Gewissen,…“ wird daran auch nichts ändern.

Es muss auch nicht bei dem politische Hickhack bleiben. Auch andere können ihre Chance sehen, für sie unerwünsche Links zu entfernen. So zum Beispiel könnten religiös motivierte Gruppen sich gegen Links zu den „Schwulen und Lesben“ wenden. Andere wiederum sehen in einen Arbeitskreis für Homöopathie ein Gräuel.

Kurzum: Es wird zu einem Dammbruch kommen.

Eine Liste, eine Webseite, die vorher völlig ungewertet war, kann letztlich nur mehr mit Hilfe einer Moderation betrieben werden. Das ist schlecht.
(Unabhängig davon glaub ich, dass die Verwalter der Webseite vom Druck doch zermürbt sein werden und letztlich dann die brutale, aber einfache Lösung vornehmen werden: Die Seite als ganzes zu entfernen. Ähnlich wie es auch die Piratenpartei 2011 kurzzeitig mit dem Piratenpad  tat, als auf diesem mutmaßlich illegale Links gepostet wurden.)

Noch schlechter ist aber das damit gesendete Signal: Wer solche Listen betreibt, muss damit rechnen ebenfalls unter Druck gesetzt zu werden. Und wird es daher aus Angst nicht tun.

Zensur und wegschauen?

Wollen wir wirklich ein Zensur einführen? Und Menschen sich selbst zensieren lassen, weil wir Angst vor Nazis haben? Nazis sind Witzfiguren. Sie leben in einer Welt von gestern in Bildern aus Schwarz- und Weiß.
Das Entfernen von Links auf ihre witzige und naive Welt ist aus einen ebenso naiven Gedanken hervorgetreten, daß es nur Gut oder Böse gibt. Das man die Welt verbessern kann, indem man das ausblendet was man nicht sehen möchte. Es ist dieselbe Weltsicht wie sie einst #Zensursula aufzeigte.

“Schaust du nicht weg, dann kannst du schnell angefixt und zum Nazi werden. Deswegen: Wegschauen! “

(Siehe Beitrag „Rette deine Freiheit„, 2009)

Fazit

Nach wie vor gilt: Es gibt keine guten und bösen Links. Ob die verlinkte Seite gut oder böse ist, dass ist hingegen eine persönliche Einschätzung. Wir sollten uns dafür einsetzen, dass Menschen gut genug ausgebildet sind, um Inhalte aufmerksam zu lesen und hinterfragen zu können.

Die Beurteilung der Linksetzung selbst ist immer eine Sache des Kontextes. So wie Tim Berners-Lee es schrieb:

Die Tatsache, dass ein Link vorhanden ist, besagt für sich gar nichts.

Es kommt drauf an, wie wir den Link beschreiben. Aber wir sollten uns tunlichst nicht auf den Irrweg bewegen, der in Bevormundung und Kontrolle gipfelt.

 

Aber dann  war da doch noch was…

Eigentlich könnte ich hier enden. Ernüchtert und zynisch könnte ich frozeln: „Hey, ihr Newbies, das worüber ihr streitet wurde schon vor über 15 Jahren diskutiert und ihr seit noch nicht weiter“. Aber es gibt doch etwas neues.

Nach massiver Lobbyarbeit gelangt es den Verlagen in Deutschland, die etablierten Parteien dazu zu bringen, ein sogenanntes Leistungsschutzrecht zu verabschieden. Eingebracht wurde es von CDU/CSU und FDP. SPD und Grüne protestierten zwar publikumswirksam dagegen, ließen es aber letztlich mit ihrer eigener Mehrheit im Bundesrat passieren anstelle es durch Verzögerung zu verhindern.

Im Zuge des Leistungsschutzrechts wird die Frage ob es gute oder böse Links gibt neu aufgeworfen.

Die Verlage behaupten, dass eine Linksetzung (inklusive des Teasers ) auf ihren „hochwertigen“ redaktionell erstellten Inhalt, die jeweilige Website aufwertet. Daraus hinaus begründen sie, dass sie beteiligt sein müssten an den Einnahmen dieses Webangebots.

Interessanterweise bedachte Tim Berners-Lee dieses ebenfalls in seinem Artikel, den er 1998 für Freedomforlinks schrieb. In dem Absatz  „Links und Gesetz: Mythen“ schrieb er:

Der Mythos: „Einen Link auf ein Dokument zu setzen macht das eigene Dokument wertvoller und deshalb gibt es ein Recht, dafür zu bezahlen“.

Das ist auch gefährlich. Tatsächlich ist es wahr, daß dein Dokument wertvoller wird durch Links auf qualitativ hochwertige andere Dokumente, die Relevanz besitzen. Ein Rückblick in einem Konsumentenmagazin addiert Wert hinzu wegen der Produktqualität, auf die es den Leser hinweist. Ich wäre als Person wertvoller für dich, wenn ich mich gegenüber anderen Leuten mit Namen, Telefonnummer oder URL auf Dich beziehen würde. Das bedeutet aber nicht, daß ich diesen Leuten etwas schulde.

Wir können von niemandem fordern, daß er das „Recht hat, daß man sich auf ihn beziehen muß“ ohne komplett den Teppich unter der Freien Rede wegzuziehen.

Durch das Leistungsschutzrecht hingegen wird das Ideal des freien Internets in Frage gestellt. Die Verlage unterstellen pauschal eine Gewinnerzielungsabsicht. Verschweigen aber, dass sie selbst es sind die profitieren. Durch ihren politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Druck beschädigen sie  die Freiheit der Linksetzung und damit ein freies Netz. Die Verlage machen sich somit zu Feinden des Internets.

Da stellt sich für mich die Frage: Ist ein Link auf eine Verlagsseite dann nicht doch böse?

Durch diesen Link sorge ich einerseits für ein besseres Ranking der Seite. Andererseits geben ich durch den „Trust“ den meine Seite und ich selbst habe, dem Verlag ebenfalls einen gewissen Wert mit. All dies verwendet der Verlag jedoch nicht etwa für etwas positives. Sondern er setzt seine Macht dazu ein, um das Internet zu schaden, indem er finanzielle Forderungen stellt.
Und ich als Linksetzer helfe ihm dabei; und sei es nur minimal.

Verlage, die das Leistungsschutzrecht fordern oder nutzen, sind wie ein todbringender Parasit. Sie nutzen und leben vom Körper von dem sie sich ernähren. Aber sie richten ihn dennoch zugrunde.

Bei normalen Links entscheidet der Kontext und die persönliche Interpretation ob der Link gut oder böse ist. Der Verlagen ist es jedoch egal wie der Kontext aussieht. Selbst ein Link, der den Kontext tragen würde: „Schaut euch diese Halunken an: (Link)“, würde für sie keine Rolle spielen. Denn für diese wird auch ein negativer Ruf einen positiven Effekt haben.

Ich würde daher von schädlichen Links reden. „Gut“ oder „Böse“ trifft dabei diese Bedeutung nicht. Auch ein guter Link kann schädlich sein. So zum Beispiel ein Link auf einen (ausnahmsweise) gut recherchierten Artikel eines Verlags. Der Link ist gut, der Artikel ist gut. Und trotzdem ist die Verlinkung an sich schlecht. Denn der Verlag schädigt das Netz.

 

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