Theme Piratenkleider: Links in neuen Fenster öffnen?

Zum Theme Piratenkleider werde ich ab und zu gefragt, ob ich eine Option einbauen könne, mit der ein Aufruf der Links zum Öffnen eines neuen Fensters führt. Oder es kommt zu entsprechenden Merge-Requests im GitHub. Da ich als Informatiker zu faul bin um wiederkehrende Tasks (nämlich das Beantworten der Frage) immer wieder neu zu bearbeiten, schreibe ich mal eben auch hier meine Stellungsnahme dazu auf, um zukünftig hierher verweisen zu können.

Ich lehne dies grundsätzlich ab und verweigere auch die Übernahme entsprechender Codes.
Es wäre zwar simpel zu machen, aber ich unterstütze keine Technik, die zu einer Barriere für Menschen mit Behinderungen führen kann oder Menschen ein Verhalten aufzwingt.

Das Öffnen von neuen Fenstern mit dem Target-Befehl oder auch über JavaScript bereits ist seit Jahren ein bekanntes NoGo wenn es um barrierefreie und auf Usability optimierte Websites geht.  (Vgl. auch: Barrierefreies Webdesign, Jan Eric Hellbusch, „Pop-Up-Fenster„).
Zudem ist diese Technik obstruiv: Du nimmst aktiv und ohne vorher zu fragen Einfluss auf das Surfverhalten anderer.

Viele Menschen surfen beispielsweise mit Tabs statt mit verschiedenen Fenstern. Durch das Öffnen neuer Fenster störst du dieses Surfverhalten, denn die neuen Fenster sind nicht in Tabs. Weiterhin sorgen neue Fenster dafür, daß die Back-Taste nicht mehr  funktioniert. Dies ist insbesondere auf kleinen Bildschirmen ein Problem.  Neue Fenster sorgen bei Smartphones oder kleinen Bildschirmen ebenfalls  dazu, dass der Benutzer zunächst gar nicht erkennt, daß er auf einem neuen Fenster ist. Erst wenn er „zurück“ will, merkt er das etwas nicht stimmt.

Bei Nutzern von Screenreadern führt das unangekündigte Öffnen von Fenstern ebenfalls zu Problemen. Insbesondere dann, wenn es sich um gar keine echten Browserfenster handelt, sondern um solche die nur mittels CSS oder/und JavaScript gemacht wurden.

Neue Fenster oder Reiter sollen daher nur dann verwendet werden, wenn dies wirklich notwendig ist. Beispielsweise bei der Eingabe von Logindaten aus einem SSO-Dienst für eine Website. Nicht jedoch wenn es um einfache Links geht.
So sieht es auch die WCAG 2.0:  Öffnen neuer Fenster und Reiter von einem Link aus nur wenn dies notwendig ist.

 

 

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Erklärung zum Beschluss auf der BuVo-Sitzung vom 15. Mai 2013

Als Antragsteller zum Beschluss Barrierefreiheit von zentralen Webangeboten bei dem Bundesvorstand der Piraten, durfte ich diesen erläutern.

Anbei der erklärende Text, wie ich ihn vor der Sitzung vorbereitete.

Die farblich und kursiv unterlegten Teile wurden nicht vorgetragen, sondern waren nur vorbereitet für den Fall, dass es eine unerwartet schwierige Diskussion gegeben hätte.

Hinweis: Zur Diskussion ob WCAG 2 vs BITV2 verweise ich auf die Diskussion im Beitrag: Ist die Barrierefreiheit tot?

Der Antrag ist eigentlich recht simpel.

Es geht darum, dass wir unsere Webangebote so bereitstellen, dass sie möglichst jeder benutzen kann. Ohne Ausnahme und unabhängig davon wie, von wo, womit und unter welchen Bedingungen er sie nutzen kann und muss. Das ist derzeit nicht überall der Fall.

Leider ist es so, dass einige noch unerfahrene Entwickler, Designer, aber auch Agenturen zwar engagiert aber doch unerfahren sind.

Die zaubern was sehr schönes, was auch auf deren Bildschirmen oder Druckern gut ausschaut. Wenn man dann genauer hinschaut, oder eben mit einem anderen Gerät die Website benutzt, dann treten plötzlich Probleme auf.

Die meisten von uns haben Smartphones. Wenn eine Website barrierefrei ist, dann ist dessen Inhalt in der Regel auch auf einem Smartphone gut lesbar.

Das kann jeder testen.

Oder wenn ihr am Computer sitzt, legt doch einfach mal die Maus beiseite und versucht auf der Website zu navigieren.

Wenn eine Website Barrierefrei ist, ist sie einfach. Einfach für alle.

Wenn es das nicht ist, dann steckt da meist kein böser Wille hinter. Die Leute haben das getan, was sie konnten. Wir können dankbar sein, wenn es genug Leute gibt, die ehrenamtlich für uns arbeiten.

Aber gut gemeint ist nunmal nicht immer gut gemacht. Und wenn Leute unsere Angebote nicht nutzen können, nutzt auch nicht, dass der Macher nur das Beste wollte.

 Wenn etwas von einer Agentur kommt, die dafür Geld bekam oder eine andere geldwerte Leistung erhielt, dann sieht die Sache auch noch anders aus. Dann ist das Pfusch.
Und mitunter auch nahe am Betrug. Nämlich dann, wenn Firmen behaupteten, etwas für uns zu machen was zugänglich für alle ist, was Barrierefrei ist, was es dann aber in Wirklich nicht ist.
Und das ist leider oft der Fall. Wer als Auftraggeber  nicht aufpasst, gerät leicht an einen Pfuscher und wird über den Tisch gezogen.  Das passiert leider auch heute noch häufig.

Der Antrag gibt einen ganz klar definierten Rahmen vor.

Nämlich die BITV und dessen Test.

Das ist ein ganz klar definierter Katalog an Faktoren, Bedingungen und Tests. Die sind so einfach  beschrieben, daß jeder, aber auch jeder diese nachvollziehen kann.

Und das ist kein Hexenwerk, sondern Qualitätsmanagement.

Auch das Testergebnis kann jeder verstehen. 90 von 100 Punkten ist gut. 95 von 100 ist besser. das kapiert jeder. Und da kann sich niemand rausreden.

Die BITV wurde für Behörden geschrieben.
Für Beamte.
Dann sollten wir das ja wohl auch hinkriegen.

An die BITV  können sich alle halten. Und jeder, der in Zukunft eine neue Website macht oder eine neue Gestaltung oder auch ein Webangebot wie jetzt die Plakatespendensite, kann da noch vor und während der Entwicklung nachlesen, worauf man achten muss.

Im Moment hängen die Freiwilligen, aber auch Beauftragte im Luftlehren Raum. Es gibt keinen Rahmen, was einzuhalten ist.
Keiner sagt es Ihnen!
Irgendjemand sagt „Mach mal!“. Aber nicht wie. Und als guter Pirat macht der oder die dann auch.
Aber dann, wenn es fertig ist, kommt plötzlich der böse Wiese an und pöpelt rum.

 Mit der Vorgabe, daß wir uns, genauso wie auch seit über 10 Jahren schon die Bundesbehörden, an die BITV halten, können wir nur gewinnen:

Die Leute, die für uns tolle Dinge machen, haben einen Rahmen und wissen worauf sie achten müssen.
Wir gewinnen, sauber strukturierte Websites, die getestet sind und nicht einfach nur mal dahingeschludert.
Wir gewinnen einige Millionen Leute, die ansonsten ausgegrenzt werden.
Und wir gewinnen damit, daß wir Geld sparen.

Und wenn der PShop und die Plakatewebsite barrierefreier werden, könnten wir auch etwas mehr Geld verdienen. Wenn wir Aufträge an Agenturen vergeben, können wir das Testergebnis als Abnahmekriterium verwenden.

 

 Schwanhild fragte mich heute nach der Wirtschaftlichkeit. Da muss ich mich erstmal entschuldigen. Ich hab sie darauf mit ein Haufen Infos und Links zugeworfen, die belegen, daß Barrierefreiheit auch wirklich Wirtschaftlich und Nachhaltig ist. Und das andere Behauptungen Unfug sind.

Sorry, ich wollte niemand bekehren. Die Antwort ist: Wenn wir das hier jetzt beschließen kostet es uns erstmal NICHTS.

Wen betrifft es:

Alle Webangebote, die in Zukunft neu beauftragt und vom BuVo verantwortet werden. Also auch Angebote von SGs.
www.piratenpartei.de ist bereits umgestellt.

Also: kommende, neue Vorhaben.
Somit gibt es keine Pflicht, den PShop oder die Plakatewebsite zu reparieren.

Es sei denn, ihr werdet das zusätzlich noch verlangen. Es wird uns aber was kosten, wenn wir es nicht tun. Auch monetär.
Shops, die nicht Barrierefrei sind, können von vielen Menschen nicht benutzt werden. Auch weil sie dann nicht so einfach benutzbar sind.
Diese Leute gehen dann woanders hin.  Und kaufen nicht im PShop.

Eigentlich ist der Antrag sehr konservativ und zurückhaltend. Aber ich weiss das wir mit ehrenamtlichen Leuten, die jetzt auf den Zahnfleisch kriechen, nicht einfach morgen alle Fehler und alle eingefahrenen Arbeitsweisen beseitigen können.

Deswegen hab ich den reduziert.
Vor ein paar Jahren hätte ich wegen so  einem wachsweichen Antrag ziemlich heftig geflamt. Und ich weiß, daß ich aus der Szene mit Flames zu rechenn hab, weil ich die BITV befördere und nicht WCAG 2.

 Aber ich finde, wenn wir wenigstens damit anfangen uns für alles was neu kommt, diesen Rahmen zu geben, dann ist das ein Anfang.

Es geht auch darum, den Worten, Taten folgen zu lassen. Nicht nur parteiintern, sondern auch, darüber hinaus.

 Barrieren auf einer Website sind ein Statement. Egal ob unbeabsichtigt oder nicht.

Danke.

 

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piratenkleider-logo

Das Piratenkleider-Theme, dessen Vergangenheit und Zukunft

Piratenkleider heißt das WordPress-Theme, welches bei immer mehr Websites der Piraten zum Einsatz kommt. Es liegt inzwischen in der stabilen Version 2.10 vor. Siehe piratenkleider.xwolf.de.

Es wird nicht mehr allein nur bei der Bundeswebsite, verschiedenen Landesgliederungen (bspw. piraten-brandenburg.de), Kreisen und Regionalverbänden verwendet, sondern auch bei verschiedenen ausländischen Piratensites. Bspw. in Österreich, Luxemburg und der Türkei.

Die frühere Version 1.x war dabei das Original, welches jedoch unzählige Mängel hatte. Diese Mängel einzelnt aufzuzählen und auseinanderzunehmen würde sicherlich eine gewisse humoristische Einlage liefern.
Ich lasse das sein und sage dazu nur: internetaffin ist nicht gleichbedeutend damit, dass die damit bezeichnete Personengruppe auch aus Internet-Experten besteht. Genauso wenig wie die Mitgliedschaft in einem Autoclub bedeutet, dass die Mitglieder allesamt in der Läge wären, einen funktionierenden Automotor zusammenzubauen. Auch wenn man denkt, man kann es, kann man durchaus daneben liegen.

Bild failblog.org: Sure, we can…

Leider Gottes aber ist beim Internet irgendetwas anderes in den Köpfen vieler Leute. Es scheint fast so, als ob ein, zwei Jahre mehr oder minder erfolgreiches Bedienen eines Browsers manche dazu verleitet zu denken, sie wären auch Experten bzgl. Webdesign oder gar Webprogrammierung.  (Dieses ist aber keinesfalls nur beschränkt auf Piraten!)

Man stelle sich vor, wenn Mitglieder eines Autoclubs, die gerade mal zwei Jahre  halbwegs verkehrssicher mit dem Auto unterwegs sind (nach der Meinung des nachfolgenden Autofahrers fragen wir jetzt mal nicht) sich einbringen würden in Design und Technik eines neuen Autos.

Ob das gut gehend würde?

Von daher bitte ich darum, eines zu akzeptieren: Wer internetaffin ist, ist noch lange kein Internet-Experte.

Piratenkleider 2.x

Die allergrößten Bugs und Fails in Sachen Benutzbarkeit und  Barrierefreiheit wurden ja bereits in den frühen 2er Versionen behoben.

Was hat sich getan?

Grundsätzlich:  Sehr, sehr viele Mängel hinsichlich der Barrierefreiheit der Website wurden behoben. Dies erforderte einige Änderungen, die sich aber in der Regel positiv für alle und die Gsamtfunktionalität auswirkten.  Details zu diesen Punkt erspare ich jetzt.  Daher hier nur ein grober Überblick:

Inhaltsbereich

  • Ist etwas breiter geworden.
  • Hat nun für Artikel eine neue Funktion („Steckbriefe“),    die für das Presseteam eine Bereicherung sein sollte, wenn   es sich z.B. um persönliche Berichte o.ä. handelt.
    Echtes Einsatzbeispiel hier:  http://piraten-erlangen.de/2012/07/18/mehr-demokratie-im-internet-ein-tag-in-der-schule/
  • Ab der Version 2.10 steht ebenfalls eine Option zur verfügung mit der die Sidebar durch den Benutzer abblendbar ist und so der Inhalt die gesamte Breite nutzen kann.

Menu

  • Es gibt nunmehr eine sinnvolle Dokumentengliederung
  • Das Menu hat mehr Platz bekommen und erlaubt jetzt dass wir   ggf. 2 weitere Menüpunkte einbauen.   (Aus Usabilitygründen sollten aber nie mehr als 7 Menüelemente verwendet werden).
  • Es erfordert bei Unterseiten mehr Disziplin, damit diese logisch einem Oberpunkt zugeordnet werden.

Stickerlinks oben rechts

  •  Sind nun jederzeit für Aktionen und anderes änderbar. Auch von Nicht-Grafikern, da dort keine Grafiken mehr verwendet werden.
  •   Es können statt zwei bis zu drei dieser Links eingebaut werden.

Teaserlinks rechts, neben dem Slider (Wechselbilder)

  •  Sind ebenfalls vollumfänglich und jederzeit änderbar. Zeitlich befristete besondere Aktionen können auch mit diesen Links unterstützt werden.
  •  Die Symbole vor den Texten sind nun auch im Backend auswählbar; Es gibt etwa 2 Dutzend Möglichkeiten

Slider (Wechselbilder)

  • Slider können jetzt angehalten werden
  • Titellänge etc konfigurierbar
  • Kategorie der Slider-Artikel auswählbar

Social Media Icons

  •  wurden geändert, so dass sie leichter konfigurierbar sind.
  • Die Position oben links neben dem Tool-Menu ist  natürlich auch ein- und abschaltbar. Ausserdem kann man die Icons auch alternativ links vom Inhaltsbereich anzeigen lassen.
  • Es stehen nun nicht nur Twitter, Facebook und YouTube zur Verfügung, sondern auch noch viele weitere.

Twitter-Integration

  • Ist nun ohne User-Tracking  durch die Twitterfirma realisiert.
    (Die vorherige Version war in JavaScript erstellt und sorgte dafür, dass bei dem Besuch der Website Twitter bescheid bekam).

Newsletter-Eingabefeld

  • ist nun Teil der Sidebar

Defaultbilder für Artikel und Seiten

  • werden automatisch eingebaut, falls mal wieder ein Artikelbild vergessen wurde

Aber das zweitwichtigste (nach der Barrierefreiheit) ist:  Es gibt nun eine Dokumentation auf der Website piratenkleider.xwolf.de!

Diese soll in Zukunft weiter wachsen.  Die vorherige Version hatte weder eine Dokumentation noch gab es Wikiseiten, die irgendeine hilfreiche Information hergaben, was man tun musste um das Theme zu betreiben…

Inzwischen kommen nur immer mehr Sonderwünsche dazu, die das Theme für den breiten Einsatz tauglicher machen. Beispielsweise die  gliederungsspezifischen Linklisten, die Sprachversionen und andere Dinge.
Dennoch sehe ich langsam das Ende der Entwicklung kommen. Das Theme kommt immer mehr an einen Punkt, wo Erweiterungen an die Grenzen des  vorgegebenen Designs stoßen.

Design

Das Design von Piratenkleider ist wie ein alter Öltanker:

Behäbig. Breit. Fett. Schwer. 

Wenn man es in Photoshop-Raster entworfen hat, mag es eine Weile lang  doch ganz nett anzuschauen sein. Aber beim Alltag offenbart es einfach  zu viele Schwächen.  Die Farben sind so verwendet, dass sie sich in den  Vordergrund rücken. Insbesondere die Sidebar rechts ist sehr ausgeprägt.  Die Inhalte dagegen sind weniger präsent.

In der ursprünglichen Version 1.1 war es sogar noch schlimmer, weil dort  der Inhaltsbereich noch kleiner war. Ganze 500 Pixel wurden im Original  dem Inhaltsbereich gegönnt…

Achtung, jetzt kommt ein Rant

Meine Intention warum ich die 2er Version gemacht hab, war Idealismus: Ich bin Netizen und Pirat. Als Netizen und Pirat ist  Freiheit für mich eines der höchsten Güter überhaupt.

Insbesondere der freie Zugriff auf Informationen und Wissen.
Für dieses müssen wir eintreten und kämpfen.

Freier Zugriff bedeutet aber auch, dass jeder Mensch das Recht auf gleiche Teilhabe hat. Wenn wir Menschen dadurch ausschließen, dass wir Ihnen nicht die gleiche Teilhabe ermöglichen, läuft dies auf Diskriminierung hinaus. Und manchmal läuft es nicht nur gefährlich nahe  dahin, manchmal ist es das auch. Nämlich dann, wenn es im vollen Bewusstsein geschieht; also aus einer Entscheidung heraus passiert. Die Entscheidung nämlich, sich zu Lasten von Betroffenen die Mühe nicht zu machen und die Website sorgfältiger zu betreiben

Ich rede von Barrierefreiheit im Internet.

failblog.org: Epischer Fail Hinweiszeichen

Wenn Webseiten derart gestaltet werden, dass Menschen mit Behinderungen Probleme damit haben, die Inhalte abzurufen, werden diese von der Teilhabe ausgeschlossen. Wie kann ich mir erlauben, von Freiheit im Internet zu reden, wenn ich gleichzeitig als verantwortlicher Sitebetreiber einzelne Menschen aufgrund körperlicher Besonderheiten ausschließe?
Das geht nicht! Freiheit ist unteilbar. Sie muss für alle gelten.

Als Netizen ist es für mich daher untragbar, wenn Menschen oder anderen Wesenheiten der gleichberechtigte Zugriff auf Informationen im Internet verwehrt wird. Als Pirat fühle ich mich beschämt, wenn andere Piraten dies aus Unwissenheit oder aus egoistischen Beweggründen tun.
Und wenn dann zusätzlich zu Tage kommt, dass die Probleme mit der Barrierefreiheit lang bekannt waren, aber niemand der Verantwortlichen dagegen etwas tat, dann hab ich keine Scheu mehr, von bewusster Diskriminierung zu sprechen.

Als die Bundeswebsite nach mehreren Wochen im April noch immer keine Zeichen von Verbesserung oder Korrekturen aufwies, wurde ich langsam unruhig. Dabei hab ich selbst bereits Ende März, einen Tag nach dem Relaunch meine Unterstützung angeboten und war auch im damaligen Bug-Pad aktiv… Warum geschah da nichts?

Die Antwort war: Die Leute, die Piratenkleider 1 erstellt haben, haben sich nach den ersten ernsthaften und begründeten Feedback aus dem Staub gemacht. Ohne jedes Wort und ohne auf Kontaktversuche zu reagieren.

Als dann -man wird sich erinnern- zur selben Zeit wegen banalen Streitereien zwischen einzelnen Parteimitgliedern, aber auch wegen unangemessener Vergleiche einiger Vorstände in der Presse, das Thema Diskriminierung hervorkam und lauter offene Briefe und Appelle gegen eben jene unterschrieben wurden, wurde ich wütend:

Nicht wegen der Briefe und der Aufrufe gegen Diskriminierung. Das war eine gute Sache.

Aber wegen einiger Unterzeichner.
Denn darunter waren auch diejenigen, die für Piratenkleider 1 verantwortlich waren.

Was denken die Leute sich? Wie verlogen kann man denn sein? Die unterschreiben Aufrufe gegen Diskriminierung, aber betreiben wissentlich Webangebote, die Menschen mit Behinderung ausgrenzen?!  Und sie tun nichts dagegen; Sie versuchen es nicht einmal!

Im Gegenteil. Menschen mit Behinderungen werden oft als Bittsteller gesehen, deren Wünsche man vielleicht mal erfüllen könnte. Und dann müssen die sich auch noch brav bedanken, dass man sich die Mühe gab…

O-Zitat eines Vorstands:

„Barrierefreie Website? Ist nicht mein Job. Da hab ich jetzt keine  Zeit für. Kannst du ja selbst machen, wenn du das willst.“

Man stelle sich vor, jemand würde selbiges beim Thema Geschlechterdiskriminierung oder Rassendiskriminierung sagen: „Gleiche Rechte für Frauen? Ja kümmer dich doch selbst drum, wenn du das willst“… Derjenige, der so was sagen würde, würde einen Shitstorm auf sich zukommen sehen, der sich gewaschen hätte. Und dies zu recht!

Aber wenn es um Menschen mit Behinderungen, um gleiche Teilhabe für alle geht? Dann auf einmal ist das ok? Das kann, das darf nicht sein.
Ich bin Pirat. Als Pirat handle ich. Ich jammere nicht rum, sondern tue etwas.

Spaßbild: Admins verzeihen nie

Und deswegen nahm ich mich des Themes an.
Ich tat es nicht, weil ich Spaß daran habe, fremden Krüppelcode zu korrigieren!

Jetzt ist die Arbeit im Wesentlichen getan. Was dieses Theme betrifft. Mit dem längst überfälligen Relaunch der Bundeswebsite und auch anderer Piratenwebsites habe ich meinen Teil geleistet um dieses Makel der Diskriminierung von den Piraten zu nehmen.
Und doch ist die Arbeit nicht ganz getan. Es gibt immer noch viele Gliederungen, die andere Themes verwenden, die ebenso Menschen mit Behinderungen daran hindern, Inhalte abzurufen. Die aber nicht auf das aktuelle und nun barrierearme Piratenkleider-Design wollen.
Warum? Weil es ihnen nicht gefällt!

Dies kann man sich ruhig auf der Zunge zergehen lassen: Der persönliche Design-Geschmack ist hier Einzelnen wichtiger als die gleichberechtigte Teilhabe anderer…

Wie lösen wir dieses Problem? Nicht durch Zwang.

Durch Shitstorms?  Dann traut sich am Ende niemand mehr Websites zu machen. Und damit verhindern wir auch Informationsfluss. Das ginge nach hinten los.

Die Lösung ist: Wir brauchen ein breiteres Angebot an barrierearmen Designs.

 „Piratenkleider JR“

Und dies ist daher meine nächstes Ziel. Ein neues Piratenkleider. Ein „Piratenkleider JR“.

JR steht für „Jetzt (machen wir es) Richtig.“

Im September möchte ich mit einem neuen Design beginnen. Hierzu suche ich mindestens einen weiteren Piraten; Einen genauso naiven Idealisten wie ich es bin :)
Jemanden, der oder die Webdesign kann. Genauer gesagt: Eine oder ein CSS-Designer.

Es wird kein offizielles Projekt geben. Auch keinen langwierigen Wettbewerb, so wie es die AG Website tat. Stattdessen wird das Projekt -obgleich es nicht geheim gehaltenwird- gezielt Kontakt mit Experten und Fachleute aufnehmen um die Wünsche und Notwendigkeiten zu erfahren.

Das neue Theme soll aber eine gleichwertige, wenn nicht bessere Alternative für Piratenkleider 2.x werden. Verschiedene IT-Leute bei den Piraten haben mir bereits zugesagt, ein neues Theme gerne in den WordPress-Plattformen aufzunehmen. Daher würde ein neues Theme, wenn es denn attraktiv genug ist, von unten nach oben Verbreitung finden.

Wer Interesse hat, als CSS-Designer oder als PHP/Wordpress-Entwickler mitzumachen, möge sich bei mir melden. Gern auch vertraulich via E-Mail.

Aber eines ist klar: Wir müssen was tun.

Klarmachen zum ändern!

Kommentare und Meinungen hierzu? Bitte hier entlang zum selben Artikel auf piratenkleider.xwolf.de.

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Barrierefreiheit von Webangeboten der Piratenpartei

Das WordPress-Theme Piratenkleider erfüllt weitestgehend die Anforderungen an barrierefreie Webauftritte.
Auch wenn ich selbst bei dem Thema nicht ganz unerfahren bin, hab ich der Objektivität halber und des wertvollen Außenblicks wegen auch eine weitere Expertin (Kerstin Probiesch) hinzugezogen, die einen WCAG-Test durchführte. Die Ergebnisse hieraus mündeten dann auch in der Version 2.x.

Eine Intention für die Arbeiten an diesem Themen war, dass das Ursprungstheme, welches im März 2012 herauskam alles andere andere als barrierefrei war. Dieses Zustand war für mich als solcher nicht haltbar; Und da die ursprünglichen Entwickler nach Abgabe Ihrer “Arbeit” sich nicht mehr sonderlich mit dem Theme beschäftigten und auch nicht mehr auf E-Mails reagierten, blieb daher allein die Möglichkeit, selbst Hand anzulegen.

Im Verlauf der Arbeiten kam es auch zu Kontakten mit anderen Piraten und Parteigliederungen, die ebenfalls Webauftritte anbieten. Leider musste ich feststellen, daß es um die Barrierefreiheit der meisten Webangebote der Piraten bislang nicht sonderlich gut bestellt ist:
Sehr oft wurden alte, etwas umgestaltete WordPress-Themes verwendet, welche hierauf keinerlei Rücksicht genommen haben. Auch Inhalte werden nur selten ordentlich gegliedert; In Themes vorhandene Überschriften werden leider all zu oft als Ersatzdarstellung für fetten Text verwendet. Genauso wie oft einfach fett markierter Text optisch als Überschrift genutzt wird.

Selbst Webauftritte, die von Personen betrieben werden, welche bereits einige Erfahrung in der IT haben und sich dadurch eigentlich auch mit dem Thema auskennen sollten, zeigten deutliche Mängel.

Um diese unerfreuliche Situation zu ändern wurde ein Antrag entworfen, mit dem verbindliche Regelungen oder zumindest deutliche Empfehlungen für Webangebote der Piratenpartei durchgesetzt werden sollen.
Der Antrag definiert ein Stufenmodell verschiedener Maßnahmen.

Mit Hilfe eines Meinungsbildes soll der Antrag zudem ein gewisses “Gewicht” erhalten. Dieses Meinungsbild wird derzeit im Liquid-Feedback-System der Piratenpartei durchgeführt:

Initiative: ‘Barrierefreiheit von Webangeboten der Piratenpartei’

Ich bitte die Piraten um rege Unterstützung dieses Antrags.

Piraten und Interessierte, die nicht an Liquid Feedback teilnehmen können oder wollen, können ihre Meinung auch im Piratenwiki in der Diskussionseite des Antrags äußern und Anregungen geben.

Der Antrag wurde im Vorfeld der jetzigen Meinungsbildes bereits mit vielen Piraten und anderen Experten besprochen. Der Einfluss auf die Gestaltung des Antrags kann man durchaus auch in der Versionsgeschichte des Antrags im Wiki ablesen.

Für viele Leute die sich in den letzten Jahren für die Barrierefreiheit einsetzten, ist dieser Antrag und das darin insbesondere das Stufenmodell möglicherweise nicht restriktiv genug. Auch meiner persönlichen Ansicht nach, sollte ebenfalls die letzte Stufe bei einer Umsetzung Verwendung finden. Nach vielen Gesprächen musste ich jedoch einsehen, dass eine so starke Verbindlichkeit bei Webangeboten die derzeit vollständig ehrenamtlich erstellt und betrieben werden, kontroproduktiv wäre:

Zum einen könnten einige Ehrenamtliche sich durch die strengen Regeln zu sehr eingeengt fühlen, was sich dann negativ auf die Qualität der Umsetzung auswirken würde. Zum anderen könnten -gerade unter Personen, die fachlich nicht erfahren sind aber doch für die Webangebote zuständig sind- Ängste auf Fehler bei der Umsetzung geweckt werden, die ebenfalls dazu führen, dass nur wenig Änderungen erfolgen.

Wichtig ist daher, dass erstmal eine niedrige „Eintrittshürde“ in die Barrierefreiheit gegeben wird. Dies soll den beteiligten Webmastern Mut machen, mehr zu leisten. Denn es soll ihnen auch zeigen, dass eine barrierefreie Umsetzung doch nicht so schwer ist, wie es immer erscheint; Wenn die Beteiligten erst erkennen, dass es am Ende um einige wenige Grundprinzipien geht, werden sie (hoffentlich) von selbst überzeugt sein. Und dann auch mehr umsetzen.

Dieser Ansatz ist selbstverständlich nicht vergleichbar mit Regeln die sich an den öffentlichen Dienst oder gegen Unternehmen richten. Dort kann und muss man ohne weiteres strenge Regeln und auch Gesetze ansetzen. Im Bereich der ehrenamtlichen Arbeit jedoch, ist dies nicht möglich. Hier muss man mit Überzeugung ansetzen.

 

 

 

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Tastaturnavigation in den Kommentaren eines WordPress-Blogs

Vor einigen Tagen wies mich +Kerstin Probiesch auf ein Problem bei Kommentaren in einer WordPress-Installation hin:
Bei Kommentaren gibt es die Option einen Link zur Antwort auf den speziellen Kommentar einzubauen.
Bei einem Klick auf diesen Link „Antworten“ wird mittels JavaScript direkt unter dem Beitrag das Formular angezeigt.
Das Problem ist nun, daß der Cursor dabei schon einen Focus auf das Texteingabefeld des Formulars bekommt. Die Idee ist da wohl, dass man so gleich lostippen und den Kommentar beantworten kann und später dann Namen und E-Mail angibt.
Dies ist für Benutzer, die eine Maus benutzen können auch in Ordnung.
Leider verlangt das Kommentieren eines Artikels in der Regel auch die Eingabe eines Namens und einer E-Mail. Diese befindet sich jedoch in der Reihenfolge der Eingabefelder vor der Texteingabe. Und da der Tastaturbenutzer meist nicht rückwarts tabben kann, folgt nun das doch recht nervige Problem: Der Benutzer muss die gesamte Website von vorne durch-tabben- bis er wieder zum Formular angelangt ist und dort dann sein Name und seine E-Mail nachzutragen.
Wenn der Blogbeitrag viele Kommentare hat, macht der Benutzer das bestimmt nicht häufig. Wenn überhaupt.

Das klingt alles etwas abstrus. Am Besten erfährt man dies, indem man selbst mal ein Standard- WordPress-Blog, welches diese Funktion hat (in den Themes TwentyTen und TwentyEleven müsste es aktiv sein).

Wie kommt es nun dazu und was kann man dagegen tun?

Im Theme wird dabei die Funktion comment_reply_link() verwendet. (vgl: http://codex.wordpress.org/Function_Reference/comment_reply_link)
Diese Funktion fügt den Link ein, der einen JavaScript-Aufruf enthält. Der JavaScript-Aufruf läd das Formular bei Klicken nach und setzt dann noch einen focus() auf das Textfeld mit der CSS-Id „comment“.
Die JavaScript-Anweisungen befinden sich in der Datei wp-includes/js/comment-reply.js .
(Diese Datei ist „mimified“. Wer sie sich genau anschauen will, sei auf die Datei comment-reply.dev.js verweisen, dei im selben Verzeichnis liegt).

Wer ein Theme baut, sollte zwei Lösungen in Betracht ziehen:

  1. Die Funktion garnicht erst benutzen. In dem Fall wird sich auch kein Kommentarthread aufbauen, sondern die Kommentare werden flach auf einer Ebene aufeinander folgen. Die Referenz von einem Kommentar zu einem anderen ist damit allerdings nicht mehr gegeben.
  2. Das Skript muss angepasst werden.
    Dies sollte man jedoch tunlichst nicht in der Originaldatei tun. Wer ein neues Theme baut, sollte sich das Skript in sein eigenes Theme-Verzeichnis kopieren und darin die Änderungen vornehmen.

 

Wir passen also das Skript an. Denn auskommentieren ist ja bekanntlich keine Lösung :)

Zunächst zum Skript:
Die einfachste Änderung besteht darin, den Fokus zu ändern auf die Id „commentform„. Damit wird der Fokus auf den Anfang des Formulars gesetzt, denn dieses ist die ID, die das <form>-Element erhält.
Am Ende des Skriptes wird also die Anweisung

gesucht und durch

ersetzt.

Um das nun geänderte Skript in dem Theme zu aktivieren, müssen als nächstes in der functions.php folgende Zeilen ergänzt werden:

Hiermit deaktivieren wir das bisherige Skript aus wp-includes .

Mit der ersten Anweisung gebe ich WordPress den Ort meines neuen Skriptes bekannt (in diesem Fall ist es direkt im Theme-Verzeichnis). Mit der zweiten Anweisung aktiviere ich es.

Das wars.
Und somit ist das WordPress-Theme wieder ein bischen barrierefreier geworden.

Dieser Artikel wurde auch auf G+ publiziert. Sie können sowohl hier, als auch dort kommentieren.

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