Kommentar Politik

Privacy by Bewusstsein

Ich möchte den Begriff „Privacy by Bewusstsein“ einführen.

Anlass dazu ist folgender Tweet von Patrick Schiffer, amtierender Bundesvorsitzender der Piratenpartei Deutschland:

partei-keine-dsb-ngo„Wir sind eine Partei, keine Datenschutz-NGO. Jedem ist es freigestellt, die sozialen Netzwerke zu nutzen, wie er/sie es möchte.“

Die Freiheit der Menschen ist wichtiger als einzelne Schutzrechte. Gleichwohl kann die Freiheit der Menschen auch durch den tatsächlichen Missbrauch von Daten eingeschränkt werden. Doch die Angst vor Missbrauch sollte uns nicht dazu bringen, die Freiheiten schon vorab aufzugeben!
Echten Missbrauch sollte man bekämpfen. Wenn er tatsächlich passiert.  Freiheiten zu entziehen oder schlecht zu reden, weil es zu einem Missbrauch kommen könnte, ist meines Erachtens völlig falsch.

Datenschutz ist verdammt wichtig. Aber wenn es die Menschen nicht mitnimmt, wenn es nur über Verbote, Mahnungen und Bevormundungen daherkommt, überzeugt man keine Menschen davon, nachzudenken und es zu leben:
Datenschutz funktioniert nur dann richtig, wenn man es verinnerlicht hat und es lebt. Wenn man sich seiner eigenen Daten bewusst ist und dessen Verwendungsformen kennt.

Echter gelebter Datenschutz bedeutet meint meines Erachtens  nicht, sich selbst vergeblich in eine Daten-Burka zu begeben und sich von der Welt und ihren Augen zu verstecken, sondern bewusst und wissend mit seinen Daten (und die seiner Angehörigen und Freude) lernt umzugehen. Nur wenn man weiß was man tut, was mit den Daten passieren kann, kann man entscheiden, wie man diese behandelt und wie man an welchen Stellen ganz bewusst und auch gezielt welche Daten verbreitet.

Ich nenne dies:

 „Privacy by Bewusstsein“.

Grundgedanke ist dabei auch, daß wir gar nicht verhindern können, daß Daten über uns in die Welt gelangen. Jeglicher Ansatz, Datenschutz dadurch zu etablieren, indem man die Verbreitung von Daten verhindert, ist meiner Meinung nach zum Scheitern verurteilt. Und wir dürfen es auch nicht immer verhindern. Das was andere Menschen wahr nehmen und erleben „gehört“ auch diesen. Um unsere eigenen Daten zu schützen, dürfen wir nicht deren Erleben einschränken und deren Freiheiten nehmen, die eigenen  Erlebnisse mit anderen zu teilen. (Siehe auch: Das Recht auf Erinnerung).

Was wir aber tun können, ist ein positives Weltbild unserer selbst zu schaffen, indem wir gezielt und bewusst mit unseren eigenen Daten umzugehen lernen.
Dies setzt aber voraus, daß wir alle selbst Herr oder Frau unserer eigenen Daten sind und niemand einfach so und ohne unsere Zustimmung einschreitet und glaubt uns vor uns selbst zu schützen.

(Anmerkung: Hier findet sich auch ein Grund, warum ich mich auch gern mit Datenschützern zoffe:
In der Sache bin ich in der Regel derselben Meinung. Gleichwohl sehe ich in der Methodik das übliche Vorgehen von Datenschützern als falsch an: Wenn Datenschützer nur mit den juristischen Hammer auf Menschen einschlagen, nicht auf deren Nöte und Bedürfnisse achten, ihnen nicht zuhören und keine praktikablen Lösungen geben, dann überzeugen sie nicht, sondern schaden der Sache nachhaltig: Sie geben dem Datenschutz den Ruf der Arroganz, der Bevormundung und inzwischen auch der einer verkappten Zensur.
Ich würde mir wünschen, die Pflicht-Fortbildungen von Datenschützern beständen nicht einseitig nur aus der Besprechung von Fallthemen unter ihresgleichen, sondern würde auch Kommunikationstraining und Coaching zum Inhalt haben.  )

  1. Ja, sehe ich auch so.

    Interessant jedoch wird es, wenn Andere mit meinen Daten so umgehen wie ich das nicht tun würde. Oder gar falsche Daten über meine Person verbreiten.

    Dann nämlich ist sehr schnell der Bestand einer Straftat erreicht und da sollten schon ein paar Gesetze da sein die dies regeln können.

    Schöne Grüße!

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