Kommentar Piraten

Rant: Freedomforlinks auf Piratenpartei.de

Es gibt derzeit eine Initiative, die verlangt, daß auf der Website piratenpartei.de nur Links auf Organe der Partei existieren sollen. Eigentlich geht es den Machern nur darum, einen Link zu dem Kompass zu entfernen, weil dieser einen Artikel als Gastkommentar zuließ, der einigen Leuten nicht genehm war. Begründet wird dies aber damit, daß nur Links auf Organe der Partei opportun seien.

tl;dr:

Es muss im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit erlaubt bleiben, Links auf Seiten zu setzen, die nicht offizielle Teile der Piraten sind.
Jede Einschränkung würde die Website zu einer statischen Broschüre machen, die keine anderen Meinungen zulässt. Würden nur definierte Ausnahmen erlaubt, müsste man Block- oder Whitelisten einführen.
Dies entspricht nicht unseren Vorstellungen. Und ist nebenbei auch nicht gerade ein Zeichen von Internetkompetenz. Das bisherige Motto „Denk selbst“ können wir damit auch gleich beerdigen und uns in die Front derer eingliedern, die für sowas wie Linkhaftung sind.

Ich bitte um Unterstützung dieser Gegen-Ini: Initiative i6561: Gegen Linkverbote und Blockierlisten.

Langform:

Die Website piratenpartei.de verlinkt zum großen Teil externe Informationen, die nicht der Piratenpartei zugehörig sind. Zudem erlaubt sie es auch, daß beliebige Menschen mit Hilfe von Kommentaren Artikel anreichern oder ergänzen.

Dies ist auch eines der Ziele der Website: Sie soll informieren. Zu einer Information gehört aber auch eine möglichst breites und nicht etwa ein einseitiges Bild. Wollen wir Menschen umfassend informieren und aufklären, müssen wir es auch verkraften, solche Links zu setzen, hinter denen sich neben den verlinkten Texten auch andere Informationen verbergen.
Für einen nicht technisch versierten Leser ist die Website als ganzes eine Plattform: Der Unterschied zwischen Artikel, Seite, Leseempfehlungen und Logoverlinkung wird oft nicht erkannt. Verschiedene Anfragen, auch von Mandatsträgern oder Beauftragten der Partei, zeigen, daß diese einfache Sicht durchaus auch in der Piratenpartei verbreitet ist.

Auch die Unterscheidung ob ein Link zu einer „offiziellen Website“ der Piraten verweist oder nicht, ist für einen normalen Leser nicht immer ersichtlich. (Allenfalls an einigen Symbolen vor den Links zu bekannten Piratenplattformen kann man das erkennen).
Eigentlich ist dies eine alte Diskussion: Stichwort „Linkhaftung“ – Macht man sich durch Verlinkung die Meinung einer anderen Plattform zu eigen oder nicht?
Für Piraten sollte diese Diskussion eigentlich alt, bekannt und längst beantwortet sein…

Was würde ein Linkverbot für Konsequenzen haben?

Würden wir alle Links verbieten, die nicht offiziell Piratenpartei sind, würde das dem Medium nicht gerecht werden und Konsequenzen auf allen Teilen der Website nach sich ziehen: Denn es würde bspw. auch Meinungsartikel, Pressemeldungen oder Hinweise zu Aktionen treffen. Dort ist die überwiegende Mehrzahl aller Links aber nicht auf Parteiseiten gerichtet.
Es wurde im Rahmen der LSR-Debatte bereits versucht, die Verlinkung zu bekannten LSR-unterstützenden Verlagen zu verringern. Dies hat sich aber auf sozialer Ebene als unmöglich erwiesen. (Sprich: Die Presse kann ohne solche Links nicht arbeiten. Und es ist sogar zwingend notwendig, Quellen zu nennen).
Auch die Verhinderung von Links in Kommentaren würde zu großen sozialen und technischen Problemen führen: Keine Links zu erlauben, würde das Medium ausdünnen und oft viele wertvolle Informationen verhindern.

Und technisch?

Der Ausschluss eines Links führt dazu, daß irgendwer eine „Blockliste“ führen muss, welche Links nicht erlaubt sind:
Würde man nur definierte Links erlauben oder andere verbieten, würde dies die Einrichtung einer Filterinfrastruktur, vergleichbar einer Zensur, bedeuten, da man mit Black- oder Whitelisten arbeiten müsste. Womit sich dann auch gleich die Frage ergeben würde, wer denn dies bitte kontrollieren und verwalten sollte. Wer wäre der Gatekeeper, der das entscheidet, welche Links gut und welche schlecht sind? Durch welches Gremium würde der seine Befugnisse erhalten und wer würde dieses wieder kontrollieren?
Wollen wir etwa Sittenwächter einführen? Sind einige Leute, die sich den Piraten angeschlossen haben, so weit?
Aus dem Streisand-Effekt sollte inzwischen auch jeder wissen, daß es unmöglich ist, mit Hilfe von Listen Informationsfluß zu verhindern…

Es ist auch völlig abartig: Eine Website und das Web lebt von Verlinkung. Eine Website die nicht verlinkt, ist es nicht Wert besucht zu werden.
Wer sowas fordert ist nicht in meiner Netzwelt aufgewachsen.

Zum Kompass

Der Kompass wird von einem Verein getragen, der den Zwecken der Piraten förderlich ist. Dies hat er in der Vergangenheit zur Genüge gezeigt. Und zeigt dies auch aktuell mit dem Interview mit  Amelia Andersdotter und Christian Engstrom. Hierfür hat er Lob und Vertrauen verdient.
Wenn es Probleme bzgl. der politischen Ansichten in einem Gastartikel gibt, der bereits zuvor woanders veröffentlicht wurde, so mag man diesem politisch begegnen, indem man Mehrheiten schafft oder Alternativen aufzeigt.
Nebenbei ist auch die Pirantifa kein offizielles Organ der Piratenpartei. Daher würde ein Linkverbot auf Nicht-Organe der Piraten zwangsläufig auch diese treffen. Gleiches gilt für die Jungen Piraten, die wir bislang ebenfalls willkommen geheißen und verlinkt haben.
Was passiert, wenn jemand von den Jungen Wilden einmal ein unangenehmen Kommentar in deren Blog schreibt? Soll dann auch die Verlinkung dahin weg? Macht ein Artikel, ein Kommentar die ganze Website, die ganze Arbeit der Jungen Wilden dann etwa unwertig?
Oder macht ein Depp der Unsinn im Namen der Piratenpartei verbreitet, die ganze Partei schlecht?
Ich glaube dies nicht.

Ausweg?

Habt Vertrauen in die Piraten, die sich aktiv an der Öffentlichkeitsarbeit beteiligen. Wenn ihr denkt, daß diese überfordert sind, dann arbeitet und gestaltet aktiv mit.
„Böse Links“ gibt es nicht. Allenfalls gibt es böse Interpretationen von Links.
Was man tun kann ist: Verlinkte Informationen durch bessere Alternativen verdrängen und ihre Bedeutung verringern. Das gelingt aber nur, indem man entsprechende Alternativen aufbaut. Und dazu muss man mehr tun als zu twittern oder nach Papa BuVo rufen.

Persönliche Ergänzungen:

  1. Die Initiative ist geprägt von einer einseitigen Sicht auf Dinge. Von Angst und Ablehnung des Pluralismus. Und sie ist nicht durchdacht, da sie die Konsequenzen, die sowas im Netz hat, nicht beachtet. Nicht durchdachte politische Initiativen kennen wir von Altparteien. Ebenso wie den dummen Ruf nach Netzzensur.
    Diese Ini ist peinlich.

    Ich kann mir diese Ini nur damit erklären, daß die Autorin zum Zeitpunkt der Erstellung aufgrund der Umstände und des Diskurses zu wütend war um besonnen handeln zu können.
    Die Einführung einer Maßnahme die einer Zensurinfrastruktur begünstigt oder fördert gehört meines Erachtens zu den absoluten „No-Go“s unter Piraten. Dabei ist es egal, von wem die Ini ausgeht oder welche Position diese Person hat.
  2. Als aktives Mitglied der SG Webseite sehe ich das Begehren auch als einen Misstrauensantrag gegenüber der Arbeit der SG in den letzten Jahren.
    Man muss es auch mal so sehen: Wir haben seit mehreren Jahren erfolgreich eine Website betrieben; es ist ein erfolgreich laufendes System, wo das Miteinander der Aktiven untereinander gut funktioniert. Wir diskutieren dabei auch die Frage der Linksetzung. 

    Beispiel: linktipp-pirates-occupy-bruessel20131219Vor einigen Wochen gab es eine Linkempfehlung zu der Aktion in Brüssel, an der die Luxemburger Piraten beteiligt waren. Dabei gab es ein beeindruckendes Bild, auf dem eine Piratenfahne vor einer brennenden Barrikade zu sehen war.
    Diese Linkempfehlung haben wir, nachdem einige Befürchtungen aufkamen, dass dieses Bild möglicherweise einen gewalttätigen Eindruck machen könnte, dann wieder rausgenommen. (Details siehe ML Archiv SG Website).

    Jetzt wegen einen Schnellschusses und eines persönlichen Ärgers über eine politische Frage, dieses „Running System“ in Frage zu stellen, ist auch ein Angriff auf die Aktiven. Es sagt implizit doch auch: Ihr, die ihr seit Jahren die Website macht, macht euren Job nicht richtig…

  1. Ich komme aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus. Wahrscheinlich war es ein Fehler, wieder einzutreten.

    Wetten, dass das die gleichen Typen sind, die sonst am lautesten „Zensur“ schreien.

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