Barrierefreiheit Kommentar Piraten

Erklärung zum Beschluss auf der BuVo-Sitzung vom 15. Mai 2013

Als Antragsteller zum Beschluss Barrierefreiheit von zentralen Webangeboten bei dem Bundesvorstand der Piraten, durfte ich diesen erläutern.

Anbei der erklärende Text, wie ich ihn vor der Sitzung vorbereitete.

Die farblich und kursiv unterlegten Teile wurden nicht vorgetragen, sondern waren nur vorbereitet für den Fall, dass es eine unerwartet schwierige Diskussion gegeben hätte.

Hinweis: Zur Diskussion ob WCAG 2 vs BITV2 verweise ich auf die Diskussion im Beitrag: Ist die Barrierefreiheit tot?

Der Antrag ist eigentlich recht simpel.

Es geht darum, dass wir unsere Webangebote so bereitstellen, dass sie möglichst jeder benutzen kann. Ohne Ausnahme und unabhängig davon wie, von wo, womit und unter welchen Bedingungen er sie nutzen kann und muss. Das ist derzeit nicht überall der Fall.

Leider ist es so, dass einige noch unerfahrene Entwickler, Designer, aber auch Agenturen zwar engagiert aber doch unerfahren sind.

Die zaubern was sehr schönes, was auch auf deren Bildschirmen oder Druckern gut ausschaut. Wenn man dann genauer hinschaut, oder eben mit einem anderen Gerät die Website benutzt, dann treten plötzlich Probleme auf.

Die meisten von uns haben Smartphones. Wenn eine Website barrierefrei ist, dann ist dessen Inhalt in der Regel auch auf einem Smartphone gut lesbar.

Das kann jeder testen.

Oder wenn ihr am Computer sitzt, legt doch einfach mal die Maus beiseite und versucht auf der Website zu navigieren.

Wenn eine Website Barrierefrei ist, ist sie einfach. Einfach für alle.

Wenn es das nicht ist, dann steckt da meist kein böser Wille hinter. Die Leute haben das getan, was sie konnten. Wir können dankbar sein, wenn es genug Leute gibt, die ehrenamtlich für uns arbeiten.

Aber gut gemeint ist nunmal nicht immer gut gemacht. Und wenn Leute unsere Angebote nicht nutzen können, nutzt auch nicht, dass der Macher nur das Beste wollte.

 Wenn etwas von einer Agentur kommt, die dafür Geld bekam oder eine andere geldwerte Leistung erhielt, dann sieht die Sache auch noch anders aus. Dann ist das Pfusch.
Und mitunter auch nahe am Betrug. Nämlich dann, wenn Firmen behaupteten, etwas für uns zu machen was zugänglich für alle ist, was Barrierefrei ist, was es dann aber in Wirklich nicht ist.
Und das ist leider oft der Fall. Wer als Auftraggeber  nicht aufpasst, gerät leicht an einen Pfuscher und wird über den Tisch gezogen.  Das passiert leider auch heute noch häufig.

Der Antrag gibt einen ganz klar definierten Rahmen vor.

Nämlich die BITV und dessen Test.

Das ist ein ganz klar definierter Katalog an Faktoren, Bedingungen und Tests. Die sind so einfach  beschrieben, daß jeder, aber auch jeder diese nachvollziehen kann.

Und das ist kein Hexenwerk, sondern Qualitätsmanagement.

Auch das Testergebnis kann jeder verstehen. 90 von 100 Punkten ist gut. 95 von 100 ist besser. das kapiert jeder. Und da kann sich niemand rausreden.

Die BITV wurde für Behörden geschrieben.
Für Beamte.
Dann sollten wir das ja wohl auch hinkriegen.

An die BITV  können sich alle halten. Und jeder, der in Zukunft eine neue Website macht oder eine neue Gestaltung oder auch ein Webangebot wie jetzt die Plakatespendensite, kann da noch vor und während der Entwicklung nachlesen, worauf man achten muss.

Im Moment hängen die Freiwilligen, aber auch Beauftragte im Luftlehren Raum. Es gibt keinen Rahmen, was einzuhalten ist.
Keiner sagt es Ihnen!
Irgendjemand sagt „Mach mal!“. Aber nicht wie. Und als guter Pirat macht der oder die dann auch.
Aber dann, wenn es fertig ist, kommt plötzlich der böse Wiese an und pöpelt rum.

 Mit der Vorgabe, daß wir uns, genauso wie auch seit über 10 Jahren schon die Bundesbehörden, an die BITV halten, können wir nur gewinnen:

Die Leute, die für uns tolle Dinge machen, haben einen Rahmen und wissen worauf sie achten müssen.
Wir gewinnen, sauber strukturierte Websites, die getestet sind und nicht einfach nur mal dahingeschludert.
Wir gewinnen einige Millionen Leute, die ansonsten ausgegrenzt werden.
Und wir gewinnen damit, daß wir Geld sparen.

Und wenn der PShop und die Plakatewebsite barrierefreier werden, könnten wir auch etwas mehr Geld verdienen. Wenn wir Aufträge an Agenturen vergeben, können wir das Testergebnis als Abnahmekriterium verwenden.

 

 Schwanhild fragte mich heute nach der Wirtschaftlichkeit. Da muss ich mich erstmal entschuldigen. Ich hab sie darauf mit ein Haufen Infos und Links zugeworfen, die belegen, daß Barrierefreiheit auch wirklich Wirtschaftlich und Nachhaltig ist. Und das andere Behauptungen Unfug sind.

Sorry, ich wollte niemand bekehren. Die Antwort ist: Wenn wir das hier jetzt beschließen kostet es uns erstmal NICHTS.

Wen betrifft es:

Alle Webangebote, die in Zukunft neu beauftragt und vom BuVo verantwortet werden. Also auch Angebote von SGs.
www.piratenpartei.de ist bereits umgestellt.

Also: kommende, neue Vorhaben.
Somit gibt es keine Pflicht, den PShop oder die Plakatewebsite zu reparieren.

Es sei denn, ihr werdet das zusätzlich noch verlangen. Es wird uns aber was kosten, wenn wir es nicht tun. Auch monetär.
Shops, die nicht Barrierefrei sind, können von vielen Menschen nicht benutzt werden. Auch weil sie dann nicht so einfach benutzbar sind.
Diese Leute gehen dann woanders hin.  Und kaufen nicht im PShop.

Eigentlich ist der Antrag sehr konservativ und zurückhaltend. Aber ich weiss das wir mit ehrenamtlichen Leuten, die jetzt auf den Zahnfleisch kriechen, nicht einfach morgen alle Fehler und alle eingefahrenen Arbeitsweisen beseitigen können.

Deswegen hab ich den reduziert.
Vor ein paar Jahren hätte ich wegen so  einem wachsweichen Antrag ziemlich heftig geflamt. Und ich weiß, daß ich aus der Szene mit Flames zu rechenn hab, weil ich die BITV befördere und nicht WCAG 2.

 Aber ich finde, wenn wir wenigstens damit anfangen uns für alles was neu kommt, diesen Rahmen zu geben, dann ist das ein Anfang.

Es geht auch darum, den Worten, Taten folgen zu lassen. Nicht nur parteiintern, sondern auch, darüber hinaus.

 Barrieren auf einer Website sind ein Statement. Egal ob unbeabsichtigt oder nicht.

Danke.