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Ideen zum Webkongress Erlangen 2012

Ideen zum Webkongress Erlangen 2012.

Es wird so langsam wieder Zeit über den nächsten Webkongress nachzudenken. Oder um es genauer zu sagen: Welches Thema wird 2012 das Web besonders stark bewegen? Was sollen wir aufgreifen und zum Schwerpunkt machen?

Ich bin bereits seit längerem am überlegen, welches Thema dieses mal geeignet wäre. Eigentlich finge ich bereits zum letzten Webkongress an, darüber zu brüten. +Alvar Freude wird sich sicher daran erinnern, wie ich darüber sinnierte, ob sich beispielsweise Netzpolitik und Netzkultur als Thema bereits eignen würden.
DIese Idee hört sich etwas Altbacken an. Natürlich gibt es zu Netzpolitik und Netzkultur längst andere Events. Insbesondere die alljährliche re:publica beschäftigt sich ja mit diesem Thema schon seit längerem…
Doch im Gegensatz zu anderen Kongresses wendet sich der Webkongress Erlangen ja an eine besondere Zielgruppe, die nicht unbedingt auf den üblichen Events anzufinden ist: Mehr als 60% der Teilnehmer des Webkongresses kommen aus dem öffentlichen Dienst, wobei sich dieser wiederum in gleichen Teilen aus Universitätsangehören einerseits und Beschäftigten von Ministerien und Behörden andererseits zusammensetzt. Diese Zielgruppe trifft auf dem Webkongress nun auf Entwicker und IT-Experten der freien Wirtschaft, also auf die eigentlichen "Macher" des Netzes; Diese besetzen die restlichen 40% der Teilnehmer.
Wobei man jetzt aufgrund meiner Formulierung nicht denken darf, daß die Teilnehmer aus dem öffentlichen Dienst nicht ebenfalls fitte Entwickler und IT-Leute sind!
Ganz im Gegenteil. Auch diese sind auf den Gebieten tätig. Nur arbeiten oder forschen sie nunmal unter ganz anderen Bedingungen als wie sie in der Wirtschaft sonst üblich sind. Die Lösungen die hier entwickelt werden, unterscheiden sich oft deutlich von solchen, die frei verfügbar sind oder von der Wirtschaft angeboten werden.
Und der Wandel der Ansprüche der Bürger (oder der Studierenden an Universitäten) an IT-Leute aus dem öffentlichen Dienst hat sich in den letzten Jahren auch auf diesem Gebiet merkbar gemacht.

Gabs und gibt es häufig noch Monokulturen bei IT-Infrastrukturen (Hardware, wie auch Software), so hat sich auch dies inzwischen gewandelt.
Ein klassisches Intranet bei dem nur nach der Idee des alten 4-Augen-Prinzips publiziert werden darf, erweist sich gegen Werkzeuge wie Mediawiki oder Blogs als Ineffizient und schlichtweg zu langsam.
War früher eine Top-Down-Verordnung bei der IT vorherrschend, wirkt immer mehr der Einfluß von unten. Und sei es nur dadurch, daß die Tochter eines Ministerialdirigenten ihren alten Herrn zeigt, wie leicht es ist, sich in dem Schulwiki Klassenübergreifend auszutauschen.
Die Einführung von solchen Werkzeugen nun auch im öffentlichen Dienst mag für einen Bastler, der stolz auf seine eigene Linuxkiste ist und dort allein arbeiten kann, leicht und simpel erscheinen. Doch in der Realität wirken nunmal auch andere Einflußfaktoren, die das ganze dann doch etwas aufwendiger machen.

Wie auch immer: Der Webkongress ist einer der wenigen Kongresse, wo es bislang gelang diese verschiedenen Gruppen zusammenzubringen. Zudem ist es gelungen, überwiegend hochqualitative Vorträge zu bringen. Sowohl von bekannten, "alten Hasen" wie die Webkrauts, bekannten Agenturen, berühmte Blogger wie +Jörg Kantel , aktive Netizens wie eben Alvar oder eben einige durchaus kreative Newcomer.

Doch zurück zur Eingangsfrage: Was wäre ein richtiges und wichtiges Thema für den Webkongress 2012?

Netzpolitik und Netzkultur?
Könnte es wirklich der Themenkreis aus Netzpolitik und Netzkultur sein? Oder ist der schon zu "abgelatscht" und durch PR- und Politik-Events nicht mehr seriös durchführbar?
Andererseits zeigt die stetig voranschreitende Etablierung der Piraten ja auch, daß eine neue Art der Politik und des vernetzten Handelns sich durchzusetzen scheint. Muss dies nicht mal seriös aufgegriffen werrden, anstelle daß PR-Leute und Politiker dieses Thema nur oberflächlich in klassischen Diskussionsrunden abfackeln?

Barrierefreiheit und WCAG?
Oder sollte es wieder das Thema Barrierefreiheit sein? Die BITV 2.0 ist letzte Woche fast sang- und klanglos in Kraft getreten. Allenfalls die WCAG war eine Zeitlang immer mal wieder bei verschiedenen Webworkern in Gespräch. Sollte man dies nicht aufgreifen? Und zwar erst recht jetzt, wo es scheint, daß eigentlich im Web garnichts mehr geht ohne JavaScript und Interaktion?

CMS?!
Ein weiteres interessantes Thema könnten CMS sein.
Oh, ich glaube da viele Leute in Gedanken stöhnen zu hören: Oh Gott, was soll denn diese olle Kamelle schon wieder?
Allerdings: Auch und gerade bei CMS Systemen hat die Entwicklung der neuen Techniken starken Einfluß gehabt. Klassische CMS werden immer weniger von ihren Bedienern akzeptiert, weil sie zu unflexibel sind, zu sperrig, zu instabil und überhaupt viel zu viel Schulungsaufwand bedürfen.
Im Fernsehen macht 1&1 Werbung mit einem Webbaukasten der von jeden ohne Schulung bedient werden kann. Die Wikipedia zeigt, wie schnell viele Menschen ohne besondere Kenntnisse mit einem komplexen System interagieren können. Google Docs und auch das Pendant von Microsoft werden immer mehr zum täglichen Arbeitsmittel.
Dies hat zwangsläufig Einfluß auf CMS. Denn die Bediener kommen eben auch mit diesen neuen System in Kontakt – sie können diesen ja fast nicht mehr ausweichen – und verlangen daher immer sebstbewusster von den klassischen CMS-Systemen eine ebenso gute Usability und Funktionsvielfalt.
Systeme die dem nicht folgen können, werden sterben; neue CMS kommen dagegen hervor.

Soziale Netzwerke
Und last, but least gibt es ja auch das Thema der sozialen Netzwerke insgesamt, der damit möglichen Re-Zentralisierung des Internets und der Entwicklungen drumherum. Vor über 10 Jahren gab es mal den Browserkrieg. Netscape gegen Microsoft. Eine Zeitlang führte Netscape, dann zog Microsoft stark nach um sich danach im Siegesrausch zurückzulehnen und faul zu werden; um dann vom Firefox eines auf die Klatsche zu bekommen.
Wird sowas nun auch bei den sozialen Netzwerken geschehen? Wird facebook durch Google+ abgelöst und später eben dieser von einem Nachfolgesystem?

Wie man sieht, es gibt einige Themen, die durchaus interessant wären.
Doch welches sollte es wirklich sein?
Oder gibt es noch andere Themen, die hier noch nicht erwähnt wurden?

Ich bitte meine Leser um Feedback hierzu. Schreibt ihr bzw. schreiben Sie, was sinnvoll wäre. Gern auf G+oder in meinen Blog als Kommentar. Wer möchte, kann mir aber auch privat eine E-Mail schreiben an xwolf@xwolf.de.