Tschüss FAZ und SZ

Wie SpOn zuerst am 4. Februar und nun heute am 15. Februar aktualisiert berichtete, wehren sich die FAZ und die Süddeutsche Zeitung dagegen, daß kurze Abstrakts ihrer Artikel und Kommentare auf der Plattform Commentarist aggregiert werden um dann zur jeweiligen Originalquelle zu verlinken: Verlage gegen Commentarist – „FAZ“ und „SZ“ wollen nicht zitiert werden.
Wie im Spiegel Artikel offenbart bewegen sich die Verlage dabei rechtlich gesehen auf überaus dünnen Eis. So verweist der Spiegel Artikel auf das Urteil des BGHs in Sachen Paperboy.

Aus einem weiteren Grund sollten die Auftraggeber und die Juristen der beiden Verlage mal stillehalten und nachdenken:
Beide Verlage liefern eine Datei robots.txt aus. Diese Datei beschreibt, welche Seiten ihrer Webauftritte durch Suchagents indiziert und somit in Suchmaschinen oder Linkportalen auftauschen können und welche nicht aufgenommen werden sollen.

Siehe dazu auch die Screenshots der robots.txt-Dateien von heute:

Bei beiden Verlagen zeigen die Dateien genau definierte Regeln auf und enthalten also keinesfalls irgendwelche Defaultwerte, die bei der Installation eines Webauftritts möglicherweise vorgegeben sein mochten. Kurz gesagt: Die Verlage haben ganz genau definiert, welche Dokumente für welche Robots für die Indizierung verboten sind und welche nicht. In beiden Fällen haben die Verlage die Indizierung der Artikel also aktiv erlaubt.
Einerseits die Verlinkung zu erlauben, andererseits gegen die Verlinkung vorzugehen, zeugt offensichtlich von einer irrationalen Vorgehensweise.

Aber andereseits – Das was die Verlage da wollen ist ohnehin schon irrational:

Das Zitationsrecht ist ein Recht, welches gerade auch für Nachrichtenmagazine existentiell sind. Das nun Verlage das Zitationsrecht einseitig einschränken wollen, hat meines Erachtens etwas den Hauch der Sinnbefreiung in sich. Niemand sägt an dem Ast, auf dem er sitzt.

Ich für meinen Teil sehe jede Links und Zitation als Kernelemente des Internets an. Es gibt aus dem Bereich der Wissenschaft einen Spruch: Wer nicht publiziert, den gibt es nicht.
Dabei ist die Publikation jedoch nur die Hälfte der Wertschöpfung. Relevant wird ein Werk durch Verweise auf das Werk, durch Fußnoten und durch Zitate.
Ein Text, der keinerlei Referenz bekommt und der nicht zitiert wird, wird nicht nur in der Wissenschaft als unwichtig, falsch oder qualitativ gering angesehen, man wird auch von Suchmaschinen in der Relevanzbewertung bestraft.

Hält man sich dies vor Augen, ist das Verhalten von FAZ und Süddeutsche nicht allein irrational, sondern nahezu selbstmörderisch.

Aber nun denn.
Das Internet ist frei und groß. Und Toleranz gegenüber seltsamen Meinungen sollte -wenn diese Meinungen wiederum nicht das Recht anderer zu sehr einschränken- durchaus gelten.

Die FAZ und die Süddeutsche wollen nicht verlinkt und nicht zitiert werden. Ich für meinen Teil werde dieses Ansinnen, auch wenn es abstrus ist, Folge leisten: FAZ und Süddeutsche werden für mich im Google News nicht mehr auftauchen, so daß ich nicht mehr aus Versehen einen von diesen ungeliebten Zitat sehen werde und auch nicht mehr aus Versehen über den Newsaggregator dort lande.

Wie dies geht, zeigt das Screenshot:

Im angemeldeten Zustand klickt man oben rechts auf Einstellungen. Man wählt in der Auswahl danach Sucheinstellungen aus. Danach kommt man auf das Formular, welches vom Screenshot angezeigt wird. Im Eingabefeld Weniger Beiträge von kann man die Webadressen der Verlage eingeben. Google erkennt diese dann auch schnell von selbst.
Ggf. werde ich noch die Adressen beider Verlage in meinen AdBlocker eintragen.

Nachdem man dies getan hat, wird man in Zukunft von unerwünschten Beiträge weitgehend verschont.

Daher sag ich nun: Tschüss FAZ und SZ, ich werde euch wahrscheinlich nicht vermissen. Wahrscheinlich werde ich von eurer Geschäftsaufgabe allenfalls wieder in anderen Nachrichtenmedien lesen. Nachrichtenmedien, die im heute angekommen sind. Die nicht in veralteten Geschäftsmodellen behaftet blieben und euch mehr und mehr Leser und Abonnenten abnehmen werden. Zu recht.

Ach übrigens: Dieser Artikel führte durch die Verlinkung zu einer Relevanzsteigerung von Spiegel Online bei Suchmaschinen. Spiegel Online erhält durch eine bessere Relevanzbewertung bei der Ausgabe der Trefferlisten eine bessere Position gegenüber anderen Nachrichtenmedien. Und damit mehr Leser. Und damit mehr Einnahmen durch Bannerwerbung und möglicherweise Abonennten.
Ob Spiegel Online sich dafür bei FAZ und Süddeutsche bedanken wird? ;)

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