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Bildbeschreibungen im Web und sinnvolle Alternativtexte von Bilder

Wie sieht eigentlich ein sinnvoller Alternativtext von Bildern oder Grafiken auf Webseiten aus?
Muss der Ausführlich sein? Alles beinhalten was auch das Bild zeigt? Oder reicht eine kurze Bildbeschreibung?

(Vorweg: Es geht hier nicht um Schmuckgrafiken, die ein Webdesign bestimmen, sondern um Grafiken, die den Inhalts ausmachen oder ergänzen).

Angie Radtke führt hierzu gerade ein Experiment durch. Dabei geht es um den Spezialfall von Bildern, die Emotionen darstellen, welche nur schwer in Worte zu fassen sind. Ich fürchte, wie immer wird es keine eindeutige Entscheidung geben können, sondern ein Kompromiss. Oder wenn, dann ein situationsgerechtes Verhalten und keine Patentlösung.

Bei Bilder und Grafiken im Web gilt meines Erachtens in der Regel der selbe Grundsatz wie auch bei Forschungspublikationen und Fachliteratur: Bilder müssen auch im Text angesprochen und inhaltlich beschrieben werden.
Das bedeutet nicht, dass es bei einer Grafik zu einem Organisationsschema einfach reicht sinngemäß zu schreiben, daß man „da die Orga sieht“. Stattdesen muss beschreiben was die Grafik konkret zeigt.
Das geschieht im normalen Text, den auch jeder sieht. Das Alt-Attribut kann durchaus mit einem Platzhaltertext („Strukturbild der Orga..“) ausgefüllt sein, aber im Fließtext drunter sollte ggf. sowas stehen wie:

Die Strukturgrafik zeigt die hierachische Organisationsstrutur der Firma XY. Sie besteht aus den Abteilungen „123“, „456“, „789“ und „ABC“. Der ABteilung „123“ untergeordnet sind die Arbeitsgruppen 1, 2 und 3, …

Merkbeispiel:

Bei einem Bild von einem Haus reicht es nicht hinzuschreiben: „Das ist ein Bild von einem Haus“. Denn man muss das Haus beschreiben, nicht das dort ein Bild ist. Welche Farbe hat das Haus? Was ist drumherum? Ist es alt, ist es neu, gibt es Fenster…?
Das was jeder Betrachter sieht ist nicht dasselbe was jeder erkennt.

Um den Bogen also zurück zum Alternativtext (und auch den Titel sollte man nicht vergessen)zu spannen. Mein Rezept wäre:

  • Der Titel beinhaltet den Namen des Bilds. Er beschreibt nicht.
  • Der Alternativtext gibt eine Ersatzrepräsentation des Bildes, die zum einen kurz und prägnant ist, zum anderen aber eine Aussage gibt, was überhaupt zu sehen ist.
  • Der umgebende Kontext, zu dem das Bild gehört, wird das Bild inhaltlich und interpretativ beschrieben.

Beispiel „Mona Lisa“:
(Siehe: Wikipedia: Mona Lisa)

Das Bild trägt den Namen „Mona Lisa“.
Der Alternativtext wäre dann wahrscheinlich: „Ein gemaltes Bild der Mona Lisa von Leonardo da Vince.“
Die Interpretation/Beschreibung entspräche (wenn man es ausführlich machen wollte) den Text aus der Wikipedia.

Trotzdem bleibt die Frage offen, die Angie derzeit untersuchen will: Was tut man bei Bildern, die solche Emotionen ausdrücken, die man nicht in Worte fassen kann?
Die Antwort, daß alle Webseiten und auch die dann dort verwendeten Bilder immer ein Ziel haben und deswegen auch eine geschriebene Interpretation möglich sein sollte, erscheint mir zu einseitig.
Denn zum einen kann es auch Webauftritte geben, die kein fassbares und definiertes Ziel haben und zum anderen kann es sein, daß man gezielt durch das Weglassen des Textes die Wirkung von Bildern nutzen möchte:
Der Betrachter soll seine eigenen Emotionen unbeeinfusst spüren.

1 Kommentar zu “Bildbeschreibungen im Web und sinnvolle Alternativtexte von Bilder

  1. alt=“Menschen, die sich vermehren“

    kann schon Einiges bedeuten ;-)

    Weil heut Freitag íst, schönes WE!

    Ernst

Kommentare sind geschlossen.