Artikel: Vision über (Blog-)Web 3.0

In einem längerem, Gastbeitrag bei Sven Lennartz macht sich Alexander Endl Gedanken über mögliche Entwicklungen des Webs un Internets.

Auch wenn man anderer Meinung sein kann und ich selbst auch die Bedeutung von Blogs als überbetont halte, ist der Artikel durchaus lesenswert:
Die Zukunft im Web 3.0 – Eine Vision

Witzigerweise bin ich auch gerade dabei, einen ähnlichen Artikel zu formulieren.
Man sollte jedoch aufpassen, daß man nicht zu sehr durch eigene Erfahrungen vorgeprägt ist und wie durch Scheuklappen nur das sieht, was man kennt. Blogs sind sicherlich inzwischen eine bedeutende Anwendung im Web und wichtiger Teil der Netzkultur. Sie sind jedoch nicht alles.

Eines ist jedoch voll richtig im Artikel: Der Trend hin zu mehr kreativen sozialen Miteinander scheint sich zu einem immer wichtigen Zukunftsmodell für die Erstellung, Pflege und Austausch von Inhalten zu entwickeln.
Im Gegenzug dazu stehen die klassischen Modelle der Wissensentwicklung und Publikation.

Dies wird möglicherweise weit über das Internet hinaus Einfluß auch auf die Gesellschaft haben.
So würde ich als Beispiel das neue zahnlose Verbraucherinformationsgesetz nennen, welches in §1 zwar jeden Verbraucher zugesteht alle Informationen zu bekommen die relevant sind, wo aber in §2 schon die Einschränkung auf solche Dinge kommt, die keine „Geschäftsgeheimnisse“ herausgeben und auch solche Informationen verhindern, die der Firma finanziellen Schaden bringen würde. In einem Beitrag von Frontal 21 wurde darauf gestern ja zu genüge eingegangen.
Der Clou (und damit machen wir wieder den Schwenk zurück zum Thema) ist jedoch: Da die Verbraucher von deutschen Websites der Verbraucherministerien und Zentralen keine ausreichend relevanten Informationen erhalten, können diese sich frei im Netz eben bei den anderen Ländern oder Organisationen bedienen.
(Denn dort werden „Ross und Reuter“ genannt, mehr noch: Die Firmen nennen sich selbst und zeigen selbst ihre Testergebnisse um durch diese Offenheit den Kunden eine verbriefte Garantie zu zeigen.)

Die Vernetzung (man könnte es hier auch Globalisierung der Informationen nennen, aber „Globalisierung wird von einigen ja negativ gesehen) führt also dazu, daß Benutzer vermehrt danach schauen, wo sie relevante Informationen bekommen. Die Quelle ist egal. Das Corporate Design ist egal.
Wenn ein Gesetz in dem eigenen Land zu zahnlos ist, wird eben geschaut, wo es besser ist und wo man mehr bekommt. Im Umkehrschluss hat das aber auch die Folge, daß durch die Vernetzung sehr viel leichter gesehen wird, was für ein Nonsense gemacht wurde und das anhand sichtbarere und nutzbarere Beispiele aus anderen Ländern (bzw. von anderen Anbietern) die Bedenken gegenüber eine zu offene Herausgabe von Informationen nicht die Vorteile überwiegen.
Als Politiker dürfte man sich an dieser Stelle überlegen, ob wir hier nicht langsam dazu kommen, daß politische Arbeit und Ergebnisse konkurrenzfähig sein müssen?
Denn das was da produziert wird an Ergebnissen wird nicht mehr nur nach der Wirksamkeit und Effektivität abgeklopft, nein, viel schlimmer: Es wird jetzt auch verglichen mit den politischen Arbeiten und Modellen in anderen Ländern!

Und -oh weh!- nicht nur von wenigen Fachjournalisten, sondern quasi von jedermann und jederfrau! :)

Ich denke jedenfalls der bedeutenste Aspekt der Fortentwicklung von Web und Internet werden die Folgen der Vernetzung auf Kultur, Medien, Wirtschaft und Politik sein.

Und an diesen Stellen wird es sicherlich auch zu den größten Kämpfen kommen.
Man sieht es ja jetzt bereits wie stark der Kampf ums Urheberrecht geführt wird. Die klassischen Vertriebsmodelle stehen auf der einen Seite und kämpfen verzweifelt um den Erhalt ihres Status Quo, während neu Konzepte von „jungen Wilden“ schon in der Startlöchern sitzen und auf Ihre Chance warten.

Ähnliche Kämpfe wie um das Urheberrecht wird es auch geben um die Fragen der Informationsfreiheit.
Noch ist das deutsche Gesetz zur Informationsfreiheit nur ein erster kleiner Schritt in eine Richtung für mehr Offenheit. Doch sowohl Erfahrungen durch das (eingeklagte) Recht von Bürgern auf Informationen, aber auch mit Vergleichsinformationen aus einer Vernetzten Welt die nicht vor Ländergrenzen halt machen, werden eine immer größere Offenheit von Daten verlangen.

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